Custom BMW K – Impuls

22.08.2018  |  Text: Jens Kratschmar  |   Bilder: Phillipp Wulk, Stefan Hobmaier
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Custom BMW K – Impuls
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Treffen sich ein fotografierender Anwalt und ein graffitisprayender Metallbaumeister. Der Anwalt redet über den Umbau seiner Boxer-BMW, der Metaller findet die Idee kacke. ­Warum die ausgelutschte R nicht einmotten und dafür eine gut erhaltene K 100 ordentlich ­aufpeppen? Gesagt, getan: Impuls
Was willst du denn mit der R? Den ganzen Abend erzählst du mir, wie gut die K ist, und willst trotzdem die R umbauen? Vergiss es!“, unter­bricht Matthias Pittner seinen ­Kumpel Philipp Wulk nach dessen mehrstündigem Monolog über seine Pläne, einen BMW-Boxer zum Custombike zu machen und seinem Lamento, dass die K so gar nicht zum Umbauen tauge. Wir schreiben den späten Herbst 2014 und Boxer-Umbauten kommen zu dieser Zeit gerade schrecklich in Mode. „Ich bau dir den Rahmen der K um, dann hast du, was du wirklich willst. Ich hab zwar keine Ahnung von Motorrädern, aber die K hat ja eh einen BMW-Automotor verbaut, die kenn ich“, spöttelt Metallbaumeister ­Matthias. Und besiegelt damit ­Philipps ­neues Custombike und eine für beide fruchtbare Zusammenarbeit bei vielen weiteren künftigen K-Umbauten unter dem Label „Impuls“.

Philipps Plan war das nicht. Zwar hat er sich als Schrauber und auch als ­Fotograf  verdingt, um sich das Jura­studium zu finanzieren, aber als Custom-Designer irgendwann mal Geld zu verdienen stand definitiv nicht auf der Liste. Ähnlich ist es bei Matthias. Sein halbes Leben in der Graffitiszene Münchens unterwegs, Autoschrauber, Metallbaumeister und wortkarger Perfektionist. Bei seiner Idee von Ende 2014, den Heckrahmen einer BMW K 100 abzuändern, bleibt es nicht. Mit Philipp zusammen findet er allmählich Spaß am Übertreiben. Plötzlich baut ­Matthias nicht mehr ein Motorrad für ­Philipp, sondern beide bauen zusammen ihr Motorrad. Eigentlich sogar zwei.

Als die K demontiert vor ihnen steht, wird beiden klar: Mit einem anderen Heckrahmen ist es nicht getan. Metal-Matthias  fertigt einen kleinen Höcker, weiterhin eine neue Airbox. Der Rahmen wird gecleant und angepasst. Am Ende lassen sie nur den Motor und den Kühler unberührt. Und hier beginnt die Geschichte in Stress auszuarten, denn Philipp hat derweil am PC gezaubert und einen Entwurf der K zu den Glemseck-101-Machern geschickt mit der Frage, ob sein Motorrad nicht antreten dürfe. Es darf. Mittlerweile ist Mitte Juli 2015 und es bleiben noch sechs Wochen Zeit. Die Freude ist groß, der Berg an Arbeit auch. In Philipps Werkstatt nämlich stehen bislang nur zwei Motoren und zwei Rahmen. Keine Elektrik, keine Räder, kein Lack, kein Tank – und kein Matthias, der ist gerade im Urlaub. „Ich habe dann eben etwas weniger geschlafen“, scherzt Philipp über diese Zeit. 

Jetzt kommt sein großes Netzwerk ins Spiel. ­Fabian Gatermann, Künstler aus München, soll die jetzt „K 101 Gatermann“ getaufte BMW optisch in Szene setzen. Er orientiert sich an den klaren geometrischen Formen, die die K von Haus aus hat, und überzieht die kantigen Karrosserieteile mit cremeweißem Lack. Mittels eines CAD-Programms lässt er die Formen in Polygone umrechnen und überträgt diese Darstellung anschließend per Hand und Tusche auf Tank und Höcker. 

