Vergleichstest Kawasaki Z650, Suzuki SV650, Yamaha MT-07

02.08.2018  |  Text: Lucia Prokasky, Guido Kupper, René Correra  |   Bilder: Tobias Kircher
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Vergleichstest Kawasaki Z650, Suzuki SV650, Yamaha MT-07
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Einstiegsklasse: Das klingt nach Kompromiss, nach lauwarm servierter Allerweltssuppe, nach Herzschlag kurz über der Todesschwelle. Doch die Zeiten haben sich geändert, wo früher bleischwere Mini-Fours von oben bis unten schnappatmeten, pochen heute satt eingeschenkte Twins in federleichten Umgebungen um die Wette. Doch welche Einstiegs-Keule schwingt am mächtigsten? Drei Fahrer, drei Meinungen, eine Mission: Großer Spaß für kleines Geld!

Früher war alles besser?

Man kommt einfach nicht dran vorbei. Job, Geld, Musik, Jugend, Autos, Wirtschaft, Brötchen beim Bäcker; egal worum es geht, immer wieder fällt folgender Satz: „Früher war alles besser.“ Gilt natürlich auch für Motorräder, eh klar. Der deutsche Homo Sapiens Motorradfahrensis ist ja bekannt für seine Zukunftsgewandheit.

Geht es hierbei um Zweiräder, kann die Replik nur aus einem Namen bestehen: Yamaha Virago. Oder Suzuki Savage. Vielleicht auch Yamaha Diversion, natürlich als 600er. Das waren nämlich die vermeintlichen Helden der Vergangenheit, mit denen man sich Ende der 90er-Jahre als Motorradnachwuchs mehrheitlich auseinandersetzen musste. Sei es nun in der Fahrschule oder auf dem Gebrauchtmarkt. An Albernheit kaum zu überbietende Nippon-Soft-Chopper mit Bonsai-Triebwerk oder blutleere, leicht adipöse Vierzylinder-Drehorgeln. Europa hatte zwar Spannenderes in Petto, nicht aber für nachwuchsadäquates Geld. Wer sich in Anbetracht der heutigen Starters aus Japan diese schockgefrosteten Reisplunsen zurückwünscht, weint wohl auch dem 28K-Modem hinterher.



Doch es ging auch anders, wie die SV650 noch gerade so vor der Jahrtausendwende bewies. Mit einem charakter- wie leistungsstarkem V2, agilem Handling und sportlichem Auftritt schlug Suzuki einen neuen Weg in der Causa „Irgendwo muss jeder mal anfangen“ ein. Ein höchst erfolgreicher Weg, denn der Japano-Twin schlug eine wie eine Bombe und lieferte die Blaupause für heutige Einsteigerbikes aus Fernost. Wenig Gewicht, viel Bums und einfache Handhabung, dazu eine kleine Prise Charakter. Viel ist passiert seitdem, die SV wurde geupdated, umbenannt, feminisiert. Doch nichts half: sie musste ihren Sonnenplatz in der Zulassungsstatistik erst teilen, dann räumen. Kawasaki ER-6 und Yamaha MT-07 schöpfen seitdem den Rahm ab.

Nicht mehr lang, wenn es nach Suzuki geht, denn 2016 füllten sie den großen Namen wieder mit neuem Leben und stellten sich dem japanischen Twin-Battle. Grund genug für uns mal zu schauen, wo es sich am wenigsten lohnt, der Vergangenheit hinterzuweinen. Drei Motorräder, drei Tester, drei Geschichten: Wenn das kein Zufall ist...

Guido Kupper über die Kawasaki Z650 – Die junge Wilde



Der olle Dieter-Thomas Heck, er wäre stolz auf sie. Dass Kawasakis Z 650 in den Hitparaden der Zulassungsstatistiken seit Erscheinen 2017 mit rund 4200 verkauften Motorrädern großzügig abräumt, ist keine Überraschung. Das Erfolgsrezept lautet schlicht und knapp: muntere Problemlosigkeit zum Schnäppchenpreis. Jugendliche Umsteiger lockt das von ihren abgelegten 125ern ebenso herüber wie Gereifte mit dem Hang zurück zur Leichtigkeit längst vergangener Tage. Gerade mal 187 Kilo wiegt die Z mit vollem Tank. Das unterscheidet sie nicht nur drastisch von ihrer Vorgängerin, der fast 20 Kilo schwereren ER 6. Das ist es auch, was ihr schon vorm Aufsitzen mit federleichtem Rangieren Sympathien einbringt – und nach dem Aufsitzen erst recht: mit leichtem Aufrichten, leichtgängiger Kupplung, leicht bedienbarem Getriebe und festem Stand am Boden. Ist die Kupplung erst mal eingerückt, bleibt es dabei: Die Z ist ein rechtes Fahrrad.

