Test Ducati Monster 821 – Mein liebes Monster

15.12.2017  |  Text: Jens Kratschmar  |   Bilder: Werk
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Test Ducati Monster 821 – Mein liebes Monster
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Eine Modellpflege ändert meist nur wenig an der Meinung über ein Krad. Ducati aber hat es geschafft, mein emotionsloses „Na ja” in ein herzliches „Mamma mia“ zu wandeln. Die neue Monster 821 ist reif, erwachsen und prächtig geworden. ­Einzig weiche Gabel und hoher Preis fallen unangenehm auf
Ducati. Wie in anderen italienischen Markennamen liegen auch in diesen sechs Buchstaben aus Borgo Panigale Emotionen, Geschichte und Sport dicht gepackt. Kaum einer der anderen Motorradhersteller aber schafft es, durchgehend Mopeds fürs Herz zu bauen und trotzdem finanziell zu bestehen. Im Gegen­teil sind andere italienische Marken eher gute Beispiele dafür, wie man es besser nicht machen sollte. Herzliche Grüße nach­ ­Varese, Noale und Mandello de Lario.

An Ducatis 821er-Monster aber hab ich mich schon immer gerieben und war bis zuletzt kein Freund dieses Mopeds: Preislich wie qualitativ in der gehobenen Mittelklasse daheim, ist es beim Hubraum zu nah dran an der 797, beim Preis aber zu weit weg. Und die üppigen 1200er-Monster sind in beiden Disziplinen eine Galaxie entfernt. Die 821 also mittendrin im Nirgendwo? Am Gas jedenfalls wider­spricht sie der gewohnten italienischen Smartness und zeigt sich zu ruppig, zu ungenau, ohne Charme. Schön fahren kostet Geduld, die ich nicht habe – vor allem nicht bei den über 11.000 ­Euro, die zum Händler wandern.

Hauptanteil an der gestrafften Front hat nicht der neue LED-Scheinwerfer oder das neue TFT-Cockpit, sondern die Aufhängung des selbigen an der Gabelbrücke statt am Lampengehäuse

Unter diesen Vorzeichen entlockt die Einladung zur Präsentation einer neuen, „kleinen“ wassergekühlten Monster erstmals keine Jubelschreie. Außerdem wird Rimini Ende Oktober kaum in Sonnenbad und Urlaubsstimmung enden. Doch dann denkt sich der Chronist: „Die haben da  bestimmt den 937-Kubiker aus der Hypermotard eingebaut. Ist doch logisch“, und die Stimmung hellt sich schlagartig auf.  Die Verwunderung ist groß, als am ­Ende der drei Tage vier Dinge auf dem Block stehen. Erstens: Sonnencreme vergessen. Zweitens: Es bleibt bei 821 Kubik. Drittens: Geiles Teil geworden, aber die Gabel ist zu weich. Viertens: auch zum 25-jährigen Monster-Jubiläum immer noch teuer. Jede weitere Erläuterung zu erstens wird ­erspart. Direkt zu zweitens: Ja, es ist ganz bewusst bei 821 Kubik geblieben, der kleine Wasser­kocher soll weiterhin den Einstieg in die vierventi­lige Monsterwelt darstellen. Außerdem biete der größere Motor nur fünf PS mehr Spitzenleistung, sei schwerer und brauche mehr Erfahrung am Griff. So weit das Marketing-Gewäsch, das weiterführend ein neues Heck und den Tank der 1200er-Familie nebst Endtopf als schlagende Argumente ins Feld führt. Auch das tolle, neue TFT-Display (übrigens wirklich toll) sei erwähnt, endlich mit Ganganzeige und Tankuhr samt wechselndem Design je nach Fahrmodus (Urban, Touring, Sport).

