Szene 8Tech Racing – Maschinenbauer, die Maschinen bauen

20.12.2018  |  Text: Jens Kratschmar  |   Bilder: Tobias Kircher, 8Tech Racing
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„Wenn man erst mal im Modus ist, dann macht man eben komische Sachen“, erklärt er, als ich ihn auf die tiefen Stummel an seiner Aprilia Tuono anspreche. „Kennst du doch auch?“ Modus? Nö. „Na, ich meine, wenn du deinen Fahrmodus auf ,schnell‘ stellst innerlich.“ Was nach Aussage seiner Kollegen genau immer dann passiert, wenn er ein Zweirad bewegt. Und dann muss der Superbike-Lenker eines Naked Bikes eben tiefen Rennstummeln ­weichen. Und in seinen Augen ist klar zu lesen, dass er sich des leichten Schwachsinns derartiger Aktionen auf selbstironische Weise durchaus bewusst ist. 



Nicht nur die Wahl der eigenen Mopeds ist für Customizer ungewöhnlich, auch deren Zustand: technisch top, optisch eher Pflegefall. Besonders Merlins V2-Tuono ist in Sachen Plastik bestenfalls dritte Wahl. „Der Kleine übt ­gerade fleißig das Wheelieren und da klatscht die Kiste eben auch mal auf die Seite“, frotzelt Haggo und steht dabei neben seiner RSV Mille, die auch mehr nach Kiesbett als nach Showroom aussieht. Wenigstens einer der drei beweist Geschmack beim eigenen Krad: Colin lümmelt auf einer Triumph, einer Mischung aus Daytona 955 und Speed Triple, mit adretter Halbschale für die Rennstrecke hergerichtet und mit deutlich weniger Pflastern versehen als die beiden Italienerinnen. 

Trotz allen Spaßes, der lockeren Zungen und des hippen Flairs dreht sich das Gespräch dann schnell auf technische Lösungen, die Jungs schalten da dann ganz schnell auf Ingenieur um. Motortuning, Materialwahl, Metallbearbeitung, Reifenwahl, Fahrwerksumbauten, Abstimmungs­arbeiten auf dem Prüfstand oder eigene Lösungen wie das Sammelrohr ihrer BMW-K-Auspuffanlagen: All das wird im Hause entwickelt und umgesetzt. Und da entwickeln sich die Herren mit viel Speed weiter. Wie die Geschwindigkeit ohnehin eine große Rolle spielt bei 8Tech Racing und einer der Hauptgründe für den Start einer ­gemeinsamen Unternehmung war. 



„Colin und ich kennen uns von der Uni. Er war ein paar Semester hinter mir. Irgendwann kamen wir ins ­Gespräch über Motorräder und sind zusammen im Odenwald gefahren. Da haben wir schnell gemerkt: Das passt“, beginnt Merlin die kurvenreiche Geschichte ihrer Unter­nehmensgründung. „Wir haben dann angefangen zu schrauben und mit Ende meines Studiums kam der Plan zu einer gemeinsamen Firma auf. Das war 2016.“ Zu dieser Zeit leitet der dritte Maschinenbauer im Bunde, Haggo, den Harley-Davidson-Store in Fulda. Zuvor war er Ingenieur bei Porsche in Weissach, doch das ist eine andere Geschichte. „Man muss sich irgendwann entscheiden, ob man tun will, was man muss oder was man will“, sagt er. Merlin hat er im Store kennengelernt. Dessen Vater war Haggos Kunde. Einmal hat Merlin seinen Vater begleitet. Das Ende: Eine belebte Unterhaltung im Showroom über Aprilia und eine Probefahrt auf Haggos getunter Mille. 



Einige Wochen später. Colin und Merlin treffen Haggo auf einer Harley-Party in Fulda und das Dreigestirn unterhält sich den ganzen Abend nur über eins: schnelles Motorradfahren. Ein Plan entsteht. Zusammen will man nach Kroatien und dort auf der Rennstrecke von Rijeka mal gucken, was geht. Haggo erzählt: „Auch zu dritt hat der Grundspeed immer gepasst, menschlich war die ­Sache eh klar. Ich bin dann noch drei Monate mit Van und Surfbrett durch Spanien und Portugal gefahren. War eine ruhige Zeit. Ab und an klingelte das Telefon, wenn Merlin und Colin mich mit Fragen zu ihren Harley-Umbauten löcherten“, grinst er und Merlin ergänzt: „Während Haggos Urlaub haben Colin und ich uns überlegt, wie wir mit 8Tech Racing weitermachen ­wollen. Und da wurde uns klar: Wir wollen Haggo dabei haben.“ Das ­Ergebnis ist bekannt. Erst zu dritt funktioniert 8Tech in dem bekannten Stil. 



„Die Arbeit als Trio birgt natürlich ein gewisses Reibungspotenzial“, gibt Merlin einen Mini-Einblick in die unterschiedlich hitzigen Phasen einer Auftragsabwicklung. „Beim Grau der Ducati beispielsweise musste ich mich durchsetzen, im Allgemeinen aber läuft alles harmonisch.“ Und wie perfomt die junge Firma inzwischen? „Haggo und ich können oder müssen ­davon ­leben, Colin studiert noch, da helfen Mama und Papa ein bisschen aus.“ „Nein, im Ernst“, gesteht Haggo, „es ist schon knifflig, mit dem Budget über die Runden zu kommen. Gerade bei der Ducati hier ist es etwas eskaliert. Aber der Kunde hat noch mal nachgeschossen, weil er auf die Arbeit abfährt. Noch leben wir praktisch von der Hand in den Mund. Aber wir sind dran und werden immer effizienter.“ 



Der Ansatz dieses Männertrios aus Dreieich ist uns auf jeden Fall sympathisch: Ein Custombike sollte ­unbedingt nicht nur gut aussehen, es muss auch ­ordentlich fahren. Da ist es sicher nicht von Nachteil, wenn man Öhlins-Gabeln nicht nur verbauen, sondern auch einstellen kann. Und wenn Tuning auch in einem echten Leistungszuwachs gipfelt. In Zeiten des Mehr-Schein-als-Sein-Customizings finden wir das sehr erfrischend. Glück auf, 8Tech Racing! Mehr Infos zu Machern und Mopeds unter 8tech-racing.de

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Stand:18 August 2019 11:42:49/szene/szene+8tech+racing+-+maschinenbauer+die+maschinen+bauen_181204.html?page=1