Eigentlich sind sie zum Laufen gemacht, wir aber brauchen sie vornehmlich zum Fahren. Worker Boots können beides, sind ausreichend robust und liegen - weil obendrein cool – heftig im Trend.
Eigentlich sind sie zum Laufen gemacht, wir aber brauchen sie vornehmlich zum Fahren. Worker Boots können beides, sind ausreichend robust und liegen - weil obendrein cool – heftig im Trend. Für jeden Geldbeutel und für jede Anforderung ist was dabei. Selbst CE-geprüft und mit Klimamembran ist machbar, aber auch oldschool ohne alles wie in den 1920ern. Acht Paaren haben wir auf die Sohle gefühlt

Sie sind nicht nur der Frau von Welt liebstes Kleidungsstück, nein, auch der Autor dieser Zeilen hat einen ausgeprägten Tick für Schuhe. Zwar zieren nur magere zwei Paar ausgelatschter Sneaker das ­private Regal, doch mein Abteil in der Kleider­kammer der Redaktion quillt fast über vor allerlei Tretern für noch mehr Einsatzmöglichkeiten. Der Grund ist einfach: Ich bin auf dem Motorrad von guten Fahrwerken zu begeistern, da darf das eigene nicht unter falschem Schuhwerk leiden. Und nach dem ein oder anderen Unfall und bleibenden orthopädischen Schäden sind gute Schuhe für mich ein Muss am Fuß.



Acht Paare zwischen 150 und ­280 Euro haben wir verglichen. Interessant und wichtig bei den Ergebnissen: Nicht ­alle Hersteller lassen ihre Schuhe nach CE normieren. In diesem Fall dürfen sie nach ­EU-Verordnung nicht als Motorradschutzkleidung, sondern nur als Freizeitkleidung angeboten werden. Noch ist dieser Punkt in Deutschland nicht gerichtsentscheidend, aber die Marschroute in Richtung einer kommenden Verpflichtung ist damit im Grunde schon abgesteckt.

Auch auffällig ist, dass sich die Furygan-­Treter für 180 Euro und die Schuhe von Spirit ­Motors für 150 Euro äußerlich bis aufs Haar gleichen, sich indes nur bei der Wahl der Protektoren, des Absatz­materials und des Innenfutters unterscheiden. ­Dabei greift ­Furygan als einziger Hersteller auf eine Sympatex-Membran zurück, wo die ­anderen – wenn überhaupt – deutlich günstigere Membranen als Nässeschutz verbauen. Als weitere Vergleichs­kriterien dienen Tragekomfort, Verarbeitung, ­Materialwahl sowie, als subjektiveres ­Kriterium, der Gesamteindruck des Schuhs.

Nicht überraschend: Es ist nicht der ­teuerste Schuh, der unsere Empfehlung bekommt, sondern einer, der preislich in der Mitte­lklasse liegt. In unseren Augen liefert er das rundeste Gesamt­paket ab. Welcher das ist? Das steht da unten.

Held Cattleman

Preis: 150 Euro
Bezugsadresse: held.de

Der Cattleman von Held spricht durch gefällige Optik und robuste Haptik an. Er wirkt trotz einfachen Aufbaus hochwertig und langlebig verarbeitet. In ­Sachen Ausstattung vermisst man eine Klimamembran und ­kürzere Schnürsenkel: Die sind ellenlang und stören nach der Schnürung enorm.
Am Fuß gefällt der Cattleman durch festen, aber komfor­tablen Sitz. Das Innenfutter ist gemütlich aufgebaut und ­angenehm gepolstert. Der Laufkomfort ist sehr knochig,
da die Laufsohle zu hart ist.

Technische Daten
Außenmaterial: Rindsleder, Futter: Polyester, Machart: geklebt, Membran: nein, Größen: 37–47, ­Herstellungsland: Pakistan, CE-Norm: ja

Fazit: Der günstigste Stiefel im Vergleich liefert ein rundes Paket ab. Das Tragegefühl am Fuß ist gut, die Passform gut getroffen, auch wenn der Schuh groß ausfällt. Durch den seitlichen Reißverschluss fallen An- und Ausziehen leicht, auch wenn die langen Schnürsenkel nerven. Man wünscht sich den Held Cattleman mit einer Klimamembran

Plus/Minus
+ Hoher Tragekomfort
+ Ein- und Ausstieg einfach
–  Überlange Schnürsenkel nerven
– knochig


Stylmartin Ace

Preis: 250 Euro
Bezugsadresse: grandcanyonbike.eu

Stylmartin schickt mit dem Ace einen fast schon zu ­guten Schuh in diesen Vergleich. Er kann einfach alles: bietet hohen Trage- und Laufkomfort, wirkt stabil und ist robust gebaut, selbst für Nässeschutz ist mit hydrophobiertem Leder gesorgt. Warum die Italiener diese Stiefel nicht CE-prüfen lassen, bleibt ihr Geheimnis. Tatsächlich bietet der Ace ein sehr rundes Paket, ist ­pfiffig gemacht und weiß mit schönen Details zu überzeugen. Hervorstechend ist sein Tragekomfort. Ohne CE-Label ist er nach EU-Lesart aber eigentlich ein Freizeitstiefel – und wäre damit dann recht teuer.

