KTM 690 Duke Dauertest: Should she stay or should she go

02.02.2018  |  Text: Clemens Gleich  |   Bilder: Clemens Gleich
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KTM 690 Duke Dauertest: Should she stay or should she go
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Seit 10.000 Kilometern habe ich jetzt eine Duke R, ein 2016er- Modell mit dem schicken TFT-Tacho, dem sehr guten Fahrwerk und den Bosch-­Fahrhilfen. Ein Fazit
Wer eine Duke R wollte, aufgrund ­KTMs Produktionsplanungen aber in die Röhre gucken musste, fragt sich vielleicht, warum ich über meine nicht immer im besten Tonfall spreche. Der Grund ist: Ich hatte einfach deutlich mehr Probleme als erwartet, denn immerhin hatte sich meine Vorgänger-Duke als sehr problemarm bewährt. Außer dem Tacho, der bei mir beschlug wie bei allen anderen Käufern auch, war an der nichts dran. So in etwa ­würde das auch bei der Nachfolgerin sein, dachte ich. War aber leider nicht so.



The Bad
Wenig überraschend: Auch der neue, schicke, flache TFT-Tacho beschlug. Er tat das bei mir interessanterweise bereits, bevor die Maschine jemals Regen gesehen hatte. Solange noch Garantie drauf ist: tauschen! Bei mir wurde pünktlich zur 10.000er-Inspektion sogar ein zweiter Tausch fällig, wieder war die Scheibe von innen beschlagen. Und da gab es dann gleich ein Gerät mit neuer Tacho-Software, die KTM eigentlich nie hatte schreiben wollen. Der Tacho aber war so schlimm, dass praktisch jedes Magazin sich darüber beschwerte und wahrscheinlich auch viele Kunden: Kühlmittelanzeige in der Mitte festgenagelt, bis sie innerhalb von Sekunden in eine bildschirmgroße Warnung übergeht, die alles verdeckt. Genauso auch die Tankwarnung, die fünf bis zehn Mal an- und wieder ausgeht, auch überm ganzen Bildschirm.

Die Hintergrundlampe ist viel zu hell für Nachtfahrten. Beim Starten im Kalten kommt häufig eine ABS-Warnung. Tageskilometer gibt es gar nicht auf der Hauptansicht und den Drehzahlmesser kann ich nach zwei Jahren Übung mit viel Konzentration auf 2000/min genau ablesen. Dazu kommt: Die Tachoabdeckung aus Glas blendet wie ein Schminkspiegel.



Alles außer die Spiegelei hätte KTM per Software abstellen können. Das bewiesen sie, indem sie der Super Duke fast denselben Tacho bauten – ohne die meisten Probleme. Ein Update für die Duke wollten sie nicht schreiben, sagten sie mir damals. Unter dem Druck des Gemeckers taten sie es später offenbar doch. Du kannst dir also beim Händler ein Update holen, das den Tacho etwas erträglicher macht (wenn auch nicht dichter).Am Hinterrad meiner R hatten sie in Mattighofen die Aufnahme für die Bremsscheibe schief gefräst, sodass diese beim Fahren den hinteren Bremssattel hin und her schlug. So etwas fällt natürlich sofort auf, es dauert aber manchmal, bis man sich als Kunde verständlich gemacht hat.

Zur 1000er-Inspektion sagte die Werkstatt noch: „Das fährt sich weg.“ Nach mehreren Besuchen bestand ich aber darauf, dass sie da bitte einmal eine Messlehre hinhalten. Danach gab es ein neues Rad auf ­Garantie. Achtung: Auch die im Handbuch gelieferte, geänderte Anleitung zum Spannen der Kette (unbelastet auf dem Montage-ständer) ist falsch; sie führt zu einer etwas zu straff gespannten Kette. Und schließlich plagt die Duke ein mysteriöses Ölleck, mit dem ich zwar auch schon mehrfach beim Händler war, aber noch nicht wirklich weitergekommen bin. Zur gerade durchgeführten 10.000er-Inspektion sollte das angegangen werden, wenn der Motor für die Ventilspielkontrolle ohnehin offen ist.

Danach sagte der Mechaniker mir aber, er habe da nichts gemacht, weil er noch eine Messung vornehmen wolle: Ich solle wiederkommen, wenn die Duke das eingefüllte Öl bis auf Minimum verbraucht habe. Das ärgert mich ein bisschen, weil ich schon so oft damit da war. Aber vielleicht bringt der Messwert ja endlich eine echte Untersuchung.



Lange dürfte es nicht dauern: Im Kurz-streckenbetrieb schrumpft der Ölstand ­innerhalb von 80 bis 120 Kilometern von der Max- bis zur Min-Markierung zu­sammen. Bei heißem Motor braucht der Single praktisch kein Öl, auch nicht auf der ­Rennstrecke. Vermutung aus Ursensollen: ­Vielleicht ist der Ölabscheider schuld.