Für die Reiferen unter uns allerdings haben es die Macher mit der Einsteigerfreundlichkeit doch ein Stück weit übertrieben. Aus 785 Millimetern Sitzhöhe reichen zwar auch kurze Beine sicher zum Boden, für zupackende Fahrdynamik aber gibt’s aktivere Sitzpositionen. So passiv hängt man mit kurzem Abstand hinterm schmalen Lenker, dass man die herausragende Agilität nicht mit dem lauten Hurra begrüßt, das sie eigentlich verdient hätte. Es fehlt einfach der direkte Weg zum Vorderrad. Die drei Zentimeter höhere Gelsitzbank-Alternative aus dem Kawa-Zubehör ist also zu empfehlen, auch weil sie den doch ziemlich sportiven Kniewinkel etwas entschärft. Und doch: Besonders beim Umlegen in Wechselkurven dürfte sich so mancher fragen, wie viel Lebensenergie in all den Jahren da in seinem alten sturen Bock bisher fruchtlos verpufft ist.



Der Vortrieb des akustisch hohl pöttelnden Twins ist genauso munter wie das Handling. Zwar ruckelt er nach Einrücken der Kupplung um die 2000/min etwas unwillig vor sich hin – so wie bei untertourig gefahrener Konstantfahrt im hohen Gang übrigens auch – gerät dann aber rasch in Fluss, um eine wirklich überzeugend dynamische Mitte aufzuspannen. Zwischen 4000 und 8000/min vermisst man sie kein bisschen, die sieben respektive acht PS Minderleistung auf die beiden Konkurrentinnen. Erst beim wilden Drehen spielen MT und SV ihre zweite Luft aus – und ziehen davon.

Dass ein Motorrad für 6.700 Euro kein Schatzkisterl ist, braucht man niemandem zu erklären. Und so ist auch der Z die Zurückhaltung in Sachen Material und Ausstattung anzusehen – zumindest die Yamaha kann sich bei der Verarbeitung schon ein Stück weit absetzen. Neben dem ABS hat die Kawa immerhin eine Assist-/Antihoppingkupplung zu bieten, beide Handhebel sind einstellbar und das unübersichtliche Cockpit bietet immerhin vollen Funktionsumfang. Die simplen Schwimmsattelbremsen am Vorderrad wirken ordentlich und greifen besser als die seifigen Stopper der SV. Auf die Performance der besseren Bremsenausstattung an der MT-07 bleibt dennoch einige Luft.



Am auffälligsten wird das Spardiktat der Einsteigerklasse beim Chassis der Z. Lediglich die Vorspannung des Federbeins ist einstellbar, sein Dämpfungspotenzial wie das der Gabel eher bescheiden. Beim Beschleunigen und Verzögern stampft das Krad wie eine Fregatte in schwerer See, das trampelig ansprechende Federbein bringt zusätzlich Unruhe. In Schräglage munter über Asphaltschrunden zu hobeln oder in der Stadt gar mit Verve ein paar Bahnschienen zu nehmen, ist nicht unbedingt empfehlenswert. Selbst als Altgedienter fühlt man sich da nicht immer hundertprozentig wohl. Zudem die Z beim Griff an die Bremse auch spürbar in die Horizontale drängt. Ein narrensicheres Fahrverhalten für Einsteiger stelle ich mir anders vor.

Wer Z kauft, verkauft sich trotzdem nicht. Mit der MT-07 aber hat sie einen schweren Gegner. Hier gibt’s noch mehr Motorrad fürs Geld, was sich in der Verkaufshitparade mit noch besseren Platzierungen auch niederschlägt. Und wer von den körperlichen Abmaßen nicht in eine Faltschachtel passt, findet auf der erwachsene Proportionen bietenden Suzuki SV auf jeden Fall den angemesseneren Entfaltungsspielraum.