Technische Daten
Außenmaterial: hydrophobiertes Rindsleder, Futter: aufgepolstertes Leder, Machart: geklebt, Membran: nein,
Größen: 39–47, Herstellungsland: Slowakei, CE-Norm: nein

Fazit: Hätte er die CE-Norm, wäre der Ace eine absolute Kaufempfehlung: tolle Verarbeitung, toller Schnitt, wasserdicht, Protektoren. Manchmal aber hilft der gesunde Menschenverstand bei der Beurteilung besser weiter als Normen. Dennoch, Stylmartin: Prüfen lassen!

Plus/Minus
+ Hoher Tragekomfort
+ Schön verarbeitet
– Keine CE-Norm
– Preis/Leistung nur ausreichend


TCX X-Blend WP

Preis: 180 Euro
Bezugsadresse: louis.de

Eine weitere der vielen Hausmarken von Filial-König Louis. Beim TCX kein ­Nachteil, denn der Stiefel bietet viel Ausstattung und hohen Nutzwert. Seine ­Klimamembran hebt ihn im Segment unter 200 Euro deutlich hervor.
Die bis zur Schaftkante durchgehende Schnürung unterstreicht den festen Sitz des TCX am Fuß. Im Bereich des Vorderfußes wird der Schnitt aber leicht schmal und engt die Zehen merklich ein. Das Innenfutter ist sehr gemütlich und schafft ein behagliches Gefühl am Fuß. Der Laufkomfort leidet an der harten Lauf­sohle und der sehr dünnen Innensohle.

Technische Daten
Außenmaterial: vollnarbiges Rindsleder, Futter: Polyester, Machart: geklebt, Membran: TCX-Klimamembran, ­Herstellungsland: Rumänien, Größen: 39–46, CE-Norm: ja

Fazit: Mit dem X-Blend von TCX stellen die Hamburger Filialisten einen guten Stiefel auf die Sohle. Der Tragekomfort passt, der Laufkomfort dagegen weniger. Pluspunkte liefert die verbaute Membran

Plus/Minus
+ Klimamembran
– Laufkomfort leidet unter der harten Sohle
–  Innensohle zu dünn und ungemütlich


Spirit Motors Urban Lederschuh 2.0

Preis: 150 Euro
Bezugsadresse: polo-motorrad.de

Da hat der Einkäufer bei Polo nicht aufgepasst – oder vielleicht doch? Der neue Urban 2.0 gleicht dem deutlich älteren Furygan (Seite 106) aufs Haar. Das muss kein Fehler sein, denn das Ergebnis ist ein schöner Schuh mit schicken Details. Leider aber ist der Tragekomfort in allen Belangen ungemütlich. Am Fuß zeigt der Urban sich sehr steif und knöchern, trotz gemütlich wirkendem Innenfutter entwickelt sich ­keine echte Liebesbeziehung zwischen Fuß und Schuh. Dazu kommt der knüppelharte Aufbau, der einen jeden Meter zu Fuß bereuen lässt.

Technischer Daten
Außenmaterial: Rindsleder, Futter: Polyurethan-Leder-Mix, Machart: geklebt mit Ziernaht, Membran: nein, Größen: 40–47, Herstellungsland: China, CE-Norm: ja

Fazit: Leider hält der Urban 2.0 am Fuße nicht, was er dem Auge verspricht. Der Schuh ist hart und ungemütlich,
zum Laufen ist er definitiv nicht gemacht. Für ihn sprechen die CE-Normierung und die hochwertige Aufmachung

Plus/Minus
+ Tolles Äußeres
+ Schönes Leder innen und außen
– Tragekomfort nicht gegeben
– läuft sich schlecht


Rev’It Yukon
Preis:190 Euro
Bezugsadresse: revitsport.com

Einer dieser tollen Schuhmomente: reinschlüpfen und wohlfühlen. Das weiche Velourleder des Yukon und sein großzügig gepolstertes Innenfutter schaffen unterhalb des Knies eine einzige Wohlfühlzone. Interessant ist die absatzlose Bauform, die an einen Mokassin erinnert. Die prominenten Nähte am Oberschuh unterstreichen das. Am Fuß trägt sich der Yukon leicht und fest, auch beim ­Laufkomfort kann der Schuh punkten. Leider schwächelt der Schuh leicht beim Finish: Hier und da wurde offenbar ­etwas Kleber gespart.

