Szene Mopedrennen – Diesseits der Donnerkuppel

01.10.2019  |  Text: Guido Urfei  |   Bilder: Ralf Klinkhammer
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Szene Mopedrennen – Diesseits der Donnerkuppel
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Mit Motorsägen bekämpfen sich die ­Kontrahenten hier zwar nicht und Tina ­Turner hat sich auch noch nicht blicken lassen. Ansonsten aber erinnert die skurrile Szenerie durchaus an das Mad-Max-Epos. Hollywood aufgepasst! Hier gibt es die Story fürs ­nächste Action­movie – ungeschminkte ­Originale garantiert
Zuckerrüben, Weizen, Gerste und dann das Ganze wieder von vorn: rheinische Fruchtfolge auf besten Böden. In Kerpen aber, westlich von Köln, sind seit über fünfzehn Jahren im Herbst auch immer wieder ein paar seltene Pflänzchen auf den Äckern zu bestaunen: Mofas, dicht gesät. Hunderte von ihnen ziehen dort dann ihre Furchen, wo kurz vorher noch Ackerfrüchte standen. Wenn woanders die Landbevölkerung Erntedank feiert, findet hier ein Volksfest der besonderen Art statt. Auch die Trachten, die man hier trägt, erinnern eher an Science-Fiction als an Folklore.

Methan, das Lebenselixier in Mad Max’ Bartertown, wird erst eine Rolle spielen, wenn das Rennen vorbei ist und Schweinegülle auch auf diesem Acker ausgebracht wird. Die Sorge dagegen, ob die Anreise wirklich lohnt, schlägt bei der Ankunft augenblicklich in Begeisterung und einen ordentlichen Adrenalinkick um. Beides hält an, bis du dich wieder loseisen musst aus dieser fremdartigen Kulisse, zurück in den schnöden Alltag und ernsthaft mit dem Gedanken spielst, beim nächsten Mal mit an den Start zu gehen.

Bauernregeln werden neu geschrieben: Nachwuchsförderung auf 50-Kubik-Boliden

Nähert man sich dem Treiben von Weitem, könnte man meinen, ein Tornado wirble den Staub auf, der sich zu einer großen Wolke verdichtet und bereits aus Kilo­metern Entfernung sichtbar ist. Hinter der (Donner-)Kuppel von Nörvenich, unweit vom NATO-Flugplatz, triffst du dann auf sie, die Männer auf ihren fliegenden Kisten. Vielleicht haben die Ureinwohner von Kerpen ja so etwas wie ein Benzin-Gen? Einer von ihnen hat es schließlich sogar zu internationaler Berühmtheit gebracht und betreibt immer noch die legendäre Kartbahn, auf der alles begann. Beeindruckend jedenfalls, wie diese Typen es schaffen, ihren Jugendtraum Jahr für Jahr aufs Neue aufleben zu lassen.

Bei den Furchen, die hier gezogen werden, kommt so einiges an exotischen Pflänzchen zum Vorschein

Rennleitung, Wechselzone und Fahrerlager wie bei der Formel 1 gibt es ebenfalls – Zeitstrafen bei Abweichen vom Schritttempo in der Boxengasse inklusive. Das Bonmot aus dem Film – „In der Donnerkuppel kannst du keine Regeln brechen, denn es gibt keine“ – gilt hier nicht ganz. Mit „Original“ und „Tuning“ gibt es zwei Rennklassen mit exaktem Reglement. Nur einspurige Mofas sind erlaubt, keine Motorroller, maximal 50 Kubik dürfen die luftgekühlten Motoren haben und damit maximal 50 km/h Endgeschwindigkeit erreichen. Da wird geritzelt (Übersetzung), aufgebohrt (Zylinder) und ausgeräumt (Schalldämpfer), was das Zeug hält, um sich beim Massenstart und im Rennen Vorteile zu verschaffen. Rennteams namens „Rennbirne“, „Kettestramm“, „Erdferkel“, „Burgteufel“ oder „Lords of the Kreischeisen“ kämpfen um Sieg und Ehre, wenn um 11.00 Uhr das freie Training beginnt und um 13.00 Uhr endlich die Startflagge fällt.

Für den kleinen Geldbeutel gibt es im Impro­visationstheater des Renngeschehens auch mal einen Spezialluftfilter aus Kuhhaut

Dann werden die Bauernregeln neu geschrieben: Kreist das Mofa auf dem Feld, wird das Feld halt so bestellt. ­Gemolken allerdings wird nichts und niemand. Ohne ­Eintritt und zu fairen Preisen an den Imbissbuden kann jedermann dem Spektakulum folgen. Gemessen wird der Spaß in PS pro Hektar: 200 Mofas mal 1,5 PS auf einem Hektar machen volle 250 PS und damit ungefähr so viel wie der Claas-Axion-850 von Bauer Jürgen, der hier üblicherweise seine Runden dreht. Doch auch der hat hier und jetzt ­einiges mehr an Spaß. 

