Ausritt CCM Motorcycles – A thing of pure beauty

17.06.2019  |  Text: Jon Urry, Guido Kupper  |   Bilder: James Wright
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Der Gitterrohrrahmen der Spitfire ist ein Eigenentwurf. Wie das aus ­Stahlrohr gefügte Schwingen­kunstwerk wird auch er in den Hallen­ von Hand zusammengeschweißt. Der Rest der ­Komponenten stammt von Zulieferern und wird vor Ort zusammengeführt. Das schlagende Herz ist ein ehemaliger Husqvarna-Single, der aus 600 ­Kubik 55 PS und 58 Newtonmeter schaufelt. Geliefert wird er von der italo-chinesischen Firma SWM, die die früheren Husqvarna-Produktionsanlagen im italie­nischen Varese inzwischen übernommen hat. Die anderen Komponenten kommen wiederum von diversen Zulie­ferern, darunter so namhafte wie Brembo, White ­Power, Excel oder Acerbis.

Ihren Stolz stellen die ­Briten am Heck der Spitfire ganz unmissverständlich zur Schau

Ein minimalistisches Motorrad wollten die Briten bauen und das haben sie wahrlich geschafft. Nichts weiter als das absolut Notwendige scheint in dem ­trocken keine 140 Kilo schweren Jäger verbaut. Und doch lohnt sich ein genauer Blick, denn die Liebe zum Detail macht die Spitfire zu etwas Besonderem und das 8.000-Pfund-Preisschild noch bemerkens­werter. Das geht beim Rahmen los. Nicht mit irgendeiner Farbe ist er zugekleistert, sondern mit Klarlack ­beschichtet. Das lässt den Blick auf die Schweiß­nähte samt ihren Verfärbungen frei und wirkt ungemein techno-erotisch. Feine Frästeile allerorten, der Sitz ist mit echtem Leder bezogen und ins Lederband der gewickelten ­Lenkergriffe hat man einen Spitfire-Schriftzug geprägt. Am hinteren Ende der Sitzbank, wo man das Rücklicht erwarten würde, findet sich ein in Metall ­gravierter Unionjack. Sämtliche Beleuchtungsaufgaben übernimmt eine in den Heck­rahmen integrierte LED-Leiste. Wem all das zum Besitzerstolz noch nicht reicht, findet am Lenkkopf eine Plakette, auf der die laufende Nummer der limitierten Produktion verewigt ist. Darunter der Zusatz „Skunk Werx“, wie sie das ­Design- und Produktionsteam nennen – ein Begriff, den man im angelsächsischen Sprachraum gern für Projekte verwendet, die Mitarbeiter ­ohne Kenntnis der Chefetage durchführen und die ohne Budget- und Bürokratiebeschränkungen meist spannender ausfallen als das Tagesgeschäft.

Auf der ­gefrästen ­oberen Gabel­brücke sitzen die ­Knöpfe für Start und Stopp des Singles („Fire“ an „Kill“) und die Nummerplakette der Skunk Werx

Bisher darf man sich als stolzer Besitzer einer Spitfire-CCM durchaus als Teil eines erlauchten ­Kreises wähnen. Noch sind die Stückzahlen überschaubar und in den Rest Europas wird noch nicht exportiert, da die Fahrzeuge bisher im UK per Einzelabnahme zugelassen werden. Das soll sich aber bald ändern, wenn es nach den Briten geht. Auch Stückzahllimits fördern den elitären Geist. Auf 150 Stück war die Ur-Spitfire – die von uns hier gefahrene trägt die Nummer 101– limitiert, und die sind ratzfatz weg gewesen. Und so ist die Losgröße bei den Nachfolgemodellen nun mit 250 bis 500 Stück deutlich großzügiger angesetzt.

Rahmen und Schwinge im Gitterrohrformat baut CCM in Bolton selbst, der Rest kommt von Zulieferern und wird vor Ort zusammengesteckt. Rund eine Handvoll Modelle auf Spitfire-Basis hat man im Angebot

Hat man sich vom Sightseeing losgerissen, wird es kein bisschen öder. Dank schlüsselloser Transponderzündung feuerst du den Single per Druck auf den Fire-Knopf auf der oberen Gabelbrücke an. Und dann ist er da, der Lärm. Diese beiden Dämpfer machen ihrem Namen keine Ehre. Teufelswild gebärden sie sich, nicht gerade das ­Richtige, um durch Lancashires kleine ­Käffer zu knattern. Da muss bis Euro 4 respektive 5 ab 2020 also offensichtlich noch einiges passieren.

Der in Carbon gefasste LED-Scheinwerfer brennt bei Nacht scharf gezeichnete ­Löcher in die Welt

Ganz im Gegensatz zu seiner Akustik zeigt das Krad bei niedrigen Drehzahlen verblüffend gute Manieren. Das geht beim Komfort los, der dank tiefer Rasten, breiter ­Lenkstange und anschmiegsamem Einzelsitz nicht entbehrungsreich ist. Und hört beim verträglichen Single nicht auf. Mit BMW-Geld ist der de facto entwickelt worden, damals, bevor der Markenname Husqvarna an KTM ging und all die physischen Überreste inklusive der Motoren an SWM. Untenrum läuft der Single nicht rappelig, langt eher weich denn schnappend zu und mag das Ausdrehen gern. Dann vibriert er rundherum sympathisch – mehr wie Gänsehaut denn Zähneklappern.

Bei gemäßigter Pace fühlt sich ­dieses Paket wie ein kohärentes Ensemble an. Doch wenn der Speed steigt, klingen ­Disharmonien im Concerto. Dann bremsen die 19-Zoll-Räder mit den Maxxis-Flattrack-Reifen das Handling ein und induzieren bei Autobahnspeed ein Taumeln, der Zweikolben-Schwimmsattel von Brembo am Vorderrad wirkt schlaff und der Motor unseres Testkrads starb bei schnellem Herunterschalten aus hohem Speed mehrmals ab. Die Lösung? Nur nicht hetzen! Unterm Strich mag etwas Feinschliff fehlen, doch im Gegensatz zu so manch anderem High-End-Designerstück aus anderen Manufakturen ist dieses wunderschöne Motorrad erschwinglich und taugt – all den Insignien handgemachter Extra­vaganz zum Trotz –auch als Alltagsbike. Nur allzu eilig solltest du es nicht haben.

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Stand:17 September 2019 22:11:46/test/ausritt+ccm+motorcycles+-+a+thing+of+pure+beauty_19605.html?page=1