Technische Daten
Außenmaterial: hydrophobiertes Veloursleder, Futter: Polyester, Machart: geklebt mit Ziernaht, Membran: nein, Größen: 36–46, Herstellungsland: Portugal, CE-Norm: ja

Fazit: Der außergewöhnlich designte Yukon schmeichelt Auge, Hand und Fuß durch seinen leichten, gemütlichen Aufbau. Etwas Regenschutz bringt sein hydrophobiertes Leder. Hoher Laufkomfort durch die durchgehenden ­Gummisohle. Mit 190 Euro etwas teuer angesichts der Ausstattung

Plus/Minus
+ Höchster Tragekomfort im Vergleich
+ Optik taugt auch fürs Büro
– Schwächen im Finish
– Preis/Leistung nur ausreichend


Alpinestars Rayburn

Preis:170 Euro
Bezugsadresse: alpinesstars.com

Ein handwerklich wirklich sehr schön gemachter Schuh, der bei genauerem Betrachten durch seine ­Machart überzeugt. Aus nur wenigen, dafür ­großen und schwach vernarbten Lederteilen genäht, hebt er sich von den Lederpuzzlen der anderen Anbieter deutlich ab. Leider nimmt man den Rayburn am Fuß aber deutlich wahr, da er recht schwer ist und nicht gut ausbalanciert. Zudem deutet sein niedriger Schaft eher auf Halbschuh denn auf Stiefel hin. Für die legere Fahrt zum Büro sollte der Alpine­stars aber mehr als taugen und auch bei der After-Work-Party macht er eine gute Figur.

Technische Daten
Außenmaterial: Rindsleder, Futter: Polyester, Machart: geklebt, Membran: nein, Größen: 38–48, Herstellungsland: Kroatien, CE-Norm: ja

Fazit: Der Citystyler im Vergleich: optisch ein toller ­italienischer Schnitt mit sehr hochwertigem Leder. Schuhe können die Kollegen vom Stiefel halt, auch wenn bei unserem Test die Lederschlaufe dem deutschen Bizeps nichts entgegenzusetzen vermochte

Plus/Minus
+ Tolles Leder
+ Toller Schnitt
– Wenig motorradtauglich
– Viele kleine Schwächen im Finish


Furygan Caprino Sympatex                      ROADSTER KAUFTIP

Preis: 180 Euro
Bezugsadresse: furygan.de

Klare Kaufempfehlung für den Furygan. Die Summe der Pluspunkte ist einfach am höchsten, da der
Caprino sich keine wirkliche Schwäche leistet. Kein anderer Stiefel im Vergleich bietet die hochwertige ­Membran von Sympatex, ist zusätzlich CE-normiert und hat eine Optik wie gemacht von einem britischen Hoflie­feranten. Rundum ein toller Schuh. Auch die Wertung Tragekomfort gewinnt der Caprino, da er das gemütlichste Innenfutter bietet. Am Fuß punktet der ­Furygan mit einem guten Sitz und einem guten Laufkomfort, was auch dem Absatz aus Leder geschuldet ist.

Technische Daten
Außenmaterial: Rindsleder, Futter: Polyester, Machart: geklebt mit Ziernaht, Membran: Sympatex, Größen: 37–47, Herstellungsland: k. A, CE-Norm: ja

Fazit: Toll gemachter Schuh aus hochwertigem Leder und mit toller Ausstattung ohne wirkliche Schwächen. Einzig die leichten Kleberückstände an der Ziernaht der Sohle fallen unschön auf

Plus/Minus
+ Hochwertige Sympatex-Membran
+ Hochwertiger D3O-Protektor
– Ziernaht mit Kleberückständen


Chippewa 6“ Black Odessa Homestead

Preis: 280 Euro
Bezugsadresse: chippewaboots.com

Rahmengenäht, Goodyear-Art, Vibram-Sohle, Schuhmacher-Dynastie seit 1901. All das strömt dem Chippewa-Schuh aus jeder Pore seines herrlichen Leders. Dass er durch die fehlende CE-Norm und mangelnden Wetterschutz zum Motorradfahren im Grunde nicht taugt, ist da fast egal. Auch am Fuß beweist der Black Odessa, dass er aus einer Firma stammt, die den ­Worker Boot quasi erfunden hat. Auch ohne ­Innenfutter bietet er einen äußerst gemütlichen Sitz und einen hohen Laufkomfort. Ein Schuh fürs Leben, ­entsprechend teuer.

Technische Daten
Außenmaterial: Rindsleder, Futter: ohne, ­Machart: rahmengenäht, Membran: nein, Größen: 40–47, Herstellungsland: USA, CE-Norm: nein

Fazit: Wenn Geld keine Rolle spielt, dafür Stil und Qualität aber umso mehr, dann ist der Chippewa genau das Richtige. Motorradschuh-Features wie CE-Norm oder Wetterschutz fehlen zwar, aber das kann er durch seine Alltagstauglichkeit und Anmutung ein Stück weit wettmachen

Plus/Minus
+ Top Verarbeitung
+ Top Materialien
– Keine CE-Norm


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Stand:20 September 2018 02:41:46/outfits/worker+boots+test+laufen+kann+auch+schoen+sein_18130.html