Custom – Kawasaki Z1 Green Island Bikes

18.06.2018  |  Text: Guido Kupper  |   Bilder: Derk Machlitt
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Custom – Kawasaki Z1 Green Island Bikes
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Hoch droben im Norden an den Gestaden der Elbinsel Krautsand zieht das ­Leben beinah so gemächlich vorüber wie der breite Strom selbst. Das mag in der ­bedächtigen Gründlichkeit von Olli und Ficko ebenso seinen Niederschlag finden wie in ihrer sympathischen Bescheidenheit. Rückschlüsse auf ihre wunderschönen Umbauten aber sollte man tunlichst vermeiden
Da saßen sie nun in der Sonne, Olli und sein Kumpel Ficko, an einem dieser seltenen Tage, an dem der Planet es schafft, den Dunst über ihrer Heimat, der Elbinsel Krautsand, zu durchdringen. An einem Tisch saßen sie und redeten, bei Selters und Kaffee. Früher ­wären es Bier und Schnaps gewesen, früher. Sie kennen sich schon lang, die beiden, und es ist ja nicht so, dass sie wenig miteinander zu tun hätten. Oft stehen sie stunden-, ja tagelang nebeneinander an den Hebebühnen, den Schraubenschlüssel in der Hand. Der Nordmann ist bekanntlich wortkarg. Wenn er sich dann aber Kopf an Kopf gegenüber sitzt, kommt auch er um Kommunikation nicht herum. Einen Tag zuvor erst war es, da hatte das Telefon geklingelt. Und wieder hatte eine dieser alten Damen ihren Besuch angekündigt. „Wir müssen reden“, sagte Olli zu Ficko, und so geschah es.



Bei der Custombikeschmiede Green Island Bikes hat man eine gewisse Erfahrung mit Frankensteins Töchterchen, das mittlerweile zwar zur Oma, doch keinesfalls alt und grau geworden ist. Die GIB 1, Green Island Bike Nr. 1, war eine Z. Zufall? Sicher nicht. Zwölf ­alte ­Damen sind auf Krautsand bereits wiederauferstanden und ­jede davon hatte ihren eigenen Charme. ­Dabei werden die beiden nie aufdringlich, der originale Stil steht im ­Vordergrund, die GIB-Handschrift soll sich eher ­unauffällig, zumindest aber harmonisch einfügen. ­Olli und Ficko stehen auf kleine, feine und durchdachte ­Verbesserungen, auf die möglichst unauffällige Integra­tion neuzeitlicher Technik in ehrwürdige Umgebung. Diese Z nun sollte, so wollte es ihr Eigner, besser als neu werden; vordergründig ihre Originalität wahren, aber in den Ecken eben jene Teile tragen, die man sich auf Krautsand in ruhigen Stunden so ausdenkt. Ficko, der eigentlich Jörg Fick heißt, ist ein Meister am Metall und kann folglich viele der Ideen stante pede aus seinen ­Fräsen und Drehbänken prügeln. 

Schon am Telefon wurden erste Ideen in einen Topf geworfen. Für die Feinabstimmung schwebte der Auftraggeber dann höchstselbst über den Flughafen Hamburg ein. Was beim Brainstorming während des Sit-ins herauskam, wurde erst in Zeichnungen und dann in die Realität umgesetzt. Vieles davon eher im Verborgenen. Das ist oft so bei den Bikes von der grünen Insel, ihre Spezialitäten erschließen sich nicht auf den ersten Blick – dem unbedarften Beobachter oft gar nicht. 



Was sieht man sofort? Die Upside-down-Gabel sicher, klar zeituntypisch, ebenso wie die Sitzbank. Und saß die Bremszange damals nicht huckepack auf einer einzelnen Scheibe. Und hatte die Kawa nicht ein 19-Zoll-Rad in der Front stecken? Und so geht es weiter. Je weiter man sich hineinkniet, umso mehr fällt einem auf. Und dann gibt es da noch Ollis Liste. Auf 21 Posi­tionen führt sie den ganzen Metallkram auf, der Qualität oder Finesse steigert und zumindest ideell mit GIB gemarkt ist. Von sämtlichen Buchsen über Kettenradaufnahme, Frontfender, Tachohalter und Achsen hin zu Rücklichtan­passung, Radnaben und Sitzbank geht da die Reise und ist damit noch lange nicht am Ende. Herausragend und deshalb in besonderem Maße erwähnenswert ist die Lösung, die Olli und Ficko mit Hilfe ihres Freundes Axel Joost bei der Elektrik zusammen­geknödelt haben. Sie reduzierten nicht nur den Kabelbaum aufs Unvermeidliche, sondern kombinierten ihn auch mit der „kleinsten Steuerbox der Welt“ aus dem Hause Elektronik Joost. Gesteuert wird das E-Werk über einen Lenker mit innenliegender Elektrik und ­Microtaster sehr elegant.



In Sachen Oberflächengüte lassen sich die beiden Nordmannen traditionell nicht lumpen. Kein Teil, das unbescholten davonkäme, ganz egal, ob neu oder alt. Und so beizen, strahlen, eloxieren, beschichten und lackieren sie, was das Zeug hält. Auch der Motor wird hochglanzbeschichtet – und nicht nur das. Allein seine Überholung inklusive 1075-ccm-Kolbenkit schlug mit 5.000 Euro zu Buche. Zu Ollis Liste gesellt sich eine weitere, nicht weniger umfangreiche. Vermerkt sind hier die verwendeten Neuteile, darunter solch unbedeutende wie die 4-in-4-Anlage, Cockpituhren, USD-Gabel, Bremsanlage, Federbeine