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Wheels Through Time

15.04.2019  |  Text: Hermann Köpf  |   Bilder: Hermann Köpf
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Wheels Through Time
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Jeder kennt den Song, in dem gefühlsduselig eine Heimfahrt über die Blue Ridge Mountains nach West Virginia besungen wird: „Mountain Mama, Shenandoah River, Country Roads, take me home.“ Genau hier, mitten in den Appalachen im tiefsten Amerika, liegt das Museum „Wheels Through Time“
Schon die Anfahrt zum Museum auf einem Teilstück des 755 Kilometer langen Blue Ridge Parkways ist eine wahre Freude. Die in den 1930er Jahren von Franklin D. Roosevelt als Konjunktur- und Touristenprogramm nach der großen Depression in die Berge gestampfte Panoramastraße verbindet die beiden Nationalparks Great Smokey Mountain in North Carolina und Shenandoah in Virginia. Die kurvigen Straßen sind in hervorragendem Zustand. Zwar herrscht ein 70-km/h-Speedlimit, dafür sind sind aber kaum Verkehrsschilder angebracht oder gar Trucks unterwegs. Gemütliches Tuckern durch die Wälder ist angesagt. Und als im ­Radio meiner BMW K1600 Grand America schließlich auch noch John Denvers Evergreen ertönt, wirkt alles so great again. Je näher wir unserem Ziel im Örtchen Maggie Valley kommen, umso höher wird die Bikerdichte. Die meisten von ihnen könnten auf der Durchreise nach Sturgis oder Daytona sein – ­­­­­­­­­­­­­­­­schwarzes Leder, lange Bärte, dicke Bäuche auf H­­­­arleys everywhere.

Carroll Resweber war viermal Grand National Champion der AMA, sein Nachlass samt dem berühmten „Duck Bike“ aka „The Blue Goose“ sind im oberen Stockwerk ausgestellt

Da erscheint „Mountain Mamas“ als Sozia-Stereotype plötzlich in völlig neuem Licht! Der Gründer des Museums, Dale Walksler, ist 2002 mit seiner Sammlung von Illinois hierher nach North Carolina gezogen. Seit Ende der 1960er Jahre sammelte er alles Mögliche an amerikanischen Motorrädern, die er anfangs noch in seiner Garage als Harley-Davidson-Händler bunkerte. Die aber wurde irgendwann zu klein. Heute sind in der mehr als 3 500 Qua­dra­t­­meter großen Hall of Fame gut 300 ­Motorräder, ein paar Autos und jede Menge Memorabilia untergebracht. Stundenlang kann man Motorräder bestaunen, aus sämtlichen Epochen der motorisierten Geschichte und in Themengebiete sortiert. Imposant ist die Sammlung an Board-Track-Werksmaschinen der 10er und 20er Jahre, die auf den legendären Holzbahnen um die Wette fuhren. Oder Hill Climber, eine offizielle Rennserie der AMA, bei der es darum geht, am schnellsten und weitesten einen steilen Berghang hochzufahren – hier stehen einige dieser Raritäten, die Geschichte geschrieben haben. Neben Indian, Harley-Davidson, Thor, Excelsior, Henderson und Crocker sind auch weniger bekannte Marken wie Pierce, Reading Standard, Wagner, Flescher, Yale, Sears, Jefferson, Flying Merkel, Pope oder Dayton zu bewundern.

Fast ein halbes Jahrhundert lang war sie hinter einer ­Mauer versteckt: die 1300er von Gottlieb ­Richard Traub

Das Filetstück der Sammlung ist ein im ­Jahr 1916 von einem gewissen Gottlieb Richard Traub (1883–1954, Sohn deutscher Auswanderer) in ­Chicago gebautes Einzelstück. Die Maschine wurde 1967 hinter einer zugemauerten Wand in einem Chicagoer Wohnhaus in tadellosem Zustand gefunden. Es ranken sich verschiedene Mythen darum, warum und von wem das Motorrad versteckt wurde – ob Diebesgut oder Prohibitionsprobleme. Ein Motorradhändler aus Chicago tauschte sie jedenfalls vom Hauseigentümer gegen eine 700 Dollar teure Suzuki ein und brachte die Traub auf Vordermann. Zehn Jahre danach erwarb sie Bud Ekins – bekannt als Steve McQueens Stuntman – und der verkaufte sie später an den Sammler Richard Morris aus Kalifornien weiter. Seit 1990 ist die Maschine nun im Besitz des Museums. Die Qualität dieser Handarbeit sei herausragend, wie unser Tourguide erzählt, der 1 300-Kubikzentimeter-Motor für damalige Verhältnisse seiner Zeit weit voraus – hatten Modelle von Indian oder Harley doch meist nur 500 bis 750 Kubikzentimeter Hubraum und konnten von 135 km/h Höchstgeschwindigkeit nur träumen.

Thematisch und mit viel Detailliebe sind die einzelnen Ausstellungsbereiche auf gut 3 500 Quadratmetern in Szene gesetzt

Dale und sein Team sind stolz darauf, behaupten zu dürfen, dass sämtliche Motorräder auch funktionieren. Er und sein Sohn Matt stellen dies zwischendurch unter Beweis und lassen gern die meist offenen Ventile zappeln. Wie kleine Jungs stehen dann die Besucher vor den Maschinen und filmen mit ihren Smartphones, wie das alte Eisen zu schnauben und zu stinken beginnt. Matt ist obendrein in der Vintage-Racing-Szene regelmäßig mit Maschinen aus dem Museum am Start, wie zum Beispiel beim Vintage-Lifestyle-Beach-Race-Event The Race of Gentlemen oder bei den Eisrennen der Frozen Few auf zugefrorenen Seen der nördlichen US-Staaten. Leider müssen wir unseren Museumsbesuch schon nach einer Stunde beenden, um rechtzeitig zurückzukommen, denn „The Tail of Dragon“ – ein bildschöner 11-Meilen-Abschnitt mit 318 Kurven liegt noch vor uns. Diesmal mit Soul-Hits aus der BMW-Dose, um dem berüchtigten Country-Koller vorzubeugen.  

 
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Stand:20 April 2019 22:17:37/szene/wheels+through+time_19214.html