Custom Motorland Yamaha MT-07 – Wespenalarm

19.04.2019  |  Text: Guido Kupper  |   Bilder: Tobias Kircher
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Contis Grobstollen bringen zwar keine gesteigerte Präzision, dafür aber ein Rollgefühl so schwebend wie auf einem ­fliegenden Teppich

Dem Kölner Customizer Jens vom Brauck ging das auch so. Seinem Drang nach optischer Veränderung gab er trotzdem nach und passte seiner MT eine seiner typischen Lampenmasken an, kombinierte Sitz und Heck neu und zog Contis ganz grobes TKC-80-Gummi auf die zart bespeichten Felgen. Super 7 heißt das Ergebnis, die Parts zum Umbau gibt es im Onlineshop (kedo-jvb-moto.com). Und genau dort bediente sich jetzt auch Motorland Mannheim, seines Zeichens Yamaha-Händler, legte noch so manches Goodie obendrauf und hüllte das Ganze in ein wahrhaft blendendes Folienkleid mit durchschlagender Signalwirkung. Bei der Hafenbehörde jedenfalls, die im Mannheimer Hafen ungenehmigtes Fotografieren ahndet, hat das mit der Aufmerksamkeit sehr gut geklappt. Auch bei vielen Passanten und Autofahrern an Ampeln und Tanke, wo der Wespen-Style funkenschlagend auf drängenden Frühlingshunger traf. Schließlich strahlte die Februarsonne nach Kräften.

Die passende akustische Untermalung für den extrovertierten Auftritt der aufgedirndelten MT-07 liefert die Komplettanlage vom ­italienischen Auspuffbauer SC-Project

Und ich strahlte mit. Eine MT macht Laune. ­Eine MT mit einer breiteren, tieferen und weniger gekröpften Lenkstange macht noch mehr Laune. Und eine MT in diesem Look, die auf solchen Gummi­blöcken schwebt – was soll ich sagen? Wie auf Daunen rollt sich das, eine Art Schwebezustand. Okay, was der Lenker an sportlicher Sitzhaltung, Hebelwirkung und Frontbezug bringt, machen die Gummistoppel in Sachen Präzision wieder ein Stück weit zunichte. ­Funktionieren tut’s trotzdem gut und ist definitiv ein großer Spaß.

Wie die Maske stammt auch das Heck aus der Feder von Jens vom Brauck, zu beziehen sind die Teile über Kedo

Bei knapp 16 000 MT-07 in Deutschland tut Indivi­dualisierung not, Investitionssumme und Basispreis der Yamaha jedoch harmonieren hier nicht sonderlich. Auf den Grundpreis der MT von 6.995 inklusive Nebenkosten addieren sich nämlich noch mal rund 5.150 Euro. Erst mal ein Schock, zugegeben. Je nach Perspektive lässt sich der aber abpuffern. Als Schraubfähiger nämlich kann man ein gut Teil der rund 1.240 Euro Arbeitskosten sparen und kommt zunächst mal mit gut 1.150 Euro hin. Das nämlich kosten die versammelten JvB-Teile, alle mit ABE. Draufsatteln kann man dann nach Belieben. Die groben Contis kosten rund 330 Euro, auch die Verrohrung von SC-Project schlägt mit 890 Euro ordentlich zu Buche. Doch dann steht die MT immer noch im Serienlack vor euch. 940 Euro für die Folierung sind dann noch mal ein Brocken, den man erst mal runterwürgen muss. Doch Geld ist ja bekanntlich nicht alles und Sparen schließlich nur das Verschieben des Konsums in die Zukunft. Und das wäre in unserem Falle hier wirklich verdammt schade. Der Neid aller anderen MT-07-Fahrer jedenfalls ist euch damit gewiss.
 

Die Kosten
Yamaha MT-07: 
6.995 Euro inkl. Nk.

JvB-Teile
Faltenbälge Gabel: 
48 Euro
Kennzeichenhalter inkl. Rücklicht: 145 Euro
Einmannsitzbank: 365 Euro
GFK-Verkleidung Tank und Sitzbank: 130 Euro
Lampenverkleidung mit H4-Einsatz in Klarglas: 315 Euro
Kotflügel vorn: 149 Euro

Folierung: 93 Euro

Sonstige Teile
Continental TKC 80:
 183 Euro (hinten), 144 Euro (vorn)
Viper-Spiegel re/li: 140 Euro
LED-Blinker Shadow light: 65 Euro
Motogadget-Lenkerendenblinker m-Blaze re/li: 200 Euro
Auspuffanlage SC-Project: 890 Euro
Probrake Handhebelsatz Midi: 119 Euro
Getöntes Glas für Shinyo LED-Rücklicht: 19 Euro
ABM-Alulenker Streetbike: 59 Euro

Arbeitszeit: 1.244 Euro

Gesamt: 12.149 Euro
 



Yamaha MT-07 Serie

Motor
Ein quicklebendiges Kerlchen, das den Gasbefehlen seines Herrn außerordentlich aufmerksam und immer mit weicher Gasannahme folgt. Dank der 270 Grad Hubzapfen­versatz seiner Kurbelwelle swingt der Reihen- mit dem Soul eines V-Twins, agiert immer weich und elastisch. Schon deutlich unter 3000/min schwingt er sich auf ein breites Drehmomentplateau, das bis 9 000 Touren beste Unterhaltung garantiert. In der Praxis bewegt man sich zwischen 3 000 und 6 000 Touren, immer mit dem beruhigenden ­Gefühl gieriger Drehwilligkeit bis über 10 000/min im Gepäck. Durch das im Alltag mäßige Drehzahlniveau relativ sparsam, knapp über fünf Liter reichen bei keineswegs spaßverneinender Fahrweise. Pulsierender, bis rund 5 000/min vibrationsarmer Lauf, darüber zunehmend pulsierend gedämpfte Vibrationen, übertragen sich vor allem am Lenker. Gefühlter Hotspot bei rund 5 500/min, das entspricht rund 120 km/h im 6. Gang. Leichtgängige, sehr bedienerfreundlich dosierbare Seilzugkupplung. Mit geringem Kraftaufwand zu schaltendes, mechanisch präzises ­Getriebe. Einfache Leerlauffindung.