Kawasaki Z650 Plus und Minus



Plus
- Charaktervoller, lebhafter Motor
- Wunderbar handlich
- Geringes Gewicht

Minus
- Unterdämpftes Fahrwerk
- Passive Sitzposition
- Soziuskomfort

2016 brachte Kawasaki die Z650 parallel zur Z900 an den Start. Zum Testbericht der beiden geht es hier.

Lucia Prokasky über die Suzuki SV 650 – Der Klassiker



Vorwort: Die MT-07, 2015er Baujahr, habe ich privat im Stall stehen. Mit der Z-Familie von Kawa durfte ich bereits Bekanntschaft machen, wobei ich lediglich die größeren Brüder Z 800 und Z 900 getestet habe. Suzukis SV stand vor Jahren mal privat zur Debatte, aber irgendwie hat mich schon ihr Anblick gelangweilt – Scusi, Suzi! Die jahrelange Ablehnung ist aber Grund genug, ihr endlich mal eine Chance zu geben. Also los.

Um die Kurven schwingt sich das schwerste der drei Mopeds ordentlich, aber eben nicht super. Zu den knapp 200 Kilogramm Gewicht kommen folgende Faktoren, die die Agilität im direkten Vergleich massiv einschränken: Sie hat den längsten Radstand mit 1445 Millimeter und den längsten Nachlauf mit 106 Millimeter. Zum Vergleich: Die Z 650 hat einen Radstand von 1410 Millimeter und einen Nachlauf von 100 Millimeter; die MT-07 hat dagegen mit 1400 Millimeter einen kurzen Radstand und sportliche 90 Millimeter Nachlauf.Darstellung Vergleichswerte sehr sperrig! Außerdem ist das Fahrwerk der SV für meine 50 Kilogramm zu stramm abgestimmt. In den Kurven spüre ich kaum dessen Arbeit und mein Vertrauen zu dessen Funktion wächst daher nur langsam. Auch auf der Autobahn macht mir die Abstimmung zu schaffen: Ab 155 Sachen wird das Vorderrad derart leicht, dass meine Gashand reflexartig die Drehbewegung von hinten nach vorn verändert. Guido erfährt das erst bei 180 km/h und dreht die Zugstufeneinstellung des Federbeins komplett auf. Das Heck kommt etwas nach oben und damit mehr Gewicht aufs Vorderrad – ihm hilft’s, mir nur wenig. Wir bekommen einfach kein Gefühl füreinander, die Suzuki und ich: Gerade so, als würde ich gar nicht darauf sitzen.



Nachdem ich auch die anderen beiden Kräder gefahren bin, ist eine Sache klar: Die Sitzposition der SV ist am besten. Aufrecht, leicht nach vorn gebeugt und die Hände greifen einen erwachsenen Lenker. Top, im Vergleich zu den anderen beiden „Kloschüsseln“, wie ein Kollege es liebevoll formuliert. Und damit wären wir auch schon beim Thema Popo: Der tut mir auf der SV leider schon nach einer Stunde Aufsitzen weh.

Aber egal, ich dreh am Hahn und schon ist das Hinterteil vergessen. „Klack“ – der Gang ist drin. Sauber und klar rastet er ein, am Getriebe habe ich absolut nichts zu meckern. Und dieser Motor, er hat mich – er ist der Trumpf der SV. Er ruckelt untertourig überhaupt nicht, selbst wer das Schalten komplett vergisst, kann noch im sechsten Gang in der 50er-Zone rumgurken. Ehemalige Einzylinder-Fahrer werden mit der SV650 also zu Schalt-Faulpelzen umerzogen. Schwung kommt dann zwar erst bei 4000 U/min, aber reicht bis 9000 U/min. Ihr maximales Drehmoment von 64 Nm entwickelt die SV bei 8100 U/min. Das ist eine satte Mitte und gefällt. Bei den Pferdestärken schenken sich die Suzi und Yamaha mit gleichermaßen 76 PS nichts, nur die Kawa galoppiert mit 8 PS weniger hinterher.



