Born to be mild – Club of Newchurch

16.08.2017  |  Text: Jens Kratschmar  |   Bilder: Carsten Heil
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Born to be mild – Club of Newchurch
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„Deswegen spielen hier auch keine AC/DC-Coverbands ...“, sagt Mitorganisator Uli Brée im Interview über den neuen Club of Newchurch. Ich sage dazu: Ein Glück, denn diese Einstellung macht das Treffen am Großvenediger konsequent zu einem sehr schönen, gemütlichen Zusammensein von ­ganz normalen Motorradfahrern
Mittwochabend. Für die morgige Fahrt nach Neu­kirchen am Großvenediger stopfe ich meinen Rucksack und ­fahre mir dabei beiläufig übers Gesicht: „Hmm, nochmal den Bart stutzen? Ach, ich fahr ja auf ein hippes Motorradtreffen, da wird schon ein Barbier dabei sein.” Vor meinem geistigen Auge sehe ich mich im stylishen Verwöhn­areal bei Cohiba und Single-Malt lungern.
 
Burnouts sind ein Scheiß, aber wenn’s eine 125er versucht, ist’s irgendwie lustig. Da harrt jeder in Geduld der Antwort auf die Frage, ob die zwölf PS das Gummi mit Gewalt richten oder ob Kupplung und Motor zuerst aufgeben

Das Problem: Es gibt keinen Barbier beim Club of New­church. Für mich als bekennenden Anti-Hipster, der sich trotzdem gerne dieser metrosexuellen ­Körperpflege hingibt, ein ungewohntes Bild in diesen Zeiten. Andererseits hätte der Handwerker auch wenig zu tun. Ganz nach Lebenserfahrung wird hier die Kopfbehaarung hauptsächlich schütter und kurz ­getragen, Flokati-Gesichter gibt’s so gut wie keine und auch der Anteil an Flanellhemden aus dem dreistelligen Eurobereich ist ungewohnt gering. Herrlich. Hier treffen sich – so banal es klingen mag – ganz normale Motorradfahrer. Die kommen nicht nur für vier Tage mit der Kiste auf’m Hänger, sondern auf Achse volle zwei Wochen für den Urlaub.
 
Rennen fahren heißt: Mit dem Messer zwischen den Zähnen siegen um jeden Preis. Oder einfach mit einer GN 125 und Superman-Umhang 24 Minuten seinen Spaß haben. Ich bin für das Zweite

Täglich erwacht die Stadt gegen 7 Uhr morgens, die Leute gehen fahren und reißen hunderte Kilometer runter. Abends ist der Club geselliges Beisammensein von 15 000 Kradlern bei guter Musik und leckerem Essen – und humanen Preisen. Der Brée meint: „Das hier ist eine Familie.” Recht hat er, manche kommen seit elf Jahren, ihre Bonnies haben 160 000 auf der Uhr, man kennt sich. Triumph ist weiterhin prägend, die Fahrer kommen in einem wilden Mix aus Textilkombi, Jethelm und Warnweste. Selten habe ich mich so wohlgefühlt auf einem Treffen. Der Club of Newchurch ist echt, die ­Besucher sind in bester Weise uncool. Ich komme wieder.

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Stand:24 June 2018 20:42:44/szene/born+to+be+mild+-+club+of+newchurch_178.html