Test Honda CB 125 R – Klein und fein

23.06.2018  |  Text: René Correra  |   Bilder: Werk
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Test Honda CB 125 R – Klein und fein
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Es brummt im Achtellitersegment. Und während alle Welt die erregungssensible Jugend mit Sport um den Finger wickeln will, ­appelliert Honda an sehr ­erwachsene Tugenden. Vorhang auf für den Herrenroadster der 125er-Welt
Es kann verdammt einsam sein an der ­Spitze. Wie von Argusaugen beobachtet, steht jeder Schritt und Tritt auf dem moralischen Prüfstand. Ein Fehler und es regnet kollek­tive Häme. Üblicher Vorwurf: „Der/Die weiß doch gar nicht mehr, wie die normalen Leute leben.“ Ein gewisser Gesund­heitsminister kann nach ­gewissen Äußerungen zum Thema Hartz IV ein recht ­aktuelles Lied davon singen.

Ersetzen wir die „normalen Leute“ durch „normale Motorradfahrer“, sind wir ruckzuck bei der häufigsten Kritik an unserem Berufsstand. Zwar ohne Macht, Ruhm und Abgeordnetendiäten, dafür aber dank Testmotorrädern satt mit Hubraum, Power und Elektronik bis zum Abwinken gesegnet.In beiden Lebenswelten kann ein bisschen Erdung ab und an also nicht schaden. Wir Zweiradpoeten müssen dafür glücklicherweise keinen Hartz-IV-Monat einlegen, sondern einfach 125er fahren. 

Breite Segelstange und zeitgemäßes Digitalcockpit für den erwachsenen Auftritt und Ausritt. Nur der ab 7 000/min hochnervöse Schaltblitz wirkt angesichts des lauen Motorlüftchens so verfrüht wie überflüssig

Nur klappt das mit dem Erden immer schlechter. Mit Achtelliterhelden wie KTM Duke 125, Yamaha MT-125 und Konsorten gibt es richtig ambitioniertes Material. Der erdungsbedingte Verzicht wird so abseits der Minderleistung immer kleiner. Hondas neuester 125er-Aufschlag bestärkt diesen Eindruck: Voll-LED an der Front, 150er-Schlappen am Heck und dazwischen viel Motorrad. Die CB 125 R liefert auch im Achtelliterformat einen großen Auftritt und bringt der Klasse etwas, was unter den ganzen Nachwuchssportlern bislang fehlte: den gediegenen Roadster. Mit vollen ­Hosen ist aber auch gut stinken, denn mit der größeren 300er-Variante teilt sie Großteile des Chassis und mit der noch größeren 1000er-Variante Großteile des Designs. Das stimmt also schon mal zuversichtlich. Wie die 126 Kilo vollgetankt. Leichter kann von den üblichen Verdächtigen niemand in dieser Klasse. Und das merkt man. Telepathisch wäre eine gute Vokabel für dieses Handling. Kaum gedacht, schon klappt das Hondachen ab. Auf so viel Ambition am Kurveneingang muss  man sich erst einschießen, bis die Linienwahl klappt. Dazu passt die ebenso ambitionierte Sitzposition, die ganz ohne den oft üblichen, dürren Fahrradlenker auskommt. Klassisches Naked-Bike-Feeling mit einer würzigen ­Prise Vorderradorientierung – das schmeckt.  Selbst die Bremse liefert trotz Einscheibigkeit und etwas hölzernem ­Feeling erwachsene Negativbeschleu­nigung, wenn man denn mal kräftig zupackt. Nur Positivbeschleunigung, die muss man mit der Lupe suchen, egal wie kräftig man reinlangt. Der 13-PS-Single knurrt ganz respek­tabel, hängt schön am Gas und liefert in jedem Gang und bei jeder Drehzahl so viel Leistung, wie ein mürrischer und heftig ­pubertierender Teenager. So wenig, dass man am Scheitelpunkt oft ungewollt einklappt, weil der stabilisierende Vortrieb trotz Gasgriffanschlag nahezu ausbleibt. In einer Klasse, in der jedes PS zählt und jeder Mit­bewerber derer fünfzehn besitzt, ein ganz schöner Pferdefuß. Zumal das Fahrwerk zeigt, dass es auch die doppelte Packung ­verträgt. Straff, gut gedämpft und vorn an der Showa-Forke fein ansprechend. Hält ­sogar Kollege Kratschmar aus. Nur das etwas harte Federbein lässt es ein wenig an Feingefühl und Zugstufendämpfung vermissen. 

An der kleinen Honda leuchten inklusive Scheinwerfer nur LED. Die charakteristisch designte Hauptlampe ist typisch für die Designsprache namens „Neo Sports Cafe“ und findet sich auch an den großen Schwestern mit 300 und 1000 Kubik

Viel Haben also auf Seite der CB 125 R und wenig Soll: Mit knapp über vier ­Scheinen das wohl günstigste und gediegenste 125er-Angebot der großen Player. Da fällt das Sparen aufs erste Big Bike doch gleich viel leichter ...
 

Bei nur 126 fahrfertigen ­Kilogramm ist die CB 125 R der ideale City-Hopser. Auf dem platten oder – noch schlimmer – nicht platten Land wird es mangels Power dann aber zäh

Technische Daten – Honda CB 125 R

Preis: 4.175 Euro zzgl. Nk. in Matt Axis Grey Metallic, Pearl Metalloid White oder Candy Chromosphere Red
Leistung: 13,3 PS bei 10 000/min
Drehmoment: 10 Nm bei 8 200/min
Motor: Viertakt-Einzylindermotor, wassergekühlt, zwei Ventile, ohc, Hubraum 125 ccm, Bohrung x Hub 58 x 47,2 mm, Sechsganggetriebe
Getriebe/Endantrieb: 6-Gang, Kette
Rahmen: Stahlrohrrahmen
Federung vorn: USD-Gabel, Standrohr-Ø 41 mm, Federweg 120 mm
Federung hinten: Stahlschwinge mit Monofederbein, Federweg 126 mm
Fahrwerksgeometrie: Radstand 1 345 mm, Lenkkopfwinkel 65,8°, Nachlauf 90,2 mm
Bremsen: 296-mm-Scheiben­bremse vorn, 220-mm-Scheibenbremse hinten 
Bereifung: 110/70-17 vorn, 150/60-17 hinten
Gewicht vollgetankt: 126 kg
Tankinhalt: 10,1 Liter
Inspektion: 12 000 Kilometer oder einmal jährlich
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Stand:20 September 2018 02:14:22/test/test+honda+cb+125+r+-+klein+und+fein_18411.html