Mystic Places – Mit dem Dirtbike über Balis heiligen Vulkan

23.10.2018  |  Text: Janna Strauss  |   Bilder: Janna Strauss
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Mystic Places – Mit dem Dirtbike über Balis heiligen Vulkan
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Ein Vulkanausbruch durchkreuzt unsere Pläne. Wie die Dorfbewohner in Amed wild gestikulierend erklären, hat irgendwer die Götter verärgert. Von Weitem sichtbar steigt eine Rauchsäule aus dem Agung-Krater
Mystic Places
Orte mit Bedeutung man trifft ­zufällig drauf, hat sie gesucht oder kennt sie schon seit jahren: Orte, die geschichte geschrieben haben, orte, die geschichten erzählen, Orte, die uns lieb und teuer geworden sind
 

Mit dem Dirtbike über Balis heiligen Vulkan


Genau da wollten wir hoch, auf den Gipfel des Gunung Agung, Balis heiliger Berg. Jetzt sind die wenigen Zufahrtswege gesperrt – unsere Tour hat sich erledigt. Doch die Insel hat Glück. Zusammen mit unserer Enttäuschung bläst der Wind die ­toxische Asche aufs Meer hinaus. 

Wenn in Bali die Sonne hinter dem Vulkan versinkt ... Der ­Gunung Agung ist Balis heiliger Berg, auf ihm wohnen Götter und die Geister der Ahnen

Als neues Ziel kommt für Rapah, ­meinen balinesischen Begleiter, und mich nur der Gunung Batur in Frage. Der zweite aktive Insel­vulkan erhebt sich nur zwanzig Kilo­meter weiter im Nordwesten. Er ist zwar nicht so heilig wie sein großer Bruder, doch die Route führt durch den schönsten Dschungel, den man sich wünschen kann. Nach wenigen Straßenkilometern biegen wir in goldgelben Sand ab. Über wurzeldurchzogene Spitzkehren, staubige Pfade und ein kleines Flussbett graben sich unsere Reifen in Richtung Ziel. Immer wieder knattern wir in kleinen Dörfern zwischen Hühnern, zum Trocknen ausgebreitetem Reis und winkenden Kindern hindurch und machen uns einen Spaß daraus, so viele Schlaglöcher wie möglich mitzunehmen. 

Als der Weg hinter dichtem Gebüsch plötzlich in einen Abhang mündet, dauert es keine Sekunde und wir liegen beide unter unseren Bikes – es wird nicht das letzte Mal für heute sein. Halb fluchend, halb lachend rücken wir die umgeschnallten ­Protektoren zurecht und nutzen den Moment, um die spektakuläre Aussicht auf den Gunung Agung zu genießen.

Schnell den schwarzen Lavastaub aus dem Gesicht gewischt: Freude auf dem Gipfel des Batur.

Erst im November 2017 waren nach ­einem größeren Ausbruch Zehntausende in seinem Umfeld evakuiert worden, Flüge von und nach Denpasar wurden für Tage gestrichen. Bis heute hängen leuchtend gelbe Banner mit der Aufschrift „Volcanic Hazard Zone – Authorized Personnel Only” an den Straßenrändern. Für die Balinesen ist der Vulkan das Zentrum der Welt. Wer nach dem Weg fragt, bekommt meist eine Antwort wie „zuerst nach Westen, dann Richtung Vulkan“. Neben Shiva, dem Erneuerer und Zerstörer, leben auch die Geister der Ahnen auf dem Agung. Ihnen und den höchsten Göttern ist der wichtigste hinduistische Tempel Balis am Südhang des Berges gewidmet, der „Mutter­tempel“ Pura Besakih. Ausländer dürfen ­einen Teil der beeindruckenden Anlage besuchen, sollten dabei aber – wie überall – den nötigen Respekt mitbringen. Anders als der ignorante spanische Tourist, der über die heiligsten Bereiche kletterte, um Fotos zu machen – und jetzt die spirituelle Reinigung bezahlen darf.

Schnell den schwarzen Lavastaub aus dem Gesicht gewischt: Freude auf dem Gipfel des Batur.

Wir fahren weiter. Der Dschungel wird lichter, der federnde Waldboden weicht ­Lavageröll und feinem schwarzen Sand. Langsam arbeiten wir uns auf den Batur-Gipfel zu. Um uns herum erstreckt sich eine unwirkliche Landschaft. Der dunkle Sand strahlt brennende Hitze ab, jeder freie Quadratzentimeter Haut ist von grauschwarzem Staub bedeckt. Dann sind wir oben und es verschlägt uns den Atem. Wie zum Anfassen nah thront der Nachbar Agung über den Wolken. Der Himmel reißt auf und wirft goldene Sonnenflecken über die Insel und den unter uns liegenden spiegelglatten ­Kratersee ­Danau Batur.

Der Dschungelboden ist genauso weich, wie er aussieht und wie mehrere Touchdowns belegen

Auf der Heimfahrt überrascht mich die Dunkelheit und ich strande bei einer ­balinesischen Familie. Keine Ahnung, was ich gegessen habe, die Matratze ist durchgelegen und ich hab nachts ständig einen Kinderarm im Gesicht. Bali pur und so, wie es sein soll: magisch.
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Stand:13 December 2018 02:55:46/szene/mystic+places+-+mit+dem+dirtbike+ueber+balis+heiligen+vulkan_18725.html