Dauertester – Honda CB 1000 Neo Demon

18.12.2018  |  Text: Thomas Kryschan  |   Bilder: Tobias Kircher
Dauertester – Honda CB 1000 Neo Demon Dauertester – Honda CB 1000 Neo Demon Dauertester – Honda CB 1000 Neo Demon Dauertester – Honda CB 1000 Neo Demon Dauertester – Honda CB 1000 Neo Demon Dauertester – Honda CB 1000 Neo Demon Dauertester – Honda CB 1000 Neo Demon

In der unteren Schicht der Dekorfolie auf Windschild, Kühlerverkleidungen und Seitendeckeln liegen Comiczeichnungen versteckt. Sie werden allerdings nur dann sichtbar, wenn die Folie ­direkt aus dem Blickwinkel ­angestrahlt wird

Und siehe da: Die Entfernung ist nicht nur ein ernstzunehmender Schritt der Gewichtsreduktion, er entpuppt sich auch als designerische Wohltat für das ganze Motorrad. Jetzt erst kann das Heck richtig wirken, schwebt frei und stolz in der Luft. Auch der Blick aufs schöne Rad ist frei, ein Gesamtkunstwerk aus der Gussfelge mit extrem filigranen Speichen und dem attraktiven Reifenprofil, das sich Jens für die Honda ausgesucht hat. 

„Von Anfang an kam für mich bei den Pneus nur Slick oder Rain in Frage, und als ich den Pirelli-Regenreifen aus dem Rennsport in Händen hielt, wurde mir plötzlich klar, dass er mit seinen opulent gezogenen Profilrillen stilbildend sein wird für den ganzen weiteren Umbau.“ Das Thema Rennsport treibt Jens auch bei der Lenkerwahl um. Was Tiefes muss es werden, schließlich baut er einen Sprintrenner. Da muss möglichst viel Gewicht möglichst weit nach vorn. Stummel scheiden aus, denn die Riser sind mit der ­oberen Gabelbrücke vergossen. Eine Dragbar vielleicht? Zu brachial für die gestrippte Honda. Außerdem hat das Serienrohr an der Klemmung 28,3 statt 22 Millimeter Durchmesser. 

Ohne Fender und Kennzeichenträger hat man freien Blick auf das Regenprofil der Pirelli-Diablo-Renn­reifen. Sie waren Impulsgeber fürs Design der Folierung

In den folgenden Tagen ist der gute Mann kaum zu genießen. Keine Ideen, die Uhr tickt und tickt und die Redaktionsarbeit nimmt ihm auch keiner ab. Ein Zeichen, so gib mir doch ein Zeichen! Beim rastlosen Umherstreifen durch die Verlagswerkstatt kommt er an einem Haufen Teile vorbei, die für den Umbau einer Harley gedacht sind. Oben aus der Kiste heraus ragt das charakteristisch geschwungene Ende eines M-Lenkers, der serienmäßig in Erik Buells CR 1125 ­steckte. Ungewöhnlich dick sieht er aus. Das ­Zeichen? Die Schieblehre wird schließlich zum Erlöser: passt. „Man darf ja auch mal Glück haben, der Dirk wäre stolz auf mich.“

Ein Problem gibt’s aber doch: Die Lenkrohre hängen so stark, dass Luft ins Bremssystem eindringt. Mit einer Ersatzpumpe von ABM samt Ausgleichsbehälter kann Jens dieses Problem lösen. Den Frontfender streicht er ersatzlos. Es kann sehr befreiend sein, wenn man sich den Zwängen der StVZO einfach mal folgenlos entwinden darf. 

Wie füreinander gemacht: Perfekt rahmt der M-Lenker aus einer Buell 1125 CR Cockpit und Windschild ein. Dass die Klemmung zufällig passte, war das Glück der Tapferen

Ein Rätsel erwartet Jens bei den Blinkern. Honda hat die vorderen mit Positionslichtern ausgestattet, die über das Relais mitgesteuert werden. Die Schaltung muss also zuerst das Licht rausdimmen, bevor sie den Blinker aktivieren kann. „Kein normaler Blinker hat diese Zusatzfunktion, auch meine Wunschteile von Heinz Bikes nicht“, beschreibt Jens die Problematik. „Also habe ich die Leitung des Positionslichts blind gelegt und mich dann gewundert, dass gar nichts mehr blinkt. Um die Elektrik zu überlisten, muss man die überflüssige Leitung nämlich per Widerstand belasten – dann geht alles.“ 

Auf der Suche nach einer Schalldämpferlösung findet sich Jens samt Honda beim Spezialisten Hattech im schwäbischen Ringingen ein. Man beschließt, den Vorschalldämpfer zu erhalten, eine eventuelle Zulassung der Anlage wäre dann kein Problem. Um den Blick auf den Regenreifen nicht durch ein Stahlrohr zu verstellen, suchen Hatt und Jens nach einer hochgelegten Lösung. Als der Meister den eigentlich für eine BMW R 80 G/S gedachten Endtopf ans Heck hält, sind die beiden auf Anhieb verknallt.



So langsam nimmt die Silhouette ­Gestalt an, doch was ist eigentlich mit der Farbe? Folieren wollten wir schon immer mal im großen Stil ausprobieren und holen die Spezialisten von Lucas Design ins Boot. Und die knallen uns ein Design vor den Latz, das sprachlos macht. Sie überziehen die Honda mit einer neuartigen, reflektierenden Folie, in deren Gestaltung sie das Profilbild der Diablo-Regenreifen aufgreifen. Der Clou: In der unteren Dekorschicht sind Comiczeichnungen von Motorradteilen versteckt, die nur bei Beleuchtung sichtbar werden. Fotografisch ist das nur annähernd rüberzubringen, auch wenn sich unser Tobse redlich Mühe gegeben hat.

Wie schön das Serienheck der Honda tatsächlich ist, offenbart sich erst, als wir es vom StVZO-Ballast befreit haben

Was jetzt noch fehlt, sind farbliche i-­Tupfer. Görtz Pulverbeschichtung überzieht das Auspuffgeröhr mit knallig weißer ­Keramik. Bei den Bremsschläuchen traut sich Jens was und ersetzt das originale Gummigewirr durch leuchtend gelb ummantelte Stahlflexleitungen. Fertig ist der Lack. 

Zum Start am Glemseck kommt es nicht. Die Startplätze sind alle schon lange weg. Jens ist nicht unglücklich darüber. Immerhin zeigt Honda den ROADSTER-Umbau vor Ort, genauso wie auf der Intermot. Bis ins Frühjahr wird er noch über diverse Messen tingeln. Vielleicht sieht man sich ja. Schreibt uns gerne, was ihr von unserer Neo Demon haltet.

  Teilen
Topseller im Shop
Stand:18 August 2019 10:55:38/custom/dauertester+-+honda+cb+1000+neo+demon_181204.html?page=1