Während Fabian lackiert, ist Philipp auf der Suche nach Felgen. Der zuvor schon ausufernde Umbau nimmt jetzt extreme Züge an: Das originale Getriebe nebst Kardan wird ersetzt gegen Teile der jüngeren K 1100, das passende Rad einer R 1150 GS montiert. In der Gabel rotiert jetzt eine ehemalige Hinterradfelge, die auf die passende Nabe einer R 100 R eingespeicht wurde. 

Wie bei jeder Customstory klingt das alles einfach und easy, doch haben Philipp und Matthias vier neuralgische, bei ihren K100-Umbauten stets wiederkehrende Probleme entdeckt: Da wäre zum einen der bereits erwähnte Heckrahmen, der so tief hängt, dass er praktisch keine durchlaufende Linie zulässt. Nach einem Umbau aber muss der komplette Rahmen neu eingetragen ­werden. 

Eine weitere Baustelle ist die für diese Baujahre recht üppige Bordelektronik. Das Motorsteuergerät und der unabdingbare Luftmassenmesser der Einspritzung bauen sehr groß, was den Umbau der Airbox und des Tanks deutlich erschwert. Womit wir auch schon bei der dritten Hürde wären: dem Tank. Durch seine einmalige Form sieht er im Profil zwar schnittig aus, erscheint aber aus Fahrerperspektive in der Draufsicht breit und unförmig. Änderungen oder komplette Neubauten sind zwar möglich, doch sollte dann der Benzin­pumpe in den Planungen ein hoher Stellenwert eingeräumt werden. 

Letzte und nicht minder problematische Problemstelle eines möglichen K-Custombikes ist der Auspuff. Wulk erklärt: „Gerade beim lang bauenden Vierzylinder ist das Krümmergeflecht hinderlich. Der Krümmer des vierten Zylinders liegt sehr weit hinten, quasi dort, wo bei normalen Motoren schon der Endtopf hängt. Das macht das Anpassen eines anderen Endtopfs nicht einfach. Wir haben uns mit einem Adapter geholfen, der den serienmäßigen Sammler ersetzt.“

Die Lackierung von Fabian Gatermann wird einen Tag vorm Glemseck 101 ­fertig und der Künstler fährt direkt nach Lieferung ins Krankenhaus zur Geburt seiner zweiten Tochter – Prioritäten müssen eben sein. Nach dem Wochenende in Leon­berg ist es Zeit für Philipp und Matthias, ein wenig über die Zukunft nachzudenken: „Na ja, die ­Saison war quasi vorbei. ­Also haben wir die K 101 nochmal auseinander­genommen und noch das ein oder andere Teil ­optimiert. Zeitgleich haben wir die zweite ­Maschine mit dem Lackdesign von ­Matthias Edlinger zusammengebaut und im April 2016 beide Mopeds bei Bike Exif präsentiert.“ Man kann das immer heller werdende Flackern in seinen Augen gut sehen, als er hinzufügt: „Ab dann ging alles sehr fix. Zuerst wurde die Gatermann verkauft, dann eine K 1100 im gleichen Stil und dann noch eine im Design von Florian Huth,” lässt er die vergangenen 24 Monate Revue passieren.

An die Mär des ersten umgebauten ­Motorrads zu glauben, ist indes schwer, wenn man die Bilder der K 101 sieht. Philipp lacht: „Stimmt, bei uns haben damals – unabhängig voneinander – alle mit 50er Rollern, Schwalben und S 51 angefangen. Matthias hat dann später lieber ­Autos gemacht und ich bin über eine R 65, K 100 und XJ 600 schließlich bei der R 100 gelandet.“ Womit wir wieder am Anfang der Geschichte gelandet wären.

Wie geht es bei Impuls nun weiter? „Wir haben uns dann entschlossen, ein Unternehmen zu gründen und arbeiten in vielen Bereichen mit Münchner Künstlern zusammen. Aktuell bauen wir zwei Ks, eine R 25, drei Fahrräder, drei R-100-Customs und designen aktuell auch Schuhe.“ Läuft bei Impuls.
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Stand:13 December 2018 02:20:28/custom/custom+bmw+k+-+impuls_18530.html