Test Suzuki SV 650 – Potenzial auf zwei Rädern

21.04.2017  |  Text: Guido Kupper  |   Bilder: Volker Rost
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Test Suzuki SV 650 – Potenzial auf zwei Rädern
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Motor wie Fahrwerk von Suzukis SV 650 haben das Zeug zu einem echten Kick-Ass-Roadster. Weil Hamamatsu seine Fahrschul- und Einsteiger­klientel aber nicht verprellen darf und das Motorrad obendrein günstig sein soll, ist die neue SV wie schon die Gladius 650 wieder ein Kompromiss, wenn auch ein besserer. Wie man mehr Würze ins Menü kriegt, zeigt der Umbau von SW-Motech
Als ich die neue SV vor Monaten in Spanien das erste Mal fuhr, war ich zufrieden. Aus der Fahrschulrutsche Gladius in optionalem Schwülrosa war wieder ein Twin-Roadster geworden. Gladius wie Kurzschwert, wer hatte sich nur diesen Namen ausgedacht? Kämpfen echte Männer nicht mit ausladenen Zweihändern? Immerhin: Der 650er-V2 war über Zweifel erhaben. Doch stand er damit auch in krassem Missverhältnis zum schlabbrigen Chassis.

Früher war das anders. Seinen Anfang nahm der Motor 1999 in Suzukis erster SV mit den runden Knubbel-­Formen. Vier Jahre später wurd’s kantig. Mit einer eckiger designten SV 650 – wieder als Nackt- und als Halbschalenvariante und auch als 1000er zu haben – schoss Hamamatsu aus vollen V-Twin-Rohren. Die Motoren, ein Traum. Kein Wunder, dass sie noch heute in den V-Strom-Modellen modernisiert und auf ­Euro 4 gebracht ihr Unwesen treiben. Und jetzt auch ­endlich wieder in einer SV 650.
Gestalterisch gelungen ist das Heck. Kombiniert mit einem knappen Kennzeichenhalter, weckt es keinerlei ­Umbaugelüste mehr

Die lässt die Gladius funktional weit hinter sich. ­Motor? Gut! Fahrwerk? Gut! Preis? Gut! Mit 198 ­Kilo zwar neun schwerer als der Ur-Knubbel, aber ­immer noch leicht. Und doch: Die volle Bandbreite unserer feuchten Tagträume nutzt auch die Neue nicht aus. Ein ­Jammer, dass Suzuki mit diesen wunderbaren Twins nur ­hochbeinige Reisestelzen und Einsteigerkräder auf die ­Räder stellt. Was könnte man mit dem Material für ­Roadster bauen ...  Wer das Potenzial von SV-Motor samt Fahrwerk genießt, kommt nicht umhin zu träumen: von besserem Sound, ­einer höheren Sitzposition mit mehr Gewicht auf dem Vorderrad, mehr Bodenfreiheit, schärferen Bremsen, ­feinem Fräsgut statt billigen Pressstahls, Blech statt Plastik und gern auch ein bisschen mehr Schminke.  

Man spürt es regelrecht beim Fahren, dieses Spannungsfeld aus Hü und Hott, aus Hafer und Kandare; das unentschlossene Wanken der Erbauer zwischen dem wichtigen Einsteiger-/Frauen- und Fahrschulmarkt und ihrem Wissen ums lauernde Potenzial. Die Sitzposition ist ­kurzbeingerecht tiefgelegt, die Taille schmal. Unsichere kommen sicher auf den Boden, frohgemute Dynamiker aber werden in eine passive Fahrhaltung gezwungen. Das Fahr­werk ist basic, nur die Vorspannung am Federbein justier­bar. Seine Grundabstimmung aber passt, funktioniert selbst beim Beißen gut, mehr braucht es gar nicht. Die Schwimmsattelbremsen bieten ausreichend Verzögerung, für freudige Performance aber gehört eine bissigere Reib­paarung rein. Der Motorsound wirkt gewürgt. Nicht ­lauter, aber prägnanter dürfte er sein, ein V2-Motor sollte auch so klingen. Der Gitterrahmen ist schön, an der Front hängt ein schlichter Rundscheinwerfer, auch das Heck ist abseits des Kennzeichenhaltergedönses gestalterisch ­gelungen. Doch all das wird durch allerhand matt­schwarzes Plastik wieder konterkariert.
 
Symptomatisch für das vorherrschende Plastik­geschwurbel ist die Scheinwerfer- und Cockpitverkleidung. Manchmal ist Weglassen die bessere Option

Und dann kommt SW-Motech. Mit überschaubarem Aufwand verwandeln die Zubehörspezialisten aus dem hessischen Rauschenberg die SV in einen lohnenden Anblick – wie nicht nur das eigene Empfinden, sondern auch die Reaktionen der Passanten zeigen. All der Kunststoff unterhalb der Tank-Sitzbank-Linie – Suzuki versteckt darunter den Tankfalz mit den dazugehörigen Laschen  –wandert in die Tonne. Bei entsprechender Farbgebung fügt sich der Bereich überraschend gut in die Linie. Schwarz eloxierte Aludeckel schließen offene Optiklücken im ­Rahmen; an Frontfender, Kühler, Kettenschutz und auch am Windschild über dem obligaten Scheinwerfergitter trägt silberfarbenes Aluminum in gebürsteter und eloxierter Form willkommene Schminke auf. Der Serien-Kenn­zeichenträger-Spritzlappen-Appendix am Heck weicht einer entschlackten, schlanken Lösung.
 
