Custom Hookie Co. – Knete und Alublech

22.12.2019  |  Text: Thomas Kryschan  |   Bilder: Christian Heim, Werk
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Schöner Kontrast: Unter der perfekten Oberfläche des mattschwarz lackierten Hecks hängt der unbear­beitete Alutank mit sichtbaren Schweißnähten

Bei der Umsetzung von Nicos inno­vativen Entwürfen ist alles erlaubt, was funktioniert. Für den markanten ­Aluminium-Spritbehälter der XSR ­erweist sich ein Styroporklotz als passender ­Dummy, der so lange geschliffen wird, bis die Linienführung zum Konzept passt. Am Ende überträgt Nico die Form mit Hilfe von Pappstreifen aufs Aluminiumblech, biegt die Segmente des Schnittmusters, bis sie deckungsgleich auf den Rohling passen und verschweißt sie miteinander – junger Customizer ja, aber eben auch ganz alte Schule.

Klassisch analoge und zugleich minimalistische Hochtechnologie: Der ­Motogadget Motoscope Tiny passt perfekt zum Hookie-Style

Doch wir wollen hier keine weiteren Zeilen über das Yard-Built-Projekt verlieren, das in unserem Schwestermagazin CUSTOMBIKE bereits von allen Seiten beleuchtet wurde. Deshalb auf zur düsteren CB 750 auf unserem Cover, dem jüngsten Spross der Dresdner. Schon seit Ewigkeiten stand die Honda-Ikone auf der To-do-Liste von Hookie Co. und dann drängte sie sich ihnen förmlich auf: In Form der CB 750 K7 eines Kunden, der genau dieses Motorrad ­unbedingt wollte, weil es das Neonlicht des Showrooms just in seinem Geburtsjahr erblickte. Außerdem gilt der K7-Motor als letzte Baureihe von Hondas SOHC-Four als hochausgereift. Eine Tatsache, die das Motorrad zu einem der seltensten und meistgesuchten auf dem Markt macht. 

Mit Alu kann er: Nico zaubert aus dem Leichtmetall Tanks, Hecks und Scheinwerferverkleidungen

Eindeutig sind die Vorstellungen des Auftraggebers: Eine flache Linie, einfarbig schwarz, schnörkellos und mit Fokus auf der Performance. Performance aber ist so eine Sache bei diesem rollenden Oldtimer. Ja, er hat einen Reihenvierzylinder. Ja, zu damaligen Zeiten war dessen Leistung der schiere Wahnsinn. Heutzutage aber locken die 67 PS der 237 Kilo schweren Honda keinen mehr hinterm Ofen hervor. Deshalb wird ihr luftgekühltes Herz komplett zerlegt und mit einem 830-Kubik-Big-Bore-Kit neu aufgebaut. Neu bedüste Keihin-PD46-Vergaser mit Beschleunigerpumpe versorgen es mit Gemisch. Im Kontrast zum tiefschwarzen Rest des Motorrads bleiben Motor und Vergaser silber, ebenso die Fußrastenanlage und der kurze Endschalldämpfer. Auch die Upside-down-Gabel darf ihr helles Eloxat behalten. Aus einer Suzuki GSX-R stammend, wird zumindest sie dem sportlichen Anspruch schon mal gerecht. Am Heck versuchen eigens angefertigte YSS-Eco-Line-Stereofederbeine, auf dem Niveau der Gabel mitzuspielen.

Kaum zu glauben, wie knackig kurz der unangetastete Rahmen der XSR 700 ist. Obwohl nichts abgeschnitten wurde, endet sein Rohrwerk weit vor der Hinterachse: ein Traum für jeden Customizer

Eine Eigenfertigung sind auch die neuen Räder der K7. Einzig die hintere Radnabe bleibt erhalten. Vorn steckt die Achse in einer Zubehörnabe von Cognito Moto. Beide sind in Sun-Remo-Aluminiumfelgen eingespeicht. Doch erst Shinko-Reifen vom Typ SHR-270 mit ihrem steinzeitlichen Rillenprofil im Stile der Fire­stone de Luxe Champion perfektionieren den optischen Auftritt als rollender Oldtimer. Nachahmern sei gesagt: Im Gegensatz zum Firestone-Original besitzen die Shinkos gar eine Straßenzulassung. 

