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Test Harley-Davidson Fat Bob – Das ultimative Macho-Bike

18.02.2019  |  Text: Carsten Heil, Thomas Kryschan, Guido Kupper  |   Bilder: Tobias Kircher
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Test Harley-Davidson Fat Bob – Das ultimative Macho-Bike
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Harley-Davidson wird ja oft vorgeworfen, lediglich die eigene Vergangenheit zu kopieren. Im Falle der Softail Fat Bob wäre diese Aus­sage aber ziemlich daneben, denn die ist ganz und gar nicht retro
Sie hat einen wahrlich kräftigen Händedruck. Aus dem tauchrohrdicken Kupplungshebel schnitzen andere ­Hersteller deren zwei – wenn nicht gar drei. Für die dicken Griffe braucht es die Pranken eines Fleischermeisters. Die fetten Bedienschalter, das mächtige Lenkrohr, die massiven Gabelbrücken – alles an der Fat Bob scheint aus dem vollen Material gepellt. Ehrliches Metall, wohin die Hand auch gleitet. Irgendwo müssen die sechs Zentner Lebendgewicht ja auch herkommen. Wobei das Vorgängermodell noch fast zwanzig Kilo mehr auf die Waage brachte. Die alte Fat Bob gehörte allerdings auch noch der Dyna-­Familie (mit zwei außenliegenden Federbeinen) an, die mit der Vorstellung der neuen Softail-Generation zum Modelljahr 2018 eingestellt wurde. Einige Dynas überlebten den Tod der Modellreihe und sind nun als Softails mit versteckter ­Federung und klassischer Dreieckschwinge unterwegs – so eben auch die Fat Bob.



Harleys Designern ist mit dem neuen Modell ein ­astreines Macho-Bike gelungen. Ein durch und durch stämmiges ­Motorrad mit rotziger Hooligan-Optik – dabei keineswegs vulgär oder peinlich. Allein schon der zwischen den oberarm­dicken Gabelrohren versenkte LED-Scheinwerfer im Breitband-Design: cool – und absolut nicht retro. Im Gegensatz zum Krümmer des hinteren Zylinders, der sich wie schon bei der Ur-Fat-Bob von 1979 charakteristisch nach vorn um den Zündungsdeckel windet. Und wer sonst packt einen 150er-Pneu an die Front, der einst einen veritablen Hinterreifen ­abgegeben hätte? Und das ist auch schon der Hauptkritikpunkt: Das Teil lenkt unwillig ein, braucht also eine harte Hand, um zu folgen. Aber ehrlich, verspricht die Optik etwa einen ­fluffigen Kurvenräuber? 



Wer sich locker macht, wird auch mit der relaxten Sitzposition glücklich. Man muss sich auf dieses Motorrad einlassen und das persönliche Fahrverhalten etwas umstellen, dann erschließt sich das vielbeschworene Easy-Rider-Feeling von allein. Was nicht zuletzt an dem urwüchsig-wuchtig antretenden Milwaukee-Eight-Aggregat liegt. Dank ­Gabelpleuel mit diesem unnachahmlich unrythmischen Geblubber. ­Mechanisch spektakulär laufruhig und tief und satt bollernd, ohne nervtötend laut zu sein. Ab 1200 U/min zieht das Teil ohne Rumpeln oder Verschlucken selbst im sechsten Gang anstandslos durch. Vor Überholvorgängen braucht es kaum mehr als 2 000 Touren, dann prescht der Vierventiler mit ­bulliger Vehemenz nach vorn. Das ist sowas von lässig, dass einen alles Sportlich-Ambitionierte komplett kalt lässt. Da freut man sich ja fast schon aufs Älterwerden …     



Die neue Softailgeneration

Softails täuschen durch ihre versteckte Federung und die klassische ­Dreieckschwinge einen Starrrahmen vor. Zum Modelljahr 2018 kam eine ­komplett neue Generation mit neuem Fahrwerk, deutlich steiferem Rahmen und dem ebenfalls neuen Milwaukee-Eight-Vierventil-V2. Das Aggregat stellt seinen Vorgänger in allen Belangen in den Schatten. Und auch wenn es weder aus Milwaukee noch aus Zuffenhausen eine offizielle Bestätigung dafür gibt: Auch dieses Triebwerk dürfte – wie Evolution und Twin Cam auch – wieder unter kräftigem Einfluss von Porsche-­Ingenieuren ­konstruiert ­worden sein
 

Zweite Meinung
Thomas Kryschan kommt aus der Fighter-Szene, entsprechend kulturschockt ihn die Harley

Vor Jahren wurde ich ungewollt Zeuge einer Beichte: „Ich habe das Motorradfahren an den Nagel gehängt und mir eine Harley ­gekauft.“ Zwar kannte ich den ­Typ nicht, aber er sprach das aus, was ich über die Eisenschweine aus Milwaukee dachte. Jetzt, wo ich die Fat Bob gefahren bin, will ich immer noch keine haben. Aber ich kann zumindest erahnen, warum andere sie wollen.

