Szene Go Takamine – Herr Brat Style

15.05.2019  |  Text: Carsten Heil  |   Bilder: Ben Grna, BMW, Yamaha
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Szene Go Takamine – Herr Brat Style
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Ein Customizer hat es dann geschafft, wenn die großen ­Motorradhersteller ihm ihre neuen Kisten vor die Garage ­stellen und höflich ersuchen, doch bitte was Geiles daraus zu basteln. Der Japaner Go Takamine gehört zu ­diesem erlauchten Schrauberkreis – und schuf mit seinen Umbauten sogar eine eigene Stilrichtung
Vor einigen Jahren begann die halbe Schrauberwelt damit, schmale Motorräder ohne Schutzbleche mit kleinen Tanks, flachen Sitzbänken, kurzen Federwegen und knubbeligen Vorderrädern zu bauen – lässig irgendwo zwischen Bobber und Scrambler surfend und stilistisch an klassischem Motorradbau orientiert. Also eher dürre
Tele­gabel als fette Upside-down-Forke. „Brat ­Style, ­Digger!“ Aha. What does it mean und wo kommt’s her? Aus Japan, von Herrn Takamine und dessen in Tokio ansässiger Firma Brat Style. Wobei das jetzt nix mit Bratwurst oder zusammenbraten zu tun hat, sondern seinen Ursprung im englischen „brat“ hat, was so viel wie Flegel bedeutet. Um es in einen anständigen Satz zu gießen: Brat Style steht für rotzfreche Motorräder.

Als Go 1998 in Tokio seinen Brat-Style-Shop eröffnet, beginnt er zunächst mit dem Umbau kleinvolumiger Nippon-Bikes vom Schlage einer SR 400. Allein von diesem Modell hat er im ­Laufe der Jahre mehr als hundert Exemplaren seinen Stempel aufgedrückt – hat sie leichter, wendiger und cooler gemacht. Sein Stil kommt an und findet dank des digitalen Buschfunks unter Motorradfreaks auf der ganzen Welt Beachtung.

Kreative Enge: Die Jungs von Brat Style haben nicht viel Platz in ihrem Laden in Tokio. Täglich müssen ein Dutzend Bikes auf die Straße geschoben werden

Und auch, wenn neben Scramblern vor allem Chopper und Bobber aus seiner kleinen Werkstatt rollen, sind all seinen Mopeds absolute Fahrbarkeit und ein ordentlicher Schuss Racing-Inspiration gemein. „Ich war immer ein Rennfahrer und bin schon früh mit der Rennszene in Kontakt gekommen, darum sind die Schlüsselbegriffe für uns bei Brat Style Geschwindigkeit und Stil. Meine Motorräder sind dafür gebaut, schnell zu fahren. Mit den meisten dieser Motorräder war ich mit mehr als 200 km/h unterwegs!“, sagt er nicht ohne Stolz, schließlich ist das in Japan nicht nur verboten, sondern im Großraum Tokio ohne eine sehr große Kelle Todesmut auch kaum möglich.

Der rasant wachsende Bekanntheitsgrad seiner kleinen Customschmiede macht sich monetär gesehen jedoch kaum bezahlt. Die Leute schauen sich seine Bikes zur Inspiration im Internet an und huldigen seinem Tun mit Smileys, erhobenen Daumen und warmen Worten – das war’s. Geld ist damit nicht verdient und niemand fliegt nach Japan, um sich ein originales Brat-Style-Bike zu kaufen. „Es waren harte Jahre in Japan. Manchmal war kaum Geld fürs Essen übrig“, sagt er rückblickend.

Seit 2014 lebt und arbeitet Go Takamine in Long Beach, die Brat-Style-Werkstatt in Tokio existiert aber weiterhin. Sein Stil hat sich zwar nicht verändert, aber die Basismotorräder werden zunehmend älter und amerikanischer. Besonders Indians haben es ihm angetan

