Custom Louis-KTM 1290 Super Duke R – Ready to sprint

12.10.2019  |  Text: Carsten Heil  |   Bilder: Carsten Heil
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Wie dem auch sei: Tante ­Louises letztjähriges Sprintgerät hat sich des polarisierenden Outfits glücklicherweise komplett entledigt. Der Hamburger Motorradmulti stellt ja jedes Jahr ein heftiges Gerät auf die Räder, um damit an Achtelmeile-Sprints teilzunehmen. Dazu wurde die KTM zunächst bis auf den Rahmen gestrippt. Obwohl die Louis-­Schrauber-Crew fast alles selbst erledigt, werden bestimmte ­Arbeiten an Spezialisten außer Haus vergeben. So auch die Blecharbeiten und der neue Heckrahmen. Da das Heck an der KTM geschraubt ist, ­musste zum Glück nicht geflext werden. Stattdessen konstruierte Blechkünstler Michael­ Naumann nach einer Zeichnung von Pressemann Kay Blanke ein neues ­Backend, ebenso wie einen Tank und eine Lampenmaske. Ein ­Problem brachten die Änderungen am Scheinwerfer allerdings mit sich. Wie bei fast allen CAN-Bus-Systemen verlaufen auch bei der KTM Elektronik und Sensorik über das Zentralinstrument. „Wenn du das Instrument entfernst, fangen die Probleme an. Darum haben wir uns ­entschieden, das Ding hinter der Lampen­maske zu platzieren. Es bleibt voll ­funktionsfähig und lässt sich im Handumdrehen herausziehen“, erzählt uns Kay. 

Wie lässt sich das dreilagige Schuppen-Design von Frontmaske und Heckbürzel interpretieren? Louis, Hamburg, Fisch?

Auch wenn das Bike für Sprint­rennen vorgesehen ist, stellt sich die Frage nach der Leistung bei einer Super Duke eigentlich nicht: Die Werksangabe liegt bei 175 PS. „Den Motor haben wir daher weitgehend unangetastet gelassen. Er wurde lediglich geschwärzt und mit silbernen Schrauben und offenen Tüten versehen. Dennoch nimmt sich Motorenguru Ulf Penner der Elektronik an und stimmt den brutalen V2 mit einem ­neuen Mapping ab. Was bleibt, ist der explosive Leistungseinsatz und das damit verbundene Problem, das Vorderrad am Boden zu ­halten und einen Überschlag zu verhindern. Also konstruiert Ulf eine elek­tronisch-mechanische Wheelie-Control, um die Bestie beim Antritt etwas zu zähmen.

Der doppelläufige Shark-Topf hat nix drin, hat’s aber dennoch ­extrem in sich. Das brüllt dermaßen infernalisch, dass Ortsdurchfahrten nur mit schwarzem Visier zu ertragen sind

Im Zuge der Umbauarbeiten verlor die ohnehin gertenschlanke­ KTM noch mal satte 40 Pfund, womit sie fahrfertig deutlich unter 200 Kilo bleibt. Der Inhalt des Spritfässchens schlägt dabei mit lediglich 3,5 Kilo zu Buche, nicht einmal vier Liter passen da rein. Mehr brauchts auch nicht, denn das Revier dieser Super Duke ist ja die Achtelmeile. Für einen halbstündigen Ausritt reicht die Pfütze­ im Tank aber schon. Viel weiter mag man ohnehin nicht fahren, weil das Ding einen komplett aussaugt. Aus dem ehemals mit leichter Hand zu führenden Kurvensuchgerät ist ein sturer Sprintbock geworden. Der Stummellenker verschiebt die Sitzgeometrie Richtung Vorderrad, was ja erst mal willkommen ist. Aber wenn dieses V2-Urvieh durch die ­offene Shark-Fanfare zum Angriff bläst, geht einem ganz schön der Zapfen – wohlwissend, dass die Traktionskontrolle abgeklemmt ist und Louis sein Unikat wohl eher ungern kaltverformt zurückhaben will. 



Also hopp, Hahn auf. Sehr schnell bin ich viel zu schnell. Die Pirellis grippen schlecht, wenn sie nicht ordentlich auf Temperatur gebracht werden. Dafür aber bleibt ja kaum Zeit noch Sprit. Doch die Gummis grippen nicht nur schlecht, sie wollen auch nicht in Schräglage. Viel zu laut, viel zu schnell und mit kalten Pneus ohne elektronische Helferlein würge ich die Fuhre durch die Kurven. Uiuiuiii. Stakkato-Puls, ­Adrenalin-Flutung. Geil! 

Sieht aus wie Chrom mit Rotverlauf, ist aber ­trotzdem nur lackiert und nicht verchromt

Bei Ortdurchfahrten suggeriere ich den Dorfbewohnern augenscheinlich den Kriegsausbruch. Männer ziehen ihre Köpfe ein, Mütter ziehen instinktiv ihren Nachwuchs zur Seite. Puh, schnell raus aus dem Kaff. Es dauert einige Kilometer, bis ich mich auf das Biest eingeschossen hab und die Rosso II halbwegs Haftung­ aufbauen. Die Kurvenun­willigkeit aber bleibt, weil das Gummi scheinbar übelst ­hergeburnt wurde.  Richtig harmonisch wird’s also nicht mit uns, aber extrem auf- und anregend. Auf einer ­normalen Super Duke würde ich mir ­gerade selbst um die Ohren fahren – bei deutlich geringerem Erlebniswert allerdings.

Und schon sind drei Liter Super weg. Und ich jetzt auch. Muss mein Totenhemd waschen,­ es riecht etwas streng.
 

Technische Daten – KTM Super Duke R (2015)

Leistung: 175 PS bei 9 500/min
Drehmoment: 143 Nm bei 7 400/min
Motor: Viertakt-Zweizylinder-V-Motor, wassergekühlt, vier Ventile pro Zylinder, dohc, Hubraum 1301 ccm, Bohrung x Hub 108 x 71 mm
Fahrwerk: Stahl-Gitterrohr­rahmen, WP-USD-Gabel, Standrohr-Ø 48 mm; Alu-Einarmschwinge mit WP-Mono­shock; Radstand 1482 mm, Lenkkopfwinkel 65,1°, Nachlauf 107 mm; 320-mm-Doppelscheiben­bremse vorn, 240-mm-Einscheibenbremse hinten; Bereifung: 120/70ZR17 vorn, 190/55ZR17 hinten, Leergewicht: 195 kg

Custom
Motor: Offener Einlass, Dynojet-Power-­Commander und Autotune, offener Shark-Endtopf, STParts-Krümmer, elektromechanische Wheelie-Control
Fahrwerk: Rahmen und Schwinge chrombeschichtet, neuer Heckrahmen, Wilbers-USD-Gabel, Wilbers-Federbein, Kineo-Speichenräder, ­Brembo- Radialbremsen vorn, Gilles-Stummellenker 
Specials: Frontmaske, Tank und ­Heckteil aus Aluminium von Michael Naumann, Schrammwerk-Lackierung, Koso-LED-Scheinwerfer, Louis-Blinker/Rücklicht-Kombi, Gazzini-Lenker­endenblinker, Gazzini-Griffe

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Stand:03 July 2020 19:00:19/custom/custom+louis-ktm+1290+super+duke+r+-+ready+to+sprint_191001.html?page=1