Optisch hat sich die SV ganz schön gemausert – oder aber es hat sich einfach mein Geschmack verändert. Sie erinnert mich stark an die XSR 700 von Yamaha, die Schwester der MT-07. Hübsch also, aber das bleibt glücklicherweise Geschmacksache. Eine einzige Kleinigkeit bereitet mir aber Augenkrebs: Was bitte ist das denn für eine massive Warze, die da als Endtopf dient? Der hat schon Schamfaktor und ist Grund genug, auf der Autobahn nur rechts zu fahren. Immerhin knattert er am freudigsten. Aufgesessen und die Optik vergessen, sättigt er zumindest das Bedürfnis des Sounds und trägt damit immens zur Fahrfreude bei. Im Vergleich: Mit der MT-07 kommt diese Freude nicht mal im Tunnel auf – traurig.

Für mich ist die SV ein wunderbares Einstiegsbike, vor allem wenn kein Vergleich zu wendigeren Motorrädern da ist. Doch das mitgebrachte Körpergewicht des Fahrers sollte wegen des Fahrwerks unbedingt passen, dann macht sie richtig Laune. Der Motor verzeiht einem Anfänger das gelegentliche Verschalten und der Low-RPM-Assist vermeidet über die Leerlaufregelung mit erhöhter Drehzahl beim Anfahren oder niedrigen Geschwindigkeiten ein Abwürgen. Alles in allem wandelt sich mein Blick auf die SV und das hat sie ihrem Motor zu verdanken. Zu einem Ausritt am Sonntag – mit ausgetauschtem Auspuff versteht sich – würde ich jetzt auch nicht mehr nein sagen.

Suzuki SV650 Plus und Minus



Plus
- hervorragende Ergonomie
- kultivierter Motor 
- sportliche Leistungsentfaltung

Minus
- im Vergleich etwas träge
- sehr straffes Fahrwerk für leichte Fahrer
- herausforderndes Auspuffdesign

Einen ausführlichen Testbericht zur SV650 könnt ihr hier lesen.

René Correra über die Yamaha MT-07 - Der Bestseller



Es ist nicht gerade so, dass es bislang an Worten zu Yamahas Game Changer gefehlt hätte. Alle in diesem kleinen Business hatten was zu sagen, und zwar in erster Linie Gutes. Bei uns nicht anders. Motor, Handling, Preis: alles top bis herausragend. Mit einem Spaß-pro-Euro-Verhältnis, das in der traditionell blutleeren Einsteigerklasse seinesgleichen sucht. Dazu gewohnt japanische Ereignislosigkeit im Bereich „Probleme jeglicher Art“. Friede, Freude, MT-Kuchen?

Nun, einen Party-Crasher gab’s leider doch bei der großen Yamaha-Sause. Aber immerhin wildert der nicht nicht nur bei Yamaha, sondern bei ebenso vielen anderen günstigen Offerten aus Fernost. Das Fahrwerk der MT-07 konnte man im besten Fall als „wirklich sehr komfortabel“ bezeichnen. Im schlechtesten als „wirklich sehr mies“. Die bewährte Kombi aus wabbeliger Federrate und massiver Unterdämpfung sorgte bislang für unfreiwillige Adrenalin-Ausschüttungen, sobald es mal zur Sache ging. Ob es am zierlichen Format des japanischen Max Mustermann, am auf Besonnenheit und Harmonie bedachten Nippon-Wesen oder am allgegenwärtigen Kostendruck liegt – man weiß es nicht.



„Alles vorbei!“, schallt es aus Japan und man schiebt eben diese MT-07, Jahrgang 2018, unter meinen eben nicht sehr japanisch eingewogenen Hintern. Der trotzdem erst mal noch weicher als gewohnt gebettet ist. Auch die Sitzbank hat ein kleines Update bekommen und kommt nun sowohl mit mehr Platz als auch etwas mehr Polsterung daher. Was ihr im Fahrwerk an Härte fehlte, machte die kleine MT nämlich bisher mit ihrem Sofa Marke eiserner Thron wieder wett. Machen wir es kurz: Das Härteverhältnis zwischen Sitzbank und Fahrwerk hat sich umgekehrt, und das ist ein deutlich besserer Deal.

Man kann die kleine Yamaha kaum wiedererkennen, so souverän schraubt sie sich jetzt um Kurven und über Buckelpisten. Das Hineinstechen in den Radius fühlt sich nun eher wie der Präzisionswurf eines Baseball-Spielers an, vorher war es eher so, wie auf gut Glück eine Salami in eine Lagerhalle zu werfen. Damit liegt die MT sogar noch etwas vor der ebenfalls ordentlich abgestimmten SV, sicher aber in einer anderen Galaxis als die wabbelige Z.