Schon 2007 verriet er unserer Schwesterzeitschrift CUSTOM­BIKE in einem Interview: „Da gibt es eine Sache, die ich in Zukunft wirklich gerne machen würde, vielleicht in fünf Jahren oder so. Ich will eine Brat-Style-Werkstatt in den Vereinigten Staaten aufmachen, genauer gesagt in Los Angeles. Es gibt ein paar japanische Motorrad­bauer, die es drüben geschafft haben, und ich weiß, dass unser Stil cool ist und dass wir etwas haben, worauf wir hier stolz sein können. Drüben in den USA hätten wir mehr Freiheit, da dort die Customkultur schon stabiler ist und ein größerer Markt existiert.“ 2014 wagt er sich schließlich an die Umsetzung seines Traums und eröffnet in Long Beach seinen ­kalifornischen Brat-Style-Workshop – und muss zunächst Lehrgeld zahlen. Kleine wendige Japan-Bikes sind in den USA nämlich nicht angesagt. Dennoch verschafft ihm gerade eine SR 400 wertvolle Anschubhilfe: Yamaha will mit seinem damals neu aufgelegten Yard-Built-Programm einen Fuß im Günther-Netzer-­Format in die Customszene bekommen und bittet Go an die Werkbank. Seine B.S.R. 400 wird ein Meisterstück und geht ­medial extrem steil – und mit ihm sein neuer Shop in Kalifornien. Im Herbst 2014 folgt ein 9T-Tracker im Auftrag von BMW. Takamine schneidert dem Boxer ein federleicht wirkendes Old-School-Kostüm, das dem bayrischen Bestseller eine schon fast ­unverschämte Lässigkeit beschert und Brat Style endgültig im ­Customolymp ansiedelt.

Die B.S.R. war eines der ersten Yard-Built-Bikes und bescherte Takamine international große Aufmerksamkeit. Mehr als 100 SRs hat er seit Gründung 1998 umgebaut und ihnen den typischen Brat-Style-Stempel aufgedrückt

Durch sein neues Leben in Kalifornien ändert sich zwar nicht sein Umbaustil, sehr wohl aber die ­Basismotorräder. Go findet mehr und mehr Gefallen an ameri­kanischem Altmetall, widmet sich zunehmend Ironhead-Sportstern und Knuckleheads, was die amerikanische Kundschaft natürlich ­goutiert. Für Yamaha haut er zwischendurch noch eine ­rotzige Yard-Built-SCR-950 raus und stellt eine ganze ­Armada von hinreißenden W-650-Kawas auf die Räder, um sein Herz schließlich an Indian zu verlieren. Er wird 2015 als Invited Builder auf die Born-Free-Show eingeladen und beschließt mit einer Indian „Chout“ anzutreten – also einem Hybriden aus dickem 1300er-Chief-Motor und dem leichten Rahmen einer 750er-Scout von 1927. Es wird ein weiterer Meilen­stein seines Schaffens, den Preis für die beste Indian nimmt er lächelnd entgegen und sagt: „I am so exited, I would like to race now.“

2014 bittet BMW vier japanische Top-Customizer zum kreativen Austoben an die 9T. Takamine hüllt den Boxer in ein hinreißend schlichtes Tracker-Kleidchen. Zum Niederknien …

Die Rennerei hat sein Leben geprägt, seit der in ­Okinawa nahe einem US-amerikanischen Militärstützpunkt geborene Takamine als junger Bursche die US-Soldaten mit ihren Motorrädern durch den Dreck rund um den Stützpunkt pflügen sah. Mit dem Okie-Dokie-Flat-Track-Race hat er im Dezember 2018 im Rahmen der Customshow in Yokohama ­erstmals ein Alteisen-Custom-Rennen veranstaltet, über das weltweit berichtet wurde (siehe auch ROADSTER 2/2019). „Ich liebe alle Arten von Rennen und wann immer ich die Zeit finde, gehe ich ins ­Gelände. Wir machen hier bei mir sowohl On- als auch Off-Road – Hauptsache, es ist schnell und hat Style“ – Brat Style halt.
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Stand:17 October 2019 22:09:32/szene/szene+go+takamine+-+herr+brat+style_19403.html Warning: fopen(cache/92f64e0873e2129dd16ce89aeb01024e.html): failed to open stream: No such file or directory in /var/www/vhosts/tools.huber-verlag.de/httpdocs/files/trunk/Bootstrap3/files/templates/index_template.inc on line 160 Warning: fputs() expects parameter 1 to be resource, boolean given in /var/www/vhosts/tools.huber-verlag.de/httpdocs/files/trunk/Bootstrap3/files/templates/index_template.inc on line 161 Warning: fclose() expects parameter 1 to be resource, boolean given in /var/www/vhosts/tools.huber-verlag.de/httpdocs/files/trunk/Bootstrap3/files/templates/index_template.inc on line 162 Warning: chmod(): No such file or directory in /var/www/vhosts/tools.huber-verlag.de/httpdocs/files/trunk/Bootstrap3/files/templates/index_template.inc on line 163