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Szene Marcus Walz – Schizzo oder was?

11.03.2019  |  Text: Christian Heim  |   Bilder: Christian Heim, Walzwerk Motorcycles
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Szene Marcus Walz – Schizzo oder was?
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Nein, in diesem Fall handelt es sich nicht um ein Krankheitsbild. Unter dem Namen Schizzo baut Customizer Marcus Walz Concept-Bikes auf BMW-Zweiventil-Basis. Die Idee dazu kam ihm beim Aufbau des Erstexemplars und sie ist so einfach wie bestechend: mit wenigen Änderungen aus dem gleichen Motorrad drei verschiedene Versionen zu bauen
Kenner der Customszene werden sich noch an deine Hardcore-Zeiten ­erinnern, in denen du schwere Drag­styler gebaut hast. Mit Walzwerk ­Motorcycles hast du eine neue Richtung eingeschlagen und baust ganz andere Motorräder. Liegen dir sport­liche Kräder mehr?
Seit ich sechzehn bin fahre ich Rennen, anfangs ­Moto Cross, seit rund fünfzehn Jahren Rund­strecke. Racing ist meine wahre Leidenschaft. Meine frühere Firma Walz Hardcore Cycles und der Bau der Dragstyler war für mich Beruf, aber nicht Leidenschaft. Schon 2006 hatte ich parallel Walzwerk Racing ­gegründet und vor allem Ducatis und Triumphs umgebaut. Seit 2013 firmiere ich unter Walzwerk Motorcycles.

Marcus Walz baut seit rund dreißig Jahren professionell Motorräder

Seit ein paar Jahren schon werden die ­alten BMW-Boxer ziemlich gehypt. ­Hättest du den einstigen Spießer-Motorrädern solch einen Boom zugetraut?
Nein, keiner hätte das wohl. Umgebaut ­wurden die Dinger ja immer schon irgendwie, aber das Ergebnis sah meist schlimmer aus als das Original. Begehrlichkeiten haben diese Boxer nicht wirklich geweckt, keiner konnte sich ­vorstellen, aus diesen Eimern was wirklich Attraktives zu bauen.

Auch Armaturen und Hebel stammen aus der BMW-Serienfertigung, ergänzt durch Motogadget-Blinker und einen neuen, verschlankten Kabelbaum, der aufs Wesentliche reduziert ist. Griffe und Spiegel kommen aus dem Zubehörmarkt

Jetzt baut der ehemalige Hardcore-Dragstyle-Mann Marcus Walz die ollen Spießer-Bikes zu feinen, schlanken Customs um. Ist das schizophren?
Vielleicht (lacht). Der Name allerdings ­bezieht sich eher aufs Konzept. Aus einem einzigen Motorradmodell bauen wir gleich mehrere Versionen, wenn man so will also mehrere „Persönlichkeiten“.

Wie sieht dein Schizzo-Konzept genau aus?
Die Schizzos sind modular aufgebaut und basieren alle auf den alten Zweiventil-BMWs der Monolever-Baureihen. Wir bieten drei Versionen, Cafe Racer, Roadster und Scrambler, und alle drei gibt es in drei preislich abgestuften Ausführungen namens „Base“, „Comp“ und „Pro“. „Base“ ist die günstigste und liegt bei 14.990 Euro. Die Ausführungen unterscheiden sich durch die verwendeten Komponenten und die an Motor und Getriebe durchgeführten Arbeiten. Das Styling ist aber bei allen dreien nahezu identisch. Alle Infos dazu gibt’s auf unserer Homepage. Im Prinzip ist eine Schizzo-BMW ein Neufahrzeug mit alter Zulassung – ein authentischer Klassiker und kein modernes Retro-Bike, das nur auf Klassik macht. 

Auch an der Front weisen die Schizzos zahl­reiche Änderungen  gegenüber der Serie auf. Walzwerk-Lenker, kleiner Spiegel, Faltenbälge, Gabelcover und ein ­anderer Scheinwerfer verpassen der BMW ­eine frische Optik

Inzwischen bauen viele alte Boxer um. Was unterscheidet deine Customs von anderen?
In erster Linie die Qualität, denke ich. Das erkennen unsere Kunden meist sehr schnell, wenn sie sich die Motorräder anderer Anbieter anschauen oder auf einer Messe auch mal direkt vergleichen können. Wir haben rund dreißig Jahre ­Erfahrung im Bau von Custombikes sammeln können. Das fließt in jedes Bike, das wir bauen, mit ein. Und dann sind natürlich auch Styling und Design wichtige Faktoren. In unzähligen Entwürfen, Zeichnungen und photorealistischen Grafiken haben wir vorab die Linienführung und die Proportionen abgestimmt und dann in die Realität umgesetzt. Und durch meinen Racing-Background sind die Motorräder auch fahrwerkstechnisch auf einem ganz anderen Niveau.