Man kann den Yamaha-Entwicklern kaum genug danken, dass sie der üblichen Fahrwerkskritik aus der alten Welt nicht mit dem stumpfen Erhöhen der Federrate begegnet sind, diesem Sportlichkeit suggerierenden Taschenspielertrick. Auch Druckstufe und Zugstufe wurden ordentlich gestrafft, vorn ein bisschen, hinten mit Schmackes. Letztere ist nun sogar einstellbar, was ganz gut ist, denn die Werksjustierung hat bei 90 Kilo Fahrergewicht und mehr immer noch Raum nach oben.

Der beste Motor im Feld findet nun auch endlich das beste Fahrwerk im Feld. Da lässt sich der mieseste, weil leiseste Sound im Feld ganz gut verschmerzen. Genau wie das nun etwas schlechtere Ansprechverhalten am Heck. Apropos Ansprechverhalten. Das ist wohl das Einzige, was man dem superben und sonst hochkultivierten Reihen-Twin ankreiden kann, denn da geht es immer noch etwas ruppig zur Sache. Dafür kommt er halt nicht wie die Kawa nur bis zur Mitte oder die Suzi erst ab der Mitte, sondern bei jeder Drehzahl zur Sache. Und zwar jeweils mit dem dicksten Bizeps. Es ist schon fast eine Leistung, das Vorderrad in den unteren drei Gängen am Boden zu halten. Nun, bester Motor halt.

Sie haben also verstanden in Japan. Endlich. Jetzt noch den Fahrrad- gegen einen erwachsenen Motorradlenker tauschen – wie man ihn übrigens nur an der Suzuki findet – und es können wieder ein paar Worte zur MT-07 geschrieben werden. Nur gute natürlich.

Yamaha MT-07 Plus und Minus



Plus:
- Motor schiebt in jeder Drehzahl
- Fahrwerk mit reichlich Reserven
- Sparsamer Verbrauch

Minus:
- Motor geht hart ans Gas
- Ansprechverhalten am Heck
- Bremse braucht Handkraft

Du bist neugierig, welche Bedeutung die MT-Reihe für Yamaha hat? Dann schau dir den ausführlichen Bericht dazu an. 

Fazit Vergleichstest MT-07, SV 650 und Z650

Falsch kann man also eigentlich nichts machen, wenn man für unter 7000 Euro ins Motorradleben starten will. Und am wenigsten falsch macht man mit der MT-07. Wer einfach nur den besten „bang for the buck“ haben will, kommt an ihr nicht vorbei. Motor und seit dem jüngsten Update auch Fahrwerk sind in dieser Preisklasse nicht zu schlagen. 

Wenn einfache Handhabbarkeit über alles geht und sich das Leben unterhalb von 8000/min abspielt, spricht nicht wenig für die Z650. Da einfache Handhabbarkeit in gewisserweise mit Körpergröße negativ korreliert, diese wiederum mit einem der zwei Geschlchter positiv korreliert, wird die ein oder andere überschaubar gewachsene Dame die niedrige Kawa wohl auch sehr zu schätzen wissen. Da kleine Damen meist auch wenig wiegen, fällt auch das Schunkel-Fahrwerk in dem Fall nicht ganz so arg ins Gewicht. 



Du stehst auf Originale? Dann führt kein Weg an der SV 650 vorbei. Das klassischste Design trifft das ausgewachsenste Motorrad im Testfeld. Das Fahrradgefühl der MT, und vor allem der Z, gibt es hier nicht. Stattdessen richtig erwachsenes Motorradgefühl bei immer noch reichlich drahtiger Beweglichkeit. Kerniger Klang und fordernder Zug obenraus: V2 bleibt V2, Zündversatz hin oder her. Schön, dass es das noch gibt. 

Was soll man also sagen, wenn es mal wieder heißt: „Früher war alles besser“? Geht es hierbei um Zweiräder, kann die Replik nur aus einem Namen bestehen: Yamaha MT-07. Oder Kawasaki Z650. Oder Suzuki SV650.
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Stand:21 August 2018 08:07:51/test/test+kawasaki+z650+suzuki+sv650+yamaha+mt-07_18730.html