Don ­Papa Ride – Exit-Strategie für Freiheits­kämpfer

03.09.2018  |  Text: Guido Kupper  |   Bilder: Götz Göppert
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Don ­Papa Ride – Exit-Strategie für Freiheits­kämpfer
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Leben in seiner rudimentärsten und erfüllendsten Ausprägung ­inmitten einer Landschaft, die den Namen Paradies verdient. Beim Don Papa Ride auf Korsika darf Mann seine Urinstinkte ­ungehemmt ausleben – na ja, zumindest die meisten davon: die Natur genießen, Abenteuer erleben, ums Feuer sitzen, mit dem Schraubenschlüssel werkeln, trinken, feiern – und Motorrad fahren
Der Korse ist ein stolzer Mann. Wer mit Goscinnys und Uderzos Asterix groß geworden ist, weiß das. Sein Messer sitzt ihm heute gottlob nicht mehr so locker an der Hüfte. Allenfalls, um sich ein Stück Fleisch vom Grill zu schneiden. Eine Sache, die die ausgewählten Mannen um Frédéric Olivieri mit Vorliebe tun, wenn sie, umringt von ihren Motor­rädern und ­Zelten, in den Bergen oder am Strand ums Lagerfeuer sitzen, über dem verheißungsvoll ein Spieß vor sich hin brutzelt. Drei Tage lang sind sie unterwegs; in einer Orgie aus Landschaften, Traumstraßen, abendlichen Partys und wilder Natur, ihre ­Pfade teils so abgelegen, als gäbe es auf ­dieser wunderschönen Insel keine weiteren Menschen. Drei Tage, die das stressgeplagt hektische Herumgezappele des Alltags zwischen seinen vermeintlichen Notwendigkeiten in so weite Ferne rücken, als habe es nie stattgefunden. Man trinkt, isst, feiert, schraubt und lacht, lässt sich beim Fahren den Wind um die Nase wehen und wäscht sich in eiskalten Gebirgsbächen den Staub von den Klamotten und den Schweiß von der Haut. Ein ­Leben unter freiem Himmel; keine Hotels, keine Sternerestaurants, nur die pure, göttliche, ewige Natur.



Fred ist Korse, auch er ein ­stolzes Exemplar. Er liebt seine Insel, das ­Motorradfahren und das Erlebnis mit Gleichgesinnten. „Wir sind ein harter Kern von zwölf, fünfzehn Männern, die ­Meilen machen, wann immer es geht, egal ob hier auf unserer Insel oder wo­anders. Vor ein paar Jahren war es, da kam er vom Grizzly Ride. Vincent Prat von den South Siders organisiert den, die treibende Kraft hinter dem Wheels-and-Waves-Festival von Biarritz. Doch beim Grizzly Ride geht’s nicht um warmen Sand und Meeresrauschen. Hier wird im Winter durch Schnee gepflügt. „Ich mag Herausforderungen, mir mit meinem Krad den Weg zu suchen unter widrigen Bedingungen, gern auch allein. Ich teste gerne aus, wie weit und wohin ich kommen kann – und nehme dabei niemals die Autobahn. Für mich gibt es nur die Landstraße.“ Als Fred im Kreise seiner Ver­trauten den Grizzly Ride Revue passieren ließ, war sie auf einmal da, diese Idee: „Lasst uns so eine Tour über die Insel machen, auf verschlungenen Pfaden, zu den verstecktesten Orten.“ 

Um die geheimsten Plätze der Insel zu scouten und „in Besitz“ zu nehmen, muss man wohl Korse sein. „Die Eigen­tümer müssen dich kennen und respektieren“, sagt Fred

Der Ride war geboren, damals noch namenlos. An ihm teilnehmen zu ­dürfen, ist eine Ehre. Nur ge­ladene ­Gäste kommen in den Genuss. „Jeder von uns darf einen Gast mitbringen, mehr als 35 Mann stark soll die Truppe nie werden“. Sonst, meint Fred, ist die Sache nicht mehr mit Nonchalance zu handeln. Denn trotz des rauen Charmes und des rudimentären Komforts steckt akribische Planung dahinter. „Wenn du mit 35 Mann in der Wildnis campen willst, musst du natürlich Leute kennen, Eigentümer, die dich kennen und respektieren. Nur so können wir unsere Routen entwerfen, Orte zum Lagern finden, Plätze, an denen wir unser Lagerfeuer anzünden.“ 

Raue Fort­bewegung in rauer Umgebung fordert ihren Tribut. Geht nichts mehr, spielt ein begleitender Jeep mit Anhänger den Besenwagen

Und so hat Fred auch einen gewissen Anspruch an seine Mitfahrer. „In erster Linie organisiere ich die Tour für mich und meine Kumpel. Wir haben ­keinerlei kommerzielles Interesse, wir wollen unsere Liebe für die Insel und unsere Freude an Gemeinschaft einfach mit Leuten teilen, die das zu schätzen wissen.“ Und die der Natur mit gleicher Rücksicht und Dankbarkeit begegnen. „Einen der Strände, an denen wir letztes Jahr gesch­lafen ­haben, haben wir am nächsten Tag drei Stunden lang gesäubert.“ Nicht von ­ihrem Dreck, sondern dem an­derer. „Die zehn Müllsäcke, die wir voll gemacht haben, haben wir dann vorm Bürgermeisteramt abgeliefert, die waren überglücklich.“ So geben die Don Papas ein Bild, das es den anderen Korsen leicht macht, sie mit offenen Armen zu empfangen. Sogar Pinien ­haben die Jungs schon gepflanzt.



Don Papas? Nun, der Name Don Papa Ride kommt nicht von ungefähr. Im ersten Jahr hatte einer der Burschen eine Flasche des gleichnamigen Rums dabei. Die blieb nicht lange voll, und in der wärmenden Stimmung dieses Abends bekam die Tour dann ihren Namen. Inspiration für den auf der Philippinen-Insel Negros destillierten Rum war der Revolutionär Dionisio Magbuelas, auch Papa Isio genannt. Ende des 19. Jahrhunderts Vorarbeiter auf einer Zuckerplantage, wurde er zu einem der führenden Köpfe im Widerstand gegen die spanische Besatzung. Ein unabhängiger Geist, ein Mann, der die Freiheit suchte. Wie die Don Papas auf zwei Rädern mehr als hundert Jahre später. Nur, dass sie sich nicht von fremder Vorherrschaft befreien wollen, sondern von der des unbarmherzigen Alltags. Zumindest für drei Tage gelingt ihnen das.
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Stand:21 November 2018 17:53:50/szene/don+papa+ride+-+exit-strategie+fuer+freiheitskaempfer_18530.html