Ein wunderbarer Motor, der auch in Suzukis Reisestelze DL 650 V-Strom rackert

Sehr lässig spannt der breitere und höhere LSL-Super­bike-Lenker den Oberkörper zur Front, dank  höherer Custom-Sitzbank ist die Haltung trotzdem ein Stück weit aktiver geworden. So schön sie ist: Die schicke Einmann-Sitzbank mit dem attraktiven Höcker ist eine Ent­täuschung – weil ein Einzelstück. Die Hessen haben sie selbst designt und gebaut.

Der LV-One-Evo-Auspuff von Leo Vince nimmt nicht nur die Linie des Heckrahmens ungleich dezenter auf als das üppige Serienfass, er klingt auch besser. Fürs Erscheinungsbild nicht weniger wichtig ist das Gummi aus dem deutschen Osten: Die Heidenau K73-Super-Rain-Pneus tun sich nämlich mit plakativem Regenprofil hervor – wirklich unverschämt gut sieht das aus. Und wie fährt es sich? Im Kalten und Nassen, das ist keine Überraschung, rollst du auf ihnen wie an Mutters Brust. Unter gleichen Umständen fühlt sich Dunlops hölzern rutschiger Qualifier-Serienreifen eher an wie eine Nacht im Erziehungsheim. Temperatur und Trockenheit braucht er, um gut zu funktionieren.

Für den Ritt auf der letzten der zahllosen Rillen ist dagegen der Heidenau nicht die erste Wahl, vom Verschleiß ganz zu schweigen. Im Einsatzgebiet deutscher Ballungsräume und bei der ein oder anderen Abkürzung durchs Blumenbeet dürfte er sich aber bewähren. Ebenso übrigens wie die klassische Legend-Gear-Taschenkombination, mit der ihre Macher die Suzuki natürlich üppig behängt haben, schließlich wollen sie die Dinger verkaufen. Hinter der SV 650 steckt derselbe niedrige ­Beweggrund. Würde es deshalb nicht Sinn machen, um den schönen Motor – Ducati macht es mit seinem Scrambler gerade vor – mehr optionale Serienbandbreite zu schaffen? Wir jedenfalls würden uns freuen. Für Suzuki – aber zuallererst für uns.

Technische Daten Suzuki SV 650

Welch herzerweichende Roadster könnte man aus dieser Basis stricken: toller Motor und ein gut abgestimmtes Fahrwerk, doch eben auch Weichspül-Kompromisse aus Zielgruppen- und Kostengründen

Preis: 6.495 Euro, schwarz 6.395 Euro
Leistung: 76 PS bei 8 500/min
Drehmoment: 64 Nm bei 8 100/min
Motor: Viertakt-Zweizylinder-V-Motor, wassergekühlt, vier Ventile pro Zylinder, dohc, Hubraum 645 ccm, Bohrung x Hub 81,0 x 62,6 mm
Getriebe/Endantrieb: 6-Gang, Kette
Rahmen: Gitterohrrahmen aus Stahl
Federung vorn: Telegabel, Standrohr-Ø 41 mm, Federweg 125 mm
Federung hinten: Stahlschwinge mit Monofederbein, Federweg 130 mm, Vorspannung einstellbar
Fahrwerksgeometrie: Radstand 1 445 mm, Lenkkopfwinkel 65°, Nachlauf 104 mm
Bremsen: 290-mm-Doppelscheiben­bremse vorn, 240-mm-Scheibenbremse hinten, ABS
Bereifung: 120/70ZR17 vorn, 160/60ZR17 hinten
Tankinhalt: 13,8 Liter
Inspektion: Alle 12 000 Kilometer oder einmal jährlich

Scrambler zum Nachrüsten: Zubehör-Set von SW-Motech für Suzuki SV 650

Das SW-Motech-Scrambler-Set für 1.100 Euro besteht aus: Scheinwerfer-Schutzgitter,  Alu-Windschild und Blinker-Set, Superbike-Lenker, Alu-Kotflügel-Kit, Kennzeichenhalter, Abdeckungs-Set für den Rahmen, mit dabei sind auch Kühlerabdeckung, Kettenschutz, Aufkleber-Set und Kettenradschutz, der Sturzbügel geht extra (170 Euro). Alle Teile des Kits sind auch einzeln erhältlich. Bisher eine Einzelanfertigung ist die Sitzbank, die Auspuffan­lage (LV One Evo) liefert Leo Vince. Das ­montierte Legend-Gear-Taschen-Set besteht aus: Seiten­taschen-Set (links LC2 mit 13,5, rechts LC1 mit 9,8 Liter Inhalt) plus Träger (im Set 425 Euro) und LT2-Tankrucksack (130 Euro), beides nur ein Teil des lieferbaren Legend-Gear-Programms. sw-motech.de
 
Trotz nur oberfläch­licher ­Eingriffe ­erfrischend anders: SV 650 mit ­SW-Motech-Scrambler-Set plus einigen ­Extras

Gestalterisch gelungen ist das Heck. Kombiniert mit einem knappen Kennzeichenhalter, weckt es keinerlei ­Umbaugelüste mehr (links). Solch eher verwirrende Mäusekinos stecken heute in Motorrädern aller Art. Im Falle der SV stammt es aus dem Naked Bike GSX-S 1000 und lässt bis auf eine Außentemperaturanzeige keine Wünsche offen.

Scheinwerfer-Schutzgitter, Alu-Windschild und Blinker-Set

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Stand:21 November 2018 17:24:48/test/potenzial+auf+zwei+raedern+-+suzuki+sv+650_174.html