Wie alle ­Schizzos ist der Roadster in den Ausführungen Base (14.990 Euro), Comp (18.490 Euro) und Pro (25.990 Euro) zu haben

Nach welchen Kriterien suchst du die Basis-Bikes aus?
Um den Nachschub kümmere mich selbst und kaufe mittlerweile europaweit ausschließlich unfallfreie Fahrzeuge ein. Die Laufleistung soll belegbar unter 50 000 Kilometern liegen. Die Anzahl der Vorbesitzer ist weniger wichtig, die meisten sind aus erster Rentnerhand oder haben höchstens ein- bis zweimal den Besitzer gewechselt.

Und die Komponenten? Verwendest du in erster Linie ­Eigenentwicklungen oder auch Parts von Zulieferern?
Alle Schizzo-spezifischen Teile wie Heckrahmen, Sitz­bänke, Lenker, Motorabdeckungen, atteriehalter usw. sind zu hundert Prozent Eigenentwicklungen, die in unserem ­Onlineshop auch einzeln zu haben sind. Für den Neuaufbau der Motoren oder die Überarbeitung von Gabel und Bremsanlage greifen wir auf namhafte Zulieferer und Aftermarket-Firmen zurück. 

Sonderanfertigung des Cafe Racers. Hier ist das Rahmenheck verschweißt statt geschraubt. Die Gussfelgen werden durch Drahtspeichenräder ersetzt

Kann man auch die eigene BMW bei dir umbauen lassen?
Das geht auch, kommt aber eher selten vor. Wir verrechnen dann einen vorab definierten Preis, der vom Listenpreis der fertigen Schizzo abgezogen wird. Mit einem Komplettfahrzeug fährt man aber besser, denn dann gibt es eine Garantie – auch auf das Basisfahrzeug.

Wie sieht's mit dem Nachschub aus? Sind noch genug ­Boxer zu finden?
Ja, es gibt immer noch zahlreiche, die beim Preis aber ­kontinuierlich zulegen. Da wir aber europaweit einkaufen und auch ganze Sammlungen erwerben, ist die Versorgung für die nächsten Jahre gesichert. In einem Container in Hockenheim horten wir derzeit um die zwanzig Stück, auf die wir zurückgreifen können, sollte es mal Versorgungsengpässe geben. Kunden können auch einen Baujahrswunsch äußern. Ist das in unserem Container verfügbar, erfüllen wird den gern.

Die Comp-Ausführung ist in Design und Optik identisch mit der ­„Base“, trumpft aber mit einigen Extras auf, beispiels­weise Brembo-Hauptbremszylinder und spezielles Federbein. Motor und Getriebe sind überholt

Und jetzt der Blick in die Kristallkugel: Wie lange hält der Trend zum umgebauten Zweiventil-Boxer noch an?
Da ist für uns noch kein Ende in Sicht, die Nachfrage ist ­gigantisch. Wir bauen rund zwei bis drei Schizzos im ­Monat, also rund dreißig pro Jahr. Unsere Lieferzeit liegt derzeit bei zirka neun Monaten. Bei WHC hab ich so eine ähnliche Zeit schon mal erlebt, da hatten wir auf die Dragstyle-Bikes eine Lieferzeit von zwei Jahren. Selbst prominente Kunden wie Räikkönen, Vettel oder Brad Pitt mussten das akzeptieren.



Und welche Schizzo ist am meisten gefragt?
Ganz klar die Roadster, die ihr ja auch auf eurem ­Cover zeigt. Das ist auch in meinen Augen die puristischste ­Version. Da ist nur das verbaut, was man wirklich braucht, nichts ist unnötig oder dient nur der Show. Alles hat seine Funktion, kein Nonsens. Das ist Motorradfahren in seiner reinsten Form. Wer das gern mal ausprobieren möchte, ist in unserem Ausstellungsraum jederzeit willkommen. Hier haben wir immer mehrere Modelle für Probefahrten zur Verfügung. 

Was dürfen wir von dir in Zukunft erwarten?
Derzeit sind die Schizzo-BMWs unser Kerngeschäft. ­Trotzdem bauen wir pro Jahr immer noch drei bis vier ­echte Custombikes, wie beispielsweise das Indian-Scout-Projekt, das wir gerade fertiggestellt haben (siehe Seite 10 und unser Schwestermagazin ­CUSTOMBIKE 01/2019). Das hat richtig Spaß gemacht. Auf die neue FTR 1200 freu ich mich ganz besonders und kann es kaum erwarten, endlich Hand anzulegen.
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Stand:27 May 2019 11:08:09/szene/szene+marcus+walz+-+schizzo+oder+was_181204.html