Auf der Landstraße macht die Monster alles ­locker mit. Der Motor ist ein Feiner, drückt ­präsent durchs Land und ist auch akustisch nicht schüchtern. Schönes Ding geworden

Gepaart mit dem Ducati Safety Pack ­inklusive Traktionskontrolle (8-fach einstellbar), ABS (3-fach) und Hinterradabhebe­erkennung bewegt sich die Monster 821 auf einem Elektroniveau, für das sich andere Vertreter der Klasse weit strecken müssen. Besonders durch die neuen Mappings ist der kleine Testastretta-Twin auf dem Höhe­punkt seiner Fahrbarkeit angekommen: sanfter Druck im Keller, dicke Mitte mit 86 Nm und tolle Drehfreude am Ende des Drehzahlbands. In den ersten drei Gängen ist es dem V2 wurscht, welche Drehzahl anliegt, er setzt sie in präsenten Schub um. ­­­­Die ­andere ­Hälfte des Getriebes braucht dann schon über 3 500/min, um ruckfrei zu ziehen und mehr als 109 PS braucht kein Mensch in der Monster 821 oder sonstwo auf der Land­straße. So die erfahrbaren Reaktionen auf die sich authentisch anfühlende „Gaszug“-Betätigung am Ride-by-Wire-Griff mit spontanem und feinfühligem Ansprechen.

Highlight der Modellpflege: Ein schickes, farbiges TFT-Display ersetzt das monochrome LCD-Cockpit und bietet nun auch Tankuhr und Ganganzeige


Damit sind wir bei Punkt drei: Beim Fahrwerk bleibt es bei straffem Federbein und weicher Gabel, der es an Vorspannung und Dämpfung fehlt. Die Abstimmung passt für die Landstraße ganz gut, wirklich sportliche Ambitionen verhindert aber die tief abtauchende Front. Schade, denn der neue Pirelli Diablo Rosso III ­wäre zu mehr gewillt. Seine Warmfahrphase ist zwar etwas länger, dafür verwöhnt er hinterher mit viel Haftung, Handlichkeit und Vertrauen. Beim provozierten ABS-Griff eines Eisenbiegers in die Frontbremse rubbelt nix, die Monster stellt sich direkt aufs vordere Gummi. Ein ­toller Reifen – aus der Hüfte geschossen auch eine Empfehlung für andere Mopeds. Blöd nur, dass die Straßen um ­Rimini einfach scheiße sind. Entweder ist der Belag von einer Million Touri-Bussen spiegelblank poliert. Dann rutscht die Kiste trotz top arbeitender Traktionskontrolle übel weg. Oder Schlaglöcher der Dimension Baugrube killen die Fahrfreude. Dann ist die Gabel überfordert und der Fahrer übellaunig.

Vierter Punkt: 11.490 Euro für die Monster 821 sind ein Haufen Geld. Für die Varianten in Schwarz oder Gelb sind noch mal 200 Taler Aufschlag fällig. Dafür ist aber auch ein konkurrenzlos dickes Sicherheitspaket an Bord. Zusammen mit dem tollen Motor ist das Angebot umso runder und macht die Monster 821 zu einem herzlich guten Moped. Außerdem war es immer schon etwas teurer, Ducati fahren zu dürfen. Also alles tutto bene.
 

Ducati Monster 821

Technische Daten Ducati Monster 821

Preis: 11.490 Euro zzgl. Nk. in Ducati Red, andere Farben plus 200 Euro
Leistung: 109 PS bei 9 250/min
Drehmoment: 86 Nm bei 7 750/min
Motor: Viertakt-Zweizylinder-V-Motor, wassergekühlt, vier Ventile pro Zylinder, dohc, Hubraum 821 ccm, Bohrung x Hub 88 x 67,5 mm
Getriebe/Endantrieb: 6-Gang, Kette
Rahmen: Gitterrohrrahmen aus Stahl
Federung vorn: Telegabel, Standrohr-Ø 43 mm, Federweg 130 mm
Federung hinten: Aluschwinge Zentralfederbein, Federweg 140 mm
Fahrwerksgeometrie: Radstand 1 480 mm, Lenkkopfwinkel 65,7°, Nachlauf 93,2 mm
Bremsen: 320-mm-Doppelscheiben­bremse vorn, 245-mm-Scheiben-bremse hinten
Bereifung: 120/70ZR17 vorn, 180/55R17 hinten
Gewicht vollgetankt: 207 kg
Tankinhalt: 16,5 Liter
Inspektion: 15 000 Kilometer oder einmal jährlich

Roadsters Dresscode:
Jens Kratschmar

Helm: Shark Race-R-Pro
Handschuhe: Hevik Garage
Hose: Alpinestars Oscar Charlie
Jacke: Tribolite 963 Agnox
Schuhe: Rokker City Racer 11"
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Stand:10 December 2018 01:24:06/test/ducati+monster+821+-+fahrbericht_171207.html