The Good
Was mir schon an der Vorgänger-Duke so gut gefallen hat, hier ist es noch besser: Die Duke frisst Landstraßen wie kein anderes Motorrad. Ich fahre zu Terminen durch die Hinterhöfe Europas, sitze ein Dutzend Stunden im Sattel und komme ­freudig an. Die Autobahn vermeide ich. Die ist für Autos, hat mir ein ­alter Mann einst gesagt, und auf ­Einzylindern alternd, sehe ich, was er meinte.Passend zu den Rasten habe ich wieder die Ergo-Sitzbank montiert (145 Euro) und würde Fahrern ab etwa 175 Zentimeter Länge dasselbe raten. Als Gewichtsfetischist habe ich auch wieder eine LiFePo-Batterie eingebaut, eine JMT mit 4 Ah. Das ist leider immer noch etwas zu wenig, um im Winter sicher zu starten. Hauptsächlich aus optischen Gründen montierte ich die Wave-Bremsscheiben (vorn 243 Euro, hinten 136 Euro). Aus Dauertest-Recherchegründen montierte ich Brembo-Beläge, straßenzugelassen und hochgelobt.



Ich möchte von ihnen abraten. Sie bremsen vielleicht besser als die Serien­beläge, vielleicht auch nicht. Ohne sehr genaue Messung stellt man jedenfalls keinen Unterschied fest – Einbildung mal außen vor. Dafür verschleißen die Pads, als wären sie aus Butter: Nach gut 5 000 Kilo­metern mussten sie raus und ich rüstete auf Serie zurück. Sollte ich es doch wieder schärfer wollen, probiere ich nächstes Mal die Lucas/TRW aus, die haben auf der alten Duke super funktioniert und hielten normale Kilometerleistungen.Schließlich habe ich in KTMs Hecktasche für 165 Euro einen neuen besten Freund für unterwegs gefunden.

Sie passt perfekt auf den Beifahrersitz, ist schnell montiert, und obwohl sie nicht wirklich wasserdicht ist, bleibt innen durch den Textil-Klodeckel auf der Oberseite alles trocken, selbst wenn es über Nacht regnet. Den wasserdichten Innensack nehme ich immer mit aufs Zimmer, die Tasche bleibt am Krad. Man kann die ­Tasche auch ohne KTM-Logo direkt bei SW Motech kaufen, dort kostet sie aber mehr. Und dann waren da noch kleinere Operationen an der Optik.



Den Kennzeichenträger tauschte ich gegen den kürzeren, auch aus Recherchegründen. Er wird bleiben, denn er schwabbelt hinten nicht wie das lange Plastikding und im Regen versaut dich die Duke mit Originalhalter genauso: kein sichtbarer Unterschied. Statt der Originalaufkleber mit dem zweifelhaften Silber, das KTM jetzt in Serie gegen Mattschwarz getauscht hat, habe ich das Stickerset „Stealth“ aufgeklebt. Kosten: knackige 126 Euro. Bei Aktionen gibt es den Satz auch mal für unter 100 Euro.

The Unsure
Was die Reifen angeht, haben mir auf der Duke ehrlich gesagt Rennstreckenpneus am meisten Spaß gemacht. Dieses ­entspannte Außenrum-Überholen, während die Dinger unendliche Grip-Reserven signalisieren, ­gefällt mir einfach an einem Motorrad, angesichts dessen Leistung du auf Geraden nur Leute überholst, die dich das tun lassen. Der Originalreifen Sportec M7 gefiel mir nicht, ich und die Duke brachten  nicht genug Gewicht auf die steife Karkasse, dass sie gescheit gearbeitet hätte. Weil auf der alten Duke Michelins Pilot-Power-Serienreifen so gut funktionierten, probierte ich den Pilot Power 3 auf der R.

Er überzeugte mit sehr schöner Primärdämpfung und superbravem Grenzbereich. Kehrseite der weichen Karkasse: Sie ist ­weder besonders zielgenau noch feedbackstark. Auch Maximalgrip hätte ich gern mehr. Deshalb habe ich jetzt den ­Pilot Power RS montiert, zu dem ich aber noch nicht viel sagen kann: Hier schifft es gerade sechs Grad kaltes Wasser runter, da haftet jeder Roadsmart besser.
Genauso unsicher bin ich mir beim Bosch MSC Base, das der R-Version der Duke ­vorbehalten bleibt.



Anders als das volle MSC bremst es hinten nicht selbst mit, sondern der Fahrer muss das tun. Wenn der aber wie üblich nur vorn bremst, kappt das ­System steile Bremsdruckamplituden so ab, dass sie flacher werden. Das steigert die Beherrschbarkeit und reduziert die Überschlagsneigung, aber damit kannst du das Motorrad eben auch nicht mehr im Eck zusammenstauchen, wie es viele von uns der Handlinggeometrie wegen tun. Ich fahre viel im „Supermoto-Modus“ des ABS, der das System abschaltet. Für mich hätte es ein gut abgestimmtes normales ABS wie im ­Vorgänger getan. Genauso braucht man die schräglagenabhängige ­Traktionskontrolle anders als an der starken Super Duke praktisch nie.



Würde ich sie also noch mal kaufen? Hm. Mit allem, was sie so an Problemchen hatte, kann ich leben, die erforderten nur kurze Werkstattbesuche. Die ewige Suche nach dem Ölleck aber möchte ich nicht noch einmal mitmachen. Gut, KTM sagt, das sei ein „Einzelfall“. Schlecht: Das sagen alle. Immer.
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Stand:20 July 2018 10:16:48/test/ktm+690+duke+dauertest+should+she+stay+or+should+she+go_18130.html