Fahrwerk
Sehr handliches und leichtes Fahrwerk mit spürbarer Massenkonzen­tration, ­neutral, zielgenau, gutmütig wendig und leicht, unabhängig von Einsatzort und Schräg­lagenwinkel. Üppiger Lenkeinschlag. Die für 2018 überarbeiteten Federelemente bringen jetzt deutlich mehr Stabilität in die Fahrt, vor allem das Heck ist straffer geworden. Hier gibt es mit einstellbarer Federvorspannung und Zugstufendämpfung endlich auch eine Justagemöglichkeit zur individuellen Anpassung des Setups. Auf Fahrbahn­absätzen allerdings spricht es zu hart an. Stabiler Geradeauslauf. Effiziente und transparent dosierbare Frontbremse, Reibpaarung nicht zu giftig gewählt. ABS. Bereifung im Test: ­Michelin Pilot Road 3.

Praxis
Bequem aufrechte, dabei aber gut inte­grierende Sitzposition. Die für 2018 neu geformte und nicht mehr so labberig gepolsterte Sitzbank bringt mit breiterem Tankcover nun ein intensiveres Kontaktgefühl zum Motorrad. Lenker ohne Dragbar-­Allüren angenehm zum Fahrer gekröpft. Soziusplatz ist mit hartem, knappem ­Polster und hohen Rasten ziemlich spartanisch und definitiv nicht langstreckentauglich. Ausstattung ohne jeglichen E-Schnickschnack, nur Bremshebel einstellbar. Trotz des günstigen Preises frei von Schmuddelecken und mit ansprechen­der Materialwahl und -verarbeitung. 10 000er-Wartungsintervalle, kein Hauptständer, Kettenantrieb pflegebedürftig. Ölkontrolle per Schauglas.

Emotionen
Ein Budgetkrad ohne Budgetspuren. Mehr Motorradspaß ist für so günstiges Geld nicht zu haben. Mit ihrer Problemlosigkeit, ihrer mittenbetonten Schwungabstimmung und ihrem herrlich im Schwerpunkt ­zentrierten Gewicht macht die MT-07 gleich auf den ersten Metern klar, worum es beim Motorradfahren geht. Und dann möchtest du sie nicht mehr hergeben.

Fazit
Attraktiv gestylt, ohne teuer zu sein, druckvoll, ohne übermächtig zu sein – und dann noch schön gemacht. Spätestens seit Überarbeitung der Federung für 2018 trägt diese Yamaha allenfalls in Sachen Preis das Budget-Label. Nicht nur für die Herstellerfirma selbst ist sie ein Glücksfall. Gerade unter jungen Zielgruppen mit gerade erwachender Zweiradbegierde kann die MT wie ein Aphrodisiakum wirken.

Plus
• Fliegengewicht
• Schwungvoll swingende Mitte
• Günstig, aber schön gemacht

Minus
• Heck spricht hart an
• Knapper Soziusplatz
• Motor geht hart ans Gas


Technische Daten
Preis:
6.795 Euro zzgl. Nk. (2018)
Leistung: 75 PS bei 9 000/min
Drehmoment: 68 Nm bei 6 500/min
Topspeed: 207 km/h
Motor: Viertakt-Zweizylinder-Reihen­motor, wassergekühlt, vier Ventile pro Zylinder, dohc, Hubraum 689 ccm, Bohrung x Hub 80 x 68,6 mm
Getriebe/Endantrieb: 6-Gang, Kette
Rahmen: Brückenrahmen aus Stahl
Federung vorn: Telegabel, Standrohr-Ø 41 mm, Federweg 130 mm, nicht einstellbar
Federung hinten: Stahlschwinge mit Monofederbein, Federweg 130 mm, Vorspannung und Zugstufe einstellbar
Fahrwerksgeometrie: Radstand 1400 mm, Lenkkopfwinkel 65,5°, Nachlauf 90 mm
Bremsen: 282-mm-Doppelscheibe vorn, 245-mm-Scheibe hinten, ABS
Bereifung: 120/70ZR17 und 180/55ZR17
Zulässiges Gesamtgewicht: 365 kg
Tankinhalt: 14 Liter
Inspektion: 10 000 km oder 1 x jährlich

Messwerte
Leistung:
76 PS bei 9 000/min
Drehmoment: 66 Nm bei 6 300/min

Durchzug im 5. Gang
60 bis 100 km/h: 3,6 s
100 bis 140 km/h: 4,8 s

Durchzug im 6. Gang
60 bis 100 km/h: 4,8 s
100 bis 140 km/h: 6,5 s

Benzinverbrauch: 5,4 l /100 km
Gewicht vollgetankt: 183 kg, davon 49,2 % vorn
Wendekreis: 392 cm
Sitzhöhe: 800 mm
 

Roadsters Dresscode:
Guido Kupper
Helm:
Caberg Freeride Formula
Handschuhe: Orina Shepard
Jacke: Germas Austin
Hose: Held Road Duke
Schuhe: Magellan & Mulloy -Adventure SE

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Stand:18 August 2019 11:19:58/custom/custom+motorland+yamaha+mt-07+-+wespenalarm_19403.html?page=1