Wie alle, die in den 70ern oder früher geboren sind, als es Zweitaktgemisch noch an jeder Tankstelle gab. Mit Mofas sind wir zu den Eisdielen gefahren, die Ciaos, Bravos und Kreidler Florys waren unsere Eiscafe Racer. Starbucks gab’s noch lange nicht, auf Bolzplätzen und Parkbänken haben wir uns getroffen und jede Art von taschengeldgerechtem Umbau bestaunt, der auch nur einzelne km/h rausholte. Nicht wenige gab es, die fuhren vierzig Sachen. Das waren unsere Helden.

Schaurige Masken fordern Respekt vom Gegner, Mad Max lässt grüßen. Mit Methan aber fährt hier niemand

Zentralinstanz in Sachen Mofa war Christian mit seiner frisierten Hercules Prima 5 S, die sich in der großen Pause mit einem kräftigen Schlurfgeräusch auf beeindruckende Weise einen kompletten Becher Schokopudding (mit Sahne!) in den offenen Dell´Orto-Vergaser inhalierte. Auch bei ihm ging’s immer ­wieder mal über den Acker: Wenn er über die Felder „Abkürzungen“ oder gar Reißaus vor Polizeistreifen nahm und dabei ein Teil der Erdbeer- und Gemüseernte dem übergeordneten großen Ganzen geopfert werden musste. Dann waren die Bauern nicht so gut zu sprechen auf ihn und sein Mofa. Da soll mal einer sagen, die Zeiten änderten sich nicht. Heute pflügen die Burschen ­damit selbst ihre Äcker. 1985, als „Mad Max – Jenseits der Donnerkuppel“ in die Kinos kam, gehörten Mofas noch zum ­Straßenalltag. Heute sind sie Elektrofahr­rädern gewichen, die ihnen in Geschwindigkeit und Zahl den Rang abfahren. ­Welcher 15-Jährige möchte sich schon von einem rüstigen Pedelec-Rentner überholen lassen?

Mit Zweitaktfunkenfeuerwerk über die Zielgerade – wenn Bullen von der Kette gelassen werden

Zurück nach Kerpen. Hier ist die simple Zweitakt-Technik einer der Hauptbegeisterungsfaktoren. Dazu Bowdenzüge statt Hydraulikbremsen, Fühlerlehre statt Stroboskop, Tupfer am Vergaser statt computergesteuerter Einspritzung. Weder höhere Ingenieurkunst noch Präzisionswerkzeuge sind nötig, um mit ölverschmierten Fingern mitzumischen. Über allem schwebt der inspirierende Geist der ­Improvisation: Bierkästen als Hebebühnenersatz oder das eigene Renndress als Öllappen, wenn’s schnell gehen muss.

Bis zum Ende des Rennens herrscht hektisches Treiben in der Boxengasse. Alles, was geht, wird aus den Maschinen rausgeholt. Nichts bleibt unversucht, um sie möglichst schnell wieder auf die Rennstrecke zu bringen und gefahrene Runden für die Gesamtwertung zu sammeln. Das Leistungslimit von Mensch und Maschine wird gleichermaßen ausgereizt. Kolbenklemmer und -fresser sind an der Tagesordnung und liefern ausreichend Stoff für die Heldenepen, die jeder als Trophäe mit nach Hause nimmt. Wenn dann am Ende die Helme zur Siegerehrung abgenommen werden, wundert man sich, wie normal die Typen aussehen, die diesen Kampfsport betreiben. So hässlich wie Blaster, Mad Max’ Gegner in der Donnerkuppel, sind sie jedenfalls lange nicht.
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Stand:24 January 2020 04:37:05/szene/szene+mopedrennen+-+diesseits+der+donnerkuppel_191001.html Warning: fopen(cache/938a7f3853e5c00202795c3625233838.html): failed to open stream: No such file or directory in /var/www/vhosts/tools.huber-verlag.de/httpdocs/files/trunk/Bootstrap3/files/templates/index_template.inc on line 160 Warning: fputs() expects parameter 1 to be resource, boolean given in /var/www/vhosts/tools.huber-verlag.de/httpdocs/files/trunk/Bootstrap3/files/templates/index_template.inc on line 161 Warning: fclose() expects parameter 1 to be resource, boolean given in /var/www/vhosts/tools.huber-verlag.de/httpdocs/files/trunk/Bootstrap3/files/templates/index_template.inc on line 162 Warning: chmod(): No such file or directory in /var/www/vhosts/tools.huber-verlag.de/httpdocs/files/trunk/Bootstrap3/files/templates/index_template.inc on line 163