Dauertester – Ducati Monster 797, Honda CB 1000 Neo Demon

24.09.2018  |  Text: René Correra, Jens Kratschmar  |   Bilder: Tobias Kircher, Jens Kratschmar
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Dauertester – Ducati Monster 797, Honda CB 1000 Neo Demon
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Unser Leben mit Motorrädern – Bei der ersten ­Begegnung kann die Verliebtheit ­zuschlagen wie ein Blitz, wahre Liebe aber kommt mit der Zeit. Was wir mit unseren Motorrädern erleben, die uns eine ganze Saison lang begleiten
Ducati Monster 797 – Attraktivität für die Ohren
Nach Akrapovic und Zard muss dieses Mal die Komplettanlage von Remus zeigen, was sie dem milden Zweiventil-Desmodue ­an Timbre zu verleihen in der Lage ist


Lüstern gewundenes Gitterrohr, ­sexy Kühlrippen, zeitlos geschwungene ­Linien und dann dieses Rot. Dieses Rot, das nur auf einer Ducati so dermaßen knallt. Okay, vielleicht noch auf den Lippen einer ­Bombe in Blond. Doch die Monster 797 belässt es nicht bei Schauwerten. Der Bologneser Einstiegs-Swing ist durchaus kurzweilig. Brutal zu­packende wie feinnervige Brembos und ein satt ­gedämpftes Fahrwerk, das sowohl wildes Getänzel als auch souveränes ­Fräsen erlaubt: Gemessen an marktüblichen, japanischen Einstiegsdrogen ist das hier ein Chassis der Spitzenklasse. Das mit dem ­charaktervollen, aber überschaubaren ­Temperament des dienstalten 800er-Twins unterfordert wirkt.

Ja, auch hier ein Vorschalldämpfer, dafür garantiert keinen Stress mit dem Gesetz. Knackig geformter, konischer Dämpfer mit Carbonendkappe und schwarzer ­Beschichtung. Edel gemacht. Sollte trotz kleiner Fummeligkeiten in spätestens einer Stunde montiert sein

Friede, Freude, Monsterkuchen? Nun, da gibt es noch zwei weitere Dauerparker in der Redaktionsgarage, und die machen dem Nachwuchsmonster das Leben schwer: BMW S 1000 R und Triumph Speed Triple RS. Machen wir es kurz: Die können alles besser. Deutlich besser. Jeder mag das süße Mädel von nebenan. Aber wenn sie zwischen Heidi Klum und Scarlett Johansson steht ...

Wie also das süße Monster von nebenan für den ein oder anderen Ritt interessanter machen? Ganz einfach, Stimmtraining. Bei aller nackten Gewalt der Nebenbuhlerinnen: Wer auf tieffrequentes Beben steht, wird weder bei der kreischenden BMW noch bei der röhrenden Triumph fündig. Der gute alte L-Twin der Duc spielt hier groß auf und liefert bei Bedarf Potenzial für sehr ausgewachsene Akustikgewitter, wie vor allem der Zard Zuma schon eindrucksvoll bewiesen hat. 

Der schwarze Dämpfer fügt sich gut in die dunkle Umgebung ein. Schöner Sound, aber immer noch hörbar gedämpft. Nichts für akustische Exhibitionisten

Auch Remus hat jüngst einen Beitrag zur Causa Monster-Sound geleistet und uns ­seinen Hypercone in den Briefkasten geworfen. Ein mehr als ansehnlich geformtes Stückchen Enddämpfer inklusive Vorschalldämpfer. Material, Verarbeitung, Schweißnähte: hervor­ragend und nicht weit weg vom ebenfalls kürzlich getesteten Slip-On von Akrapovic. Was auch für den Preis gilt: Knapp 950 Euro muss man bei schwarzem Edelstahl­dämpfer ­überweisen, soll es Titan sein gar 1.030 Euro. Der Anbau ist selbsterklärend, aber nicht ganz problemlos. Man muss den Vorschalldämpfer schon ganz schön rumbugsieren, bis er in Reichweite der fixierenden Schraube kommt. Ebenfalls knifflig: das Halteblech auf dem Dämpfer muss per Langloch justiert werden. Hat man es richtig positioniert, kommt man kaum noch an die fixierenden Inbusschrauben ran. Ein Geduldsspiel. Der Vorschalldämpfer lässt es erahnen: Der Sound ist leider nicht zard, ­sondern zart. Etwas lauter als die Serie, etwas knackiger, aber kein Vergleich zum Zard. Schön grummelig, aber dezent. Ebenfalls schön: Mit 3,9 Kilogramm 2,5 leichter als die Serie. Etwas unter der Serie liegt auch die Leistung, aber das ist man ja gewohnt in Euro-4-Zeiten. Wirklich spürbar ist das kaum. Gut gebrüllt, äh gerufen!


