Handwerkskunst mit pfiff – Szene Motocyclettes Artisanale

04.11.2019  |  Text: Thomas Kryschan  |   Bilder: Götz Göppert
Handwerkskunst mit pfiff – Szene Motocyclettes Artisanale Handwerkskunst mit pfiff – Szene Motocyclettes Artisanale Handwerkskunst mit pfiff – Szene Motocyclettes Artisanale Handwerkskunst mit pfiff – Szene Motocyclettes Artisanale Handwerkskunst mit pfiff – Szene Motocyclettes Artisanale Handwerkskunst mit pfiff – Szene Motocyclettes Artisanale Handwerkskunst mit pfiff – Szene Motocyclettes Artisanale Handwerkskunst mit pfiff – Szene Motocyclettes Artisanale Handwerkskunst mit pfiff – Szene Motocyclettes Artisanale
Handwerkskunst mit pfiff – Szene Motocyclettes Artisanale
Alle Bilder »
Im Leben angekommen, ausgelernt, ausgesorgt – ausgebrannt. Was nützt die finanzielle Sicherheit als Pharmareferent, wenn dich nach 25 Jahren im Job die Langeweile packt? Erst schulte François zum freien Ernährungsberater um. Dann aber merkte er, dass die Sehnsucht noch immer da ist
Die eigene Biografie hat man nur bedingt in der Hand. Das Leben ist es, das sie schreibt. 2011 verlässt François Grandadam seinen bisherigen Arbeitgeber, um sich neu zu orientieren. Ein gewagter Schritt in die Ungewissheit. Doch François will seinen Lebensunterhalt nach so vielen Jahren endlich mit etwas verdienen, was ihn wirklich inspiriert. 

Taschenspielertrick: Ölkühler im Königswellendesign. Das neueste Projekt auf Yamaha-XT-Basis soll Francois’ eigenes Motorrad werden

Einen Bruder im Geiste findet er in seinem Freund Eric. Den Landmaschinenmechaniker lernte er schon vor einem Vierteljahrhundert kennen. Damals ­hatte Eric bei François‘ Motorradhändler als Mechaniker angeheuert. Es dauerte nicht lange, bis er sich als Werkstattleiter mit den kleinen und großen Sorgen der Kundschaft auseinandersetzen musste. Auch er war irgendwann ­müde vom Tagesgeschäft, machte sich erst mit einem Restaurationsbetrieb für historische Motorräder selbstständig und gründete schließlich zusammen mit François M.A.M. Für „Motocyclettes Artisanales Minimalistes“ steht das Kürzel, was so viel bedeutet wie „kunsthandwerklich gebaute, aufs Minimum reduzierte ­Motorräder“. Das beschreibt schon ziemlich genau das, was die beiden den lieben, langen Tag so treiben. 

Rechts der kreative Kopf François, links Landmaschinenmechaniker und Motorradschrauber Eric neben ihrer XT 600 in der M.A.M.-Werkstatt im französischen Ladevèze-Ville

Mechaniker Eric ist dabei der Macher, François kümmert sich ums Kreative, pflegt die Kontakte zu Kunden und Zulieferern – und beantwortet die Fragen der ROADSTER-Redaktion. Leben können die beiden von M.A.M. noch nicht. Und so schreibt François weiterhin anderen Menschen vor, was sie essen dürfen, zeigt uns aber auch, was wir fahren könnten. Und Eric? Er wartet nach Feierabend das landwirtschaftliche Equipment seines Bruders, um über die Runden zu kommen­. Dass sich das bald ändern könnte, darauf ­lassen die Motorräder hoffen, die in der Werkstatt der beiden am Fuß der ­Pyrenäen entstehen. 

Ideenfindung im Team: Eric (rechts) ist immer mit dabei, denn er weiß am besten, was an der Werkbank schließlich machbar ist und muss es am Ende ja auch umsetzen