Der Halter des LED-Scheinwerfers besteht aus Aluminium und wird nicht angeschraubt, sondern über die Gabelholme gestülpt

Um beim Eindruck des Rentner­mobils nicht übers Ziel hinauszuschießen, mixt Designer Nico den Oldschool-Stil mit einem Hauch von Aggressivität. Speziell am Heck der Honda zeichnet sich sein Stil besonders ab. Aus Aluminium schweißt er einen Öltank, der unter dem Sitz des Piloten hängt und sich bis in den Solohöcker zieht. Mit Hilfe von Ton modelliert Nico anschließend die faszinierende Linie des Hecks, knetet, schneidet, schabt und schnitzt, bis er mit seinem Entwurf zufrieden ist. Wie schon beim Tank der XSR wird die endgültige Form mit Pappstreifen abgegriffen und aufs Blech übertragen. Das Ergebnis wirkt, als würde der Höcker über dem Öltank schweben. Der erzeugt mit seinen sichtbaren Schweißnähten und der rohen Oberfläche aus der Strahlkabine einen wunderbaren Kontrast zum feinsäuberlich verarbeiteten und lackierten Heck mit dem ins Blech versenkten Rücklicht. Extrem leicht ist die Lösung obendrein.

Dem 3D-Drucker entstammt der Halter der gelben Acryl-Panele

Für eine sportliche ­Sitzposition im klasssischen Sinne verlegt Nico die Fußrastenanlage zurück. Weit hinten sitzend und tief über den Tank gespannt, bekommt der Spritbehälter Einbuchtungen für die Knie, mit deren Hilfe sich das Bike ­regelrecht zwischen die Beine klemmen lässt. Der Pop-up-Tankdeckel ist der gleiche wie am Öltank im Heck, was unter Passanten zeit­weise für Verwirrung sorgt – beim Piloten hoffentlich nicht. Dass er nicht über das Niveau des Tanks aufragt, ist ein weiteres Detail, das die flache, cleane ­Linie erst möglich macht.

3Leider ohne TÜV: Am Heck werden die lichtleitenden ­Eigenschaften des Acryls ausgenutzt

Damit ist der Wunschzettel für die CB 750 fast abgearbeitet. In puncto Performance ist Nico allerdings noch nicht vollends ­zufrieden. Nach der Mechanik des Motors will er auch die Elektrik auf neuestem Stand ­wissen. Das gesamte Sortiment von Motogadget, samt M.unit, Tacho, Tastern, Lenkerendenblinkern und Keyless-Go strickt er um einen 12-Zellen-Lithium-Ionen-Akku von Antigravity herum. Der stellt genug Power bereit, um den Big-Bore-Motor und seine elektronische Zündanlage zuverlässig zu versorgen. Zusammen mit dem Truck-Light-LED-Scheinwerfer an der Front verliert so selbst der Ritt durch tiefschwarze Nacht jeden Schrecken, und dank gefräster Accossato-Handhebel an Kupplung und Bremse ist das Biest ­ohnehin jederzeit perfekt unter der Kontrolle seines neuen Beitzers.

Für Hookie Co. indes ist die düstere Honda längst Schnee von gestern. Aktuell kreisen Nicos ­Gedanken um BMWs Dauer­brenner 9T. Warten wir erregt aufs Hervorsprudeln.
 

Auf den Namen „Wolf“ taufte Hookie Co. die bildschöne Honda, die nur zu einem Zweck gebaut wurde: fahren!

Technische Daten – Honda CB 750

Leistung: 67 PS bei 8 000/min
Drehmoment: 60 Nm bei 7 000/min
Motor: Viertakt-Vierzylinder-Reihenmotor, luftgekühlt, zwei Ventile pro Zylinder, ohc, Hubraum 736 ccm, Bohrung x Hub 61 x 63 mm
Fahrwerk: Doppelschleifenrahmen aus Stahl, Telegabel, Standrohr-Ø 35 mm, Federweg 141,5 mm; Stahlschwinge mit zwei Federbeinen, Federweg 101,6 mm; Radstand 1495 mm, Lenkkopfwinkel 62°, Nachlauf 115 mm; 296-mm-Scheiben­bremse vorn, 180-mm-Trommel hinten, Bereifung: 3.25-19 vorn, 4.00-18 hinten, Gewicht: 237 kg

Custom
Motor:
Revidiert, 830-ccm-Big-Bore-Kit; restaurierte Keihin-PD46-Vergaser, neu bedüst für Sportluftfilter; Spark-Universal-GP-Auspuff, Motogadget-Elektrik mit M.Unit Blue und RFID-Keyless-System, Antigravity-Batterie, elektronische Zündung
Fahrwerk: Loop am Heckrahmen eingeschweißt, Suzuki-GSX-R-Gabel, YSS-Federbeine, Sun-Remo-Felgen mit Shinko-Reifen, Accossato-Handhebel, Tarrozzi-Fußrastenanlage 
Specials: Trucklite-LED-Scheinwerfer, Alu-Öltank unterm Alu-Heck, Tank mit Pop-up-Tankdeckel und Knieaussparungen, Blinker M.Blaze, Tacho Motoscope Tiny, Griffe Biltwell

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Stand:08 July 2020 07:20:28/custom/custom+hookie+co+-+knete+und+alublech_191202.html?page=1