Mir persönlich ist das Teil zu schwer. Über 300 Kilo samt fehlender Schräglagenfreiheit lassen mich schreiend davonlaufen. Bei einem Hubraum von 1,9 ­Litern ist es jedoch fast unmöglich, dem kindlichen Spieltrieb nicht zu erliegen. Der Schub dieses ­Motors ist abnormal. Die meiste Zeit rollt die Fat Bob bei 1 500 Touren dahin und schon bei 2 000/min bricht die Hölle los – jederzeit, einfach aus dem Handgelenk und egal in welchem Gang. Das verpasst diesem Klumpen von Metall eine Dynamik, die dich nicht kalt lässt, selbst wenn du ihn hassen willst. Auch das Fahrwerk ist gefährlich. Nicht wie früher, als das Zeug nichts taugte, sondern weil es dank Cartridge-Gabel viel mehr könnte, als die tiefen Rasten hergeben. Ständig muss ich mich ermahnen, trotz des druckvollen Twins den Respekt vor dem Schlachtschiff nicht zu verlieren. Denn Kurvenwetzen ist nicht. Daran hat sich auch 2018 nichts geändert. Vor allem wegen der Sitzposition. Mit den Zehen Richtung Himmel und dem flachen Lenker bist du hier nur Passagier, nicht Fahrer. Wer aber gern die Gräten von sich streckt und seine Brötchen mit dem V8-Pickup holt, der hat auch Spaß an ’ner Fat Bob. Und obwohl ich noch weit davon entfernt bin, das Motorradfahren an den Nagel hängen zu wollen: Der Motor ist geil! Mister Erik ­Buell, wäre es nicht an der Zeit, über ein Comeback nachzudenken?    

Guido Kupper fährt schon lange Motorrad, Harley-Davidson aber eher in homöopathischen Dosen
Dieser Milwaukee-Eight ist ein echtes Kraftwerk, das muss man neidlos anerkennen. Zum ersten Mal hatte ich das Vergnügen auf den gewundenen Asphaltbändern Mallorcas – auf einer Road King. Nun halte ich von Berufs wegen ja eher Abstand gegenüber den Eisen aus Milwaukee, allzu ­viele Modelle passen nun mal nicht in die ROADSTER-Schublade. Das fette Ding aber war tatsächlich ein Erlebnis. Mittlerweile nämlich kann man Harley richtig bremsen und das im Verhältnis zum ollen, zwanzig Jahre ­alten Twin Cam wirklich moderne Kraftwerk ist ein Quell der Freude. Mächtig und charakterstark ist es – zumindest im Falle der 114 Kubikinch, wie sie auch in unserer Fat Bob hier stecken. Zwei Jahre ist die King-Tour nun schon wieder her, ein bisschen hab ich mich sogar gefreut auf die Fat Bob. Nicht vergebens.

Fix in den Rahmen geschraubt und mit zweiter Ausgleichswelle, gibt sich das Motorerlebnis quicklebendig. Wie schön wär’s gewesen, hätte man dem Twin Räder statt Walzen unters Gehäuse geschraubt – Stichwort 150er-Vorderrad. Wenn man sich vor jeder größeren Biegung, die man nicht im Spaziermodus durcheilt, das Wort Gottvertrauen mit fettem Ausrufezeichen dahinter im Kopf buchstabieren muss, finde ich das dann doch ein bisserl arg. Schade eigentlich, denn die Komponenten des Fahrwerks funktionieren viel besser als früher, das Geschaukel in Wechselkurven ist Vergangenheit. Wenn nur die Kurven nicht wären. Und die Sitzposition wie im Gynäkologenstuhl. Eigentlich das ideale Fahrzeug zum hoffentlich noch weit entfernten autonomen Fahren. Draufsetzen, zurücklehnen, Zeitung lesen. Die aber zerfleddert dann der Fahrtwind. Vielleicht doch lieber ins ­Auto setzen? 
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Stand:20 April 2019 22:20:58/test/test+harley-davidson+fat+bob+-+das+ultimative+macho-bike_181204.html