Da wäre zum Beispiel diese wunderschöne XT 600. Ein reines Showbike, zu aufwendig und zu teuer für jeden Kunden, aber ideal, um zu zeigen, wozu die beiden in der Lage sind. Rund 10 000 Euro und 800 Stunden Arbeit stecken in der Yamaha. So viel Zeit brauchte es, um die Maschine von Grund auf neu auf­zubauen. Ihr Rahmen musste entlackt und ­restauriert und auch die Fahrwerkskomponenten generalüberholt werden. Lenkkopf und Schwinge bekamen neue Lager – die Einzelteile fügte Eric zu einem neuwertigen Chassis zusammen. Aus den zerschnittenen Resten eines Yamaha-YZ-125-Reservoirs aus dem Jahr 1976 entstand der polierte Alutank – wie fast alle Anbauteile der XT in Handarbeit. Ausnahme ist allein der hintere Fender. Den haben die beiden von der Firma Kedo zugekauft. Wem die Tankform gefällt, dem kann geholfen werden: „Den können wir jederzeit nachbauen, da wir sowieso eine Form dafür fertigen ­mussten.“ 

Irgendwie vertraut und doch so eigenständig: M.A.M.s Schaustück auf XT-600-Basis, mit der sie zeigen wollen, was sie drauf haben – Zulassung leider undenkbar

Dass M.A.M auch das Hydroformingverfahren beherrscht, zeigt der handwerklich perfekte Auspuff, der mit ­einem filigranen Halter am oberen Auge des Stoßdämpfers aufgehängt ist – eine ebenso simple wie elegante Lösung. Die neue Airbox und der zum schmalen Tank passende Sitz fügen sich wie selbstverständlich ins Bild. Der Mund bleibt einem dann beim Blick ins Datenblatt offenstehen: Gerade noch 120 Kilo wiegt das fahrfertige Motorrad, der Motor leistet 55 PS. „An eine Zulassung ist angesichts der ­ganzen Modifikationen allerdings nicht zu denken, da will ich ehrlich sein.“

Mit einem Schaustück wie der XT aber lässt sich kein Geld verdienen. Was sicher einer der Gründe für den Buell-Umbau war: schmale Wespentaille und spektakuläres Design, im Grunde aber weit­gehend serienmäßig. „Sie ist das genaue Gegenteil der XT. Alle Änderungen sind reversibel und je nach Kundengeschmack jeweils auch einzeln möglich.“ Ein Designerstück mit Brot-und-Butter-Technik ­also und der Versuch, M.A.M wirtschaftlich in die ­Gewinnzone zu bringen. 

Der Auspuff der XT 600 entstand im ­Hydroformingverfahren. Sein ­Halter hängt mit an der Befestigung des ­oberen Federbeinauges

Bike Nummer drei in der Werkstatt aber offenbart dann wieder unmissverständlich, dass das Herz der beiden Franzosen an technisch aufwendigen Lösungen hängt: „Es soll mein eigenes Motorrad werden“, sagt François mit leuchtenden Augen, „eine Art Flat-Tracker, leicht und stark. Wir reden hier von rund hundert Kilo bei 75 PS.“ Um diesem Ziel näherzu­kommen, hat Eric Yamahas TT-600-Single den Zylinder samt Fünfventilkopf einer XTZ 660 aufgepfropft. Auf der rechten Motorseite wartet eine Überraschung: eine Königswelle? Da haben die ausgefuchsten Kerle dem Single doch tatsächlich einen Ölkühler verpasst, der aussieht wie der klassische Nockenwellenantrieb! „Wir wollten zeigen, dass wir auch Spezialteile auf Maß anfertigen können.“ Das ist ihnen zweifellos gelungen. 

An den technischen und designerischen Fähigkeiten von François und Eric zweifeln wir nicht. Die wirtschaftliche Überlebensfähigkeit von M.A.M. macht uns da schon mehr Gedanken. Bonne chance, messieurs!
  Teilen
Stand:10 July 2020 04:45:59/szene/handwerkskunst+mit+pfiff+-+szene+motocyclettes+artisanale_19807.html Warning: fopen(cache/230067ab9f4b2bed1eb4ed7be56ae681.html): failed to open stream: No such file or directory in /var/www/vhosts/tools.huber-verlag.de/httpdocs/files/trunk/Bootstrap3/files/templates/index_template.inc on line 160 Warning: fputs() expects parameter 1 to be resource, boolean given in /var/www/vhosts/tools.huber-verlag.de/httpdocs/files/trunk/Bootstrap3/files/templates/index_template.inc on line 161 Warning: fclose() expects parameter 1 to be resource, boolean given in /var/www/vhosts/tools.huber-verlag.de/httpdocs/files/trunk/Bootstrap3/files/templates/index_template.inc on line 162 Warning: chmod(): No such file or directory in /var/www/vhosts/tools.huber-verlag.de/httpdocs/files/trunk/Bootstrap3/files/templates/index_template.inc on line 163