Von der Stange - Yamaha XJR 1300

27.04.2015  |  Text: Thilo Kozik  |   Bilder: Werk, Thilo Kozik
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Von der Stange - Yamaha XJR 1300
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Namhafte Customizer haben Yamaha geholfen, dem klassischen Dauerbrenner XJR 1300 neues Leben einzuhauchen. Vor allem in der XJR 1300 Racer werden Erinnerungen an die legendären Superbike-Rennen der glorreichen Siebziger und Achtziger wach
Ausritt: Yamaha XJR 1300 Racer
Von der Stange
Von der Stange
Classic Superbike

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Die Stippvisite in der Dependance der Umbau-Gurus von Deus Ex Machina in Sydney schindet mächtig Eindruck: Hier stellt Yamaha-Produktmanager Shun Miyazawa seine neuen XJR-Modelle vor. Das ist nur logisch, schließlich hatte er sich in den vergangenen fünf Jahren reichlich ­Input der Customizer Wrenchmonkees, Keino und eben Deus Ex Machina geholt, um die XJR neu zu erfinden.

All die Modifikationen ändern aber nichts daran, dass die 1300er nach wie vor mit der Präsenz eines Monuments der Motorradgeschichte protzt: Seit der Premiere als XJR 1200 vor zwanzig Jahren wirkt sie wie aus dem Vollen gefräst, mit einer muskulösen Linie, die den mächtigen verrippten Reihenvierer ins Zentrum rückt.

Dass die neue XJR nicht mehr so unförmig retro wirkt, verdankt sie dem kurzen Heck, bei dem durch Weglassen der hinteren Unterzüge gleich mal zehn Zentimeter weggechoppt wurden. Die nun aufgeschnallte, angedeutete Höckersitzbank im Giuliari-Stil – wer erinnert sich nicht daran? – bringt genauso Sportgeist in den Look wie die Seitenabdeckungen aus poliertem Aluminium, die wie Startnummerntafeln der in den Siebzigern und Achtzigern populären AMA-Superbike-Rennen aussehen.

Doch erst die „Racer“-Variante setzt dieses Thema stimmig um: Statt der Lenkstange der Standard-XJR sind zwei Stummellenker unterhalb der Gabelbrücke montiert. Eine sportlich geschnittene Lenkerverkleidung samt kurzer ­vorderer Radabdeckung und die hintere Höckerabdeckung, alles aus Kohlefaser, komplet­tieren den Superbike-Look.

Klar, dass man nah am Vorderrad sitzt und sich etwas nach vorn bücken muss. Doch selbst mit durchschnittlichen 174 cm kommt man über den deutlich verschlankten Tank ziemlich ­relaxt an die Clip-ons ran und genießt satten Knieschluss. ­Extrem ist die Haltung nicht, vielmehr scheint sie als Kompromiss auch Best Ager mit beginnenden Rückenleiden für dieses Bike begeistern zu wollen.

Seitenabdeckungen aus poliertem Aluminium wirken wie
Start­nummerntafeln.

Beim Anlassen gibt’s eine kleine Enttäuschung: Der so kraftvoll inszenierte Four mit klassisch verrippter Luftkühlung summt auspuffklappenbereinigt unscheinbar aus dem langen, megaphonartigen Schalldämpfer. Auch das tief­frequente Wummern beim Gaszupfen im Stand, das dem Treiber die Macht des Aggregats suggeriert, ist verschwunden – die ausgeklügelte Lagerung des Triebwerks im Doppelschleifen-Stahlrohrrahmen killt auch angenehme Vibs.
 


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Stand:24 June 2018 20:38:02/test/von+der+stange+yamaha+xjr+1300_154.html