Custombike XV 950 by Kingston Custom – The Face

15.06.2016  |  Text: Jens Kratschmar  |   Bilder: Volker Rost, Werk
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Custombike XV 950 by Kingston Custom – The Face
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Schon wieder so ein Yard-Built? Ich kann’s nicht mehr sehen. Hoppla, das ist ja eine schicke Yamaha XV 950. Von Kingston Custom? Ach, der Oehlerking hat das Ding gebaut. Muss ich haben
Waren die Ergebnisse des Yard Builts bisher oft krass-­geile Kunstobjekte ohne jede Chance auf eine Straßenzulassung, schiebt Yamaha heuer die etwas günstigeren neuen Mopeds in die Gara­gen der Customizer. Das liegt ­natürlich viel besser im Haushaltsplan der Koi-karpfenden-Bauspar-Hipster und soll wohl endlich mal Stückzahlen bringen. Bei der ­ollen XJR hat sich die Yard-Built-Offensive in Sachen Verkaufs­zahlen nämlich kein bisschen rentiert.

Natürlich ist es für den Customizer von Welt Wunsch und Ritterschlag zugleich, wenn Yamaha anklopft, sein Können für einen Yard Built anfragt und ihm das Moped seiner Wahl kostenfrei hinstellt. Ganz wichtig dabei: „Never touch the frame!“ Da hat sich in jüngster Vergangenheit manch Schrauber nicht dran gehalten, motiviert geflext, was die Trennscheibe hergab, und das Ergebnis trotzdem offiziell zeigen dürfen – zum Missfallen der Teilnehmer, die sich strikt an die Vorgaben hielten.



Doch Dirk Oehlerking ist Deutscher – niedersächsischer Exil-Nordrhein-Westfale, um genau zu sein – und hält sich an Anweisungen. Die Flex bleibt im Schrank und die XV 950 Racer wird tatsächlich eine reine Bolt-On-Nummer. Ausnahmsweise, denn das Schrauberherz in Dirks Brust schlägt für radikale Umbauten mit schlanken, ­extrem ­reduzierten Linien, zugleich aber fulminantem Auf­treten. Das war bisher das Kerngeschäft des ehemaligen Deutschen ­Meisters im Motocross. Doch wie kam nun die Nummer mit Yamaha zustande?

Im Herbst 2014, die Intermot steht vor der Tür, tritt Yamaha an Dirk heran mit der Bitte, sich doch in Köln zu treffen. Yamaha ist in diesem Falle Shun Miyazawa, der Brand-Manager Europe und Initiator wie Gesicht des Yard-Built-Projekts. Er hat Dirks bisherige Arbeit aufmerksam verfolgt und will ihn für Yamaha gewinnen. Der zögert nicht lange, sagt zu und sucht sich die XV 950 als Basis für seinen Beitrag zum Projekt aus. Die freie Wahl des Mopeds ist eine der
Lohn der ganzen Mühe für Kingston Custom ist am Ende das Moped selbst.



Doch auch hier ist ein kleiner Haken dran: Das Bike geht ein Jahr auf Tour, besucht die ganzen Messen, Bike-Shows, Glemseck 101, Wheels & Waves und wie sie alle heißen. Erst danach darf der Erbauer sein Werk wieder nach Hause holen und damit machen, was er will. Im Laufe dieses Jahres hat Dirk andererseits ohnehin genug zu tun, denn Part of the Deal ist die Herstellung eines frei erhältlichen Umbaukits für das entsprechende Motorrad. Im Falle von „The Face“ ist das der Heckumbau, der seit kurzem bei kickstarter.de für 320 Euro angeboten wird.

Genau dieses strikte Regelwerk gefällt Dirk Oehlerking, denn es macht die Zusammenarbeit übersichtlich und lohnend. Kaum 14 Tage nach der Intermot steht die XV in Gelsenkirchen und es geht ans Werk. Erstmal wird alles abgeschraubt, was nicht zwingend ans Moped muss, und Dirk erkennt sofort das enorme Custompotenzial des kleinen Cruisers – auch für den Heimschrauber. In der Tat liegen Yamaha die Otto-Normal-Individualisten in der Kundschaft sehr am Herzen. Viel Luft und Raum für Umbauten zu bieten, ohne die Substanz anzugreifen, das steht weit oben im Lastenheft der Designer. Ein Fakt, auf den wir Journalisten bei den jüngsten Präsentationen der XSR-Reihe immer wieder stolz hingewiesen werden.



Doch dem Gelsenkirchener Profi fällt die ­Interpretation im ersten Moment schwer. Es gibt schon einige gute ­Umbauten, und er will ja seine eigene Linie, sein Design finden und einbringen. „Beim Betrachten des Bikes kam mir die Idee des Cafe Bob: ein Mix aus ­Cafe ­Racer und Bobber“, beschreibt Dirk den Stil von „The Face“. Wer genau hinhört, dem wird klar, wie gerne er die Flex ­geschwungen und dem Moped einen echten Kingston-­Custom-Stempel aufgedrückt hätte. Er ist eben mit Leib und Seele Customizer der harten Art und ein Mann mit großer Kraft, abstrakte Dinge schnell und einfach in Konkretes zu fassen.

Diese Fähigkeit lässt den Arbeits­titel des Mopeds auch sehr schnell zum finalen Namen werden: „The Face“. Das Entfernen des Luftfilterkastens wird zu einer kleinen Offenbarung, nicht nach Johannes mit Posaunen und Reitern, aber mit einem Drosselklappengehäuse mit der Anmutung eines Gesichts. Die Drosselklappen blicken Dirk wie Augen an, und mit einem speziell angefertigten Luftfilter und einer Plexiglasabeckung darüber bekommt das Gesicht auch einen Rahmen. „The Face“ ist aber noch lange nicht fertig: Die Gabel bekommt ein straffes ­Lifting, die Lenkstange fliegt gleich ganz weg und wird durch LSL-Stummel ersetzt, das klobige Kombi­instrument wandert links unter den Tank und eine ­kleine Lampe zwischen den Gabelholmen minimiert die Front aufs absolut Nötigste.



Am ultrakurzen Heck legt Dirk selbst Hand ans Laminat und schichtet der XV ­einen ganz kurzen Rock auf die Hüfte. Nur leichte Retuschen verpasst er dem Triebwerk. Die Zylinder­­kopfcover bekommen Löcher und das Ofenrohr der ­Serie wird gegen einen konischen Eigenbau-Topf getauscht. Das war’s. Knapp 100 Stunden später ist „The Face“ fertig – inklusive Lackarbeiten.

Sind wir doch mal ehrlich: Einen Customizer wie Dirk Oehlerking stellt ein Bolt-On-Umbau vor keine großen Probleme. Der Mann schraubt immerhin einen Porsche-924-Lader an eine R 100 mit Bing-Vergasern, bläst den Motor auf 125 PS auf und ballert damit beim Glemseck über die Piste – mit Erfolg.



Auch die anderen Umbauten aus der Königswerkstatt sprechen eine deutliche Sprache: Nettes Ding diese XV, aber es wäre mehr möglich gewesen, wäre da nicht diese Rahmenregel. Vielleicht legt sich die Yard-Built-Hysterie ja bald, denn etwas wirklich Neues zu zeigen, wird immer schwerer. Und unter uns: Zwanzig Yamaha-Umbauten die Woche aus aller Welt haben irgendwann auch einen leicht ermüdenden Effekt.
 

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Stand:21 November 2018 16:47:24/custom/gesicht+in+der+menge_165.html