Technik Scheinwerfer – Blick zum Kurven­ausgang

15.12.2019  |  Text: Thomas Kryschan  |   Bilder: Tobias Kircher
Technik Scheinwerfer – Blick zum Kurven­ausgang Technik Scheinwerfer – Blick zum Kurven­ausgang Technik Scheinwerfer – Blick zum Kurven­ausgang Technik Scheinwerfer – Blick zum Kurven­ausgang Technik Scheinwerfer – Blick zum Kurven­ausgang Technik Scheinwerfer – Blick zum Kurven­ausgang Technik Scheinwerfer – Blick zum Kurven­ausgang Technik Scheinwerfer – Blick zum Kurven­ausgang Technik Scheinwerfer – Blick zum Kurven­ausgang




BMW stellte ein derartiges System erstmals auf der Intermot 2010 im Luxustourer K 1600 GT vor. Per Spiegel wird hier der Lichtkegel des Xenonscheinwerfers um bis zu 25 Grad geschwenkt. Seit 2016 ist auch in den Topmodellen von Yamahas FJR 1300 ein adaptives Kurvenlicht erhältlich, hier jedoch mit LED-Technik. Erst in der kommenden Saison – mit rund hundert Jahren Verspätung zum Automobil also – bleibt die aufwendige Technik nicht länger feisten Tourern vorbehalten. BMW bietet für die F-900-Mittelklassemodelle ein ­optionales Kurvenlicht an und auch in den Reihen von Harley-Davidson, Honda, KTM und Triumph sind 2020er Modelle mit entsprechendem Häkchen in der Ausstattungsliste zu finden. 



Doch auch Liebhaber alter Eisen müssen auf dieses Sicherheitsplus nicht zwingend verzichten. Mit den Modellen von High­sider und J.W. Speaker sind mittlerweile zwei universelle Nachrüstlösungen auf dem Markt. Beide Systeme unterzogen wir einer nächtlichen Praxisprüfung. Dazu machten wir vom Stativ aus Fotos, um aus immer gleicher Perspektive vergleichbare Aufnahmen zu erhalten. ­Zunächst bannten wir bei beiden Scheinwerfern den Lichtkegel des Abblendlichts auf die Speicherkarte. Dann neigten wir die Scheinwerfer so weit, bis sich das volle Kurvenlicht zuschaltete.  



Den Anfang macht der rund 500 Euro teure Komplettscheinwerfer von Highsider, der 40 Euro günstiger auch als Scheinwerfereinsatz erhältlich ist. Im milchi­gen Ring an seinem Außenrand versteckt sich ein Tagfahrlicht, das sich durch Halten der Lichthupentaste ­ein- und ausschalten lässt. Mittig sitzt je eine Ellipsoid-LED-Linse für Abblend- und Fernlicht. Das Kurvenlicht zwischen Linsen und Tagfahrlicht füllt den verbleibenden Raum. Ab einer gewissen Neigung wird es durch ­einen Schräglagensensor zu- oder abgeschaltet. 

Unsere Bilder zeigen eine deutliche Zunahme der Sichtweite unter Kurvenlicht. Zwar ist die Fahrbahn nicht komplett ausgeleuchtet, das blendfreie Kurvenlicht lässt aber deren Verlauf erkennen, ohne dafür aufblenden zu müssen. Bereiche, die unter herkömmli­chem Abblendlicht finster bleiben würden, werden somit sichtbar. Ein echter Zugewinn an Sicherheit.



Noch besser kann das der Scheinwerfer von J.W. Speaker. Der amerikanische Hersteller ist Pionier im Bereich des Kurvenlichts an Motorrädern und lieferte bis zur Markteinführung der Highsider-Alternative die einzig nachrüstbare Lösung. Eine ganze Palette runder Scheinwerfereinsätze in 5-3/4 und 7 Zoll hat J.W. Speaker im Programm. Bei Bedarf von Adapterringen und CAN-Bus-Eliminatoren ergänzt, können damit viele Motorradmodelle bestückt werden. Die Kosten für dieses Zubehör kommen dann allerdings noch auf den happigen Kaufpreis von rund 610 Euro obendrauf. Sollte die eigene Maschine nicht gelistet sein, gibt es ihn übrigens auch als Komplettscheinwerfer zum universellen Anbau. Wer jetzt nicht mehr durchblickt, kann die Montage auch einem zertifizierten Händler überlassen, den man über die Suche der Parts-Europe-Homepage findet. Beim Kauf können wir ohnehin nur jedem raten, diesen Weg zu gehen, will man nicht einem der Plagiate aufsitzen, die zu verdächtig günstigen Preisen bei manchen Online-­Händlern angeboten werden.



Hat man sein Original dann verbaut, beeindruckt der J.W. Speaker auf ganzer Linie. Da das Abblendlicht ­immer brennt – auch beim Aufblenden – reicht der Spot des Fernlichts bis zu 450 Meter weit voraus, während Abblend- und Kurvenlicht die Straßengräben fluten. Das für unsere Fotos wegen der Vergleichbarkeit nicht zugeschaltete Fernlicht kommt also noch on top, doch auch Abblend- und Kurvenlicht alleine liefern zusammen absolut überzeugend ab. Charakteristisch für den J.W. Speaker sind die gezackten Randbereiche des Lichtkegels, die durch die einzelnen LEDs des Kurvenlichts entstehen. Je nach Neigung und Geschwindigkeit des Fahrzeugs werden beim 5-3/4-Zoll-Scheinwerfer auf der Kurveninnenseite bis zu vier LEDs zugeschaltet, bei der 7-Zoll-Version sind es sogar fünf. Sie verschieben den Verlauf der Hell-Dunkel-Grenze mit zunehmender Schräglage immer weiter nach oben. Alle nötigen Sensoren hierfür sind, wie beim Modell von Highsider, bereits im Scheinwerfer­einsatz integriert. Auch die Frage der Stromversorgung beantworten beide Hersteller gleich: Die Stecker passen auf den Anschluss der alten H4-Birne, sodass am Kabelbaum der Maschine nichts geändert werden muss. Lediglich fürs Standlicht baumelt am Gehäuse des J.W.Speaker ein einzelnes Kabel, um das separat schalten zu können.




Unser nächtlicher Vergleich liefert also unterm Strich zwei Sieger, denn beide Scheinwerfer ermöglichen auch dort noch den Blick auf die Straße, wo herkömmliches Abblendlicht aufgibt. Die günstigste Alternative bietet derzeit Highsider an. Schon dieses relativ simple, einstufige System ist ein echter Zugewinn an Sicherheit. Seit J.W. Speaker mit seiner Idee nicht mehr allein auf dem Markt ist, wurden auch deren Preise merklich nach unten korrigiert. Auch, wenn der Scheinwerfer noch immer kein Schnäppchen ist: Die elegante mehrstufige Steuerung und die beeindruckende Ausleuchtung des J.W. Speaker sind den Aufpreis auf jeden Fall wert.
 

Wichtig

Die J.W.-Speaker-Scheinwerfer sollten in jedem Falle bei einem offiziellen Händler gekauft werden, denn immer wieder werden täuschend echte Fälschungen zur Reklamation eingeschickt, die auf den ersten Blick nicht vom Original zu unterscheiden sind. Bei auffallend güns­tigen Preisen können wir also nur raten, die Finger davon zu lassen, will man keine Enttäuschung erleben.

  Teilen
Stand:08 July 2020 05:26:12/test/technik+scheinwerfer+-+blick+zum+kurven%3Fausgang_191202.html?page=1