Messwerte
Auspuff Serie 
Leistung: 73 PS bei 8 300/min
Drehmoment: 65 Nm bei 5 800/min

Remus Hypercone
Leistung: 69 PS bei 8 400/min
Drehmoment: 64 Nm bei 5 600/min
 

Honda CB 1000 Neo Demon – Bitte einpacken!
Als Krönung des Umbaus der CB 1000 R haben wir die Honda drei Wochen bei Lucas Design geparkt. Das Ergebnis: Krass! Heftig! Das wird nicht jedem gefallen, aber wir lieben es


Das Folieren von Motorrädern und das Einstellen von Fahrwerken haben ­eine große Gemeinsamkeit: Die Vorspannung muss stimmen. Sorgt sie beim Motorrad für eine korrekte Fahrhöhe, ist sie beim Folieren unabdingbare Voraussetzung für das erfolgreiche Bekleben von Bauteilen mit Kanten oder sehr großen Oberflächen. 



„Vor dem Aufziehen der Folie dehnen wir sie vor einem starken Heizstrahler um gut fünfzig Prozent, spannen sie damit quasi vor. Beim Folieren nutzen wir ihre Eigenschaft aus, sich beim weiteren Erhitzen mit dem Heißluftfön wieder auf die Ursprungsgröße zusammenzuziehen”, erklärt Ronny Lucas von Lucas Design in Reilingen und nimmt gleich den Fön zur Hand. Gerade hat er ein großes Stück Folie vorm Heizstrahler ­gedehnt. „Der Folie macht das nichts, die könnte man auch um das Doppelte ­dehnen, die Oberfläche wäre immer noch intakt. Nur glänzt sie in gedehntem Zustand etwas mehr“, sagt er und spannt sie zur Demonstration über die Kappe ­eines Außenspiegels. Nur leicht drückt er sie in die Konturen und streicht dann mit dem Heißluftfön über die neuralgischen Stellen in Form der engen Ecken und vielen Kanten des Gehäuses. Wie von Geisterhand strafft sie sich daraufhin bis in die kleinen ­Kanten des Untergrunds hinein. „Krass, ne? So kriegt man die meisten fiesen Ecken ­sauber gelöst“, grinst Ronny in Richtung meiner ­erstaunt blickenden Augen.

Auf dem riesigen Digitaldrucker im staubfreien Nebenraum wird Ronnys Design auf die Folie gedruckt. Das geht aber erst seit einigen Jahre richtig gut. Vorher waren die Druckergebnisse sehr pixelig

Doch da: Sind da nicht noch einige Luftblasen genau in der Mitte der Fläche verblieben? Ärgerlich. Wer schon mal versucht hat, einen größeren Aufkleber flächig aufzukleben, wird ebenso flächig wie lauthals über die daumennagelgroßen Blasen geflucht haben, die so weit innen sitzen, dass man sie nach außen nicht mehr wegdrücken kann. Der Laie greift dann zur Nadel und stochert und drückt unbeholfen herum. Ronny dagegen zeigt gelassen auf die wabenartige Rückseite der Folie. „Über diese Luftkanäle hier kannst du die Luft ganz einfach ausstreichen.“ Mit leichtem Druck legt er den Finger auf die unschöne Erhebung, rollt ihn leicht ab und schon ist die Luft unter der Folie rückstandsfrei verschwunden. „Das geht noch so lange, bis sich der Kleber in den Waben richtig gesetzt und mit dem Lack verbunden hat, also schon noch ein paar Stunden lang“, erklärt Ronny die Möglichkeiten der Verarbeitung moderner Klebefolien, die erst dann kleben, wenn man sie festrakelt. „Vorher kann man die ­Folie noch nach Belieben lösen, korrigieren und wieder kleben. Das macht das Folieren wesentlich einfacher als früher.“

Los geht’s mit den Felgenbändern für die Honda. In Sachen Beschriftung ist alles möglich. Man könnte selbst das ­eigene Foto auf die Felgen bannen. Wem’s gefällt ...

Was er sich denn für die Honda ausgedacht habe, möchte ich von ihm wissen. ­Ronny springt auf: „Komm mit, die letzte Folie wird gerade gedruckt!“ Im Nebenraum steht ein riesiger Digitaldrucker und huscht gerade mit flinker Düse über die fast durchsichtige Folie auf dem Arbeitstisch. Schon hat Ronny ein bereits fertiges Stück in den nun baumwollbehandschuhten Fingern. „Du sagtest ja, es soll extrem werden, wild mit Elementen aus Comic-Style und Street Art“, sagt er und hält das Stück ins Licht. Sofort beginnen die unzähligen Linien in Blau und Rot zu leuchten, und unter ihnen treten die zuvor nur zart erkennbaren Schemen plötzlich ganz präsent zutage: Überall auf dem großen Bogen sind einzelne Motorenteile in verschiedenen Größen zu erkennen. Der Hammer! „In der Sonne kommt das ­richtig fett rüber“, blitzen Ronnys Augen über die Kante der Folie herüber.

Vorher müssen die Felgen natürlich ­ausgebaut werden, erst dann kann Ronny die Folie ins Felgenbett kleben. Das Material ist resistent gegen Bremsstaub, Benzin, Öl oder sonstigen Straßendreck. Auch der Hochdruck­reiniger macht ihm nichts aus

„Eigentlich habe ich eine Ausbildung als Werbekaufmann gemacht, war aber schon sehr früh für Design und Gestaltung abgestellt worden. Das lag mir. Nach einem Grafikdesignstudium habe mich selbstständig gemacht“, erzählt Ronny die Entstehungsgeschichte von Lucas Design: „In der Zeit so ab 1999 habe ich mit Folierungen angefangen, anfangs Motorräder nur nebenbei. Damals waren das geplottete Aufkleber, hauptsächlich für Kawasaki Höly in Schriesheim.” „Wieso Kawasaki?“, möchte ich wissen. „Weil ich schon immer Kawasaki gefahren bin. Gleich nach der Wende habe ich mir ­eine ZXR 750 gekauft, und als die nach drei ­Wochen kaputt war dann die Doppel-R. Ich war eigentlich noch zu jung dafür, aber der Ost-Lappen – übrigens für 80 Mark zu machen – wurde direkt einschränkungsfrei umgeschrieben. Ich konnte direkt offen fahren.“ 

Zum optimalen Sitz wird die vorgespannte Folie erneut erhitzt und zieht sich dadurch zusammen. Im besten Falle genau in die ­richtigen Ecken und Kanten. Beim Folieren der Felgen entscheidet die ­Zugrichtung über Ge- oder Misslingen

Wir sitzen wieder im Büro, hinter Ronny hängen Bilder der MotoGP-Kawa von 2007. Mit einem Dekor von Lucas Design. „Irgendwann war ich mit Höly bei einem Rennen, bei dem einige Bikes mit meinem Design gestartet sind. Ich bin dann einfach zu Kawasaki hin und hab gesagt: „Hier, das mache ich und ich würde gerne für euch arbeiten. Daraus ist dann das MotoGP-Projekt entstanden. Das war 2007, schon ab 2004 hatte ich nur noch Folierungen gemacht.“

Und die wahnsinnigen Effekte auf unserer Honda? Woher kommen die? Von Reflexfolie hat man ja schon gehört, aber dass die Formen und Farben auch leuchten? „Diese ­Folie ist ganz neu und erst seit diesem Jahr auf dem Markt. Das Besondere an ihr ist, dass man sie digital bedrucken kann und auch der Druck reflektiert. Da kann man verdammt viel mit machen. In den USA ist das schon sehr verbreitet, in Deutschland haben viele Angst wegen der Zulassung – Eingriff in den Straßenverkehr und so.“ 

Über diese Wabenstruktur und die dazwischenliegenden Kanäle kann nach der Beklebung die überschüssige Luft herausgedrückt werden, ohne die Folie beschädigen oder anheben zu müssen

Mittlerweile ist die Folie für den Tank bereit zur Verarbeitung und dieser für die Folierung in Position gebracht. Schon beim ersten Auflegen fällt auf, dass ihre Farben und Formen perfekt zu denen des Tanks passen. „Ich brauche ein Motorrad mindestens einmal hier vor Ort, um Formen und Kanten der Bauteile abzunehmen. Dann kann ich mir eine Schablone bauen. Für euer Dekor habe ich eine durchsichtige Folie auf das Motorrad geklebt und es dann grob aufgezeichnet. Die Folie habe ich dann eingescannt und jetzt kann ich recht einfach komplette Folierungen für die CB 1000 R herstellen.

Die von Lucas Design verwendete Folie lässt sich ohne Mühe und mit ein bisschen Wärme auf gut die doppelte Größe ziehen. Das ist das sogenannte Vorspannen. Nach dem Beziehen des Bauteils wird die Folie wieder erhitzt …

Trotz der sich geradezu aufdrängenden ungeahnten Möglichkeiten werden Motor­räder recht selten komplett foliert. Ein ganzes Moped einzupacken, ist ein sehr aufwendiger Vorgang und entsprechend teuer. „Der Preis wird hauptsächlich von der verwendeten Folie und den Effekten bestimmt. Die für die Honda verwendete Folie kostet ungefähr dreimal so viel wie eine mit Metallic-Effekt. Außerdem ist sie auch etwas schwerer zu verarbeiten.“ Rund 2.000 Euro würde eine Komplett­folierung wie die an der CB kosten, natürlich inklusive des Dekors, das Ronny selbst entwirft. Auch der Druck und das Bekleben wird im Hause Lucas Design selbst vorgenommen. Das hat enorme Vorteile für den Kunden – in diesem Falle uns. „Bei uns bekommt man alles aus einer Hand. Ich mache das ­Design, drucke die Folien und beklebe das Motorrad. Alles hier im Haus. Und dank ­unseres großen Folienlagers können wir auch einzelne Teile einfach herstellen oder nachproduzieren. Auch Kombinationen aus Lackierung und Folie bieten wir an“, macht Ronny Werbung in eigener Sache, während er den Honda-Tank mit der enorm vorgespannten Folie bezieht. 

2.000 Euro für eine Komplettfolierung mit der Superfolie klingen im Vergleich zu einer Neulackierung mit Airbrush ganz fair. ­Ohne das ausgeklügelte Design, das natürlich ­seine Zeit braucht, wären für ein Naked Bike wie die Honda nur rund 1.200 bis 1.500 ­Euro fällig. Da muss man sich nur entscheiden können. Argumente gefällig? „Bei einer Folierung hast du den Vorteil, dass sie sich ohne jegliche Rückstände wieder ablösen lässt. Der originale Lack bleibt völlig unberührt. Das ist beim Wiederverkauf schon ein Argument und bei der richtigen Pflege hält die Folie auch ewig.” 

… sie zieht sich dann zusammen und setzt sich ­perfekt in jede Ecke und jeden Winkel

Apropos Pflege. Wie soll die am ­besten aussehen? „Du kannst das Motorrad ganz normal waschen. Politur brauchst du nicht, die macht die Folie nicht glänzender, ­außerdem ist auf den Druck ein Schutz­laminat aufgeklebt. An das eigentliche Motiv kommt man da gar nicht ran. Das macht das Ganze sehr robust.“

Nach einem sehr langen Tag ist die Honda fertig – das Ergebnis mit der ausschließlich verwendeten Reflexfolie einfach überwäl­tigend. Doch Ronny gibt noch zu bedenken: „Noch sind wir nicht ganz fertig. Die nächste Woche ist sehr wichtig für die Folie. Erst nach einigen Tagen ist der ­Kleber voll­ständig ausgehärtet. Sie reagiert auch auf die ­Wärmeabstrahlung vom Motor. Da kommt es dann auf die Zugtechnik des Folierers an. Hat er hie und da zu viel ­gespannt, kann sich die Folie sehr weit ­zurückziehen.“

In Sachen „Lackierung“ ist das Projekt nun abgeschlossen. Gute zwölf Stunden hat Ronny für die komplette Beklebung gebraucht. Ich war ihm da keine Hilfe. Das Ergebnis ist der Knaller. Selbst bei schwachem Lichteinfall reflektiert die Folie und zeigt so immer neue Bilder und Formen

Also gar keine Chance, sowas auch selbst zu machen? Doch: Lucas Design ­bietet Felgenbänder für alle möglichen ­Motorräder an. Der Satz kostet 90 Euro, verkleben kann man sie selbst. Doch ein gutes Ergebnis zu erreichen, ist nicht so einfach, außerdem hängt es auch von der Art der Folie ab: „Bei der transparenten Folie ist es mit den Luftblasen noch ­knifflig, die haben keine Luftkanäle, die würde man sehen. Also für durchsichtige Folie auf jeden Fall besser zum Profi.” ­Machen wir.
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Stand:13 December 2018 03:43:36/custom/dauertester+-+ducati+monster+797+honda+cb+1000+neo+demon_18905.html