Auerberg Klassik – Rolling Museum

13.12.2019  |  Text: Guido Kupper  |   Bilder: Thomas Kryschan, Guido Kupper
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All die Motorräder stammen aus Zeiten, als man sich um Abgase noch keinen Kopf machte. Dementsprechend lang war die ein oder andere Fahne, die die Starter ­hinter sich her zogen

Ich musste mich also nach einem Startmotorrad umschauen. Zu Hilfe kam mir Ingo Fabek, der in seinem Oldtimer-Fachbetrieb Classic Concepts in Willich seit 1994 klassische Fahrzeuge restauriert und sich vor allem auf die Herstellung von Aluminiumkarosserien spezialisiert hat. Auch allerhand Motorräder hat er rumstehen und bot mir seine zum Cafe Racer ­modifizierte BMW R 60/7 an. Im Grunde ist die R 60/7 ein ödes Behördenkrad, das fast ausschließlich im Polizeibetrieb lief – angesichts der Fahrleistungen damals sicher ein Fest für Ganoven … Emotional aber ist Ingos Kiste umso bedeutungsschwerer, war sie doch das Motorrad, mit dem sich sein Vater anno dunnemals seinen Traum vom Motorradfahren erfüllt hatte. Auf ihr hatte Ingo die Welt zum ersten Mal als Sozius betrachtet – eine nicht ­folgenlose Episode.



Die Veranstaltung am Auerberg ist kein Rennen, sonst hätte die enga­gierte Crew rund um den gebürtigen Bernbeurer Hermann Köpf von den ­Behörden niemals das Go für ein Revival bekommen. Bis 1987 war sie 21 Mal in Folge als echtes Rennen ausgetragen worden. Heute ist sie eine Gleichmäßigkeitsfahrt, bei der es drauf ankommt, die Wertungsrunden in möglichst eng beieinander liegenden Zeiten zu fahren. In diesem Jahr ­verzichtete man sogar aufs Veröffentlichen der Zeiten, um jegliche Rennambitionen von Anfang an im Keim zu ersticken. 

Fahrerisch anspruchsvoll wird der Auer­berg vor ­allem im oberen Teil, wo vor der Ziellinie zwei 180-Grad-Kehren auf die ­Fahrer warten – hier zu sehen bei der ge­meinsamen Abfahrt

Mit fremder Maschine und ohne Streckenkenntnis waren meine eher gering, es ging ums Aufsaugen der Stimmung, ums Genießen der ­Atmosphäre und ums Erleben fast ­eines ganzen Jahrhunderts Motor­radhistorie in Aktion. 

Wie attraktiv das sein kann, bewies das aus sieben Nationen bestehende Fahrerfeld, sogar aus Japan und den USA waren Starter angereist. Nicht nur bei den mehr als 10 000 Besuchern ­waren sämtliche Alterklassen vertreten: Der älteste Fahrer war 84, manch anderer hätte sein Urenkel sein können. Auch 13 Frauen waren als Selbstfahrerinnen am Start.

Ein Spektakel auch für die mehr als 10 000 Zuschauer

Weil der Auerberg eine Sackgasse ist, hatten wir alle während der Warte­zeiten auf Auf- und Abfahrten mehr als genug Zeit, Kontakte zu knüpfen, zu fachsimpeln und die Maschinen der „Konkurrenz“ ausgiebig zu bestaunen. Und auch als Zuschauer kann man kaum näher dran sein. Stay tuned für 2021!

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Stand:08 July 2020 07:15:06/szene/auerberg+klassik+-+rolling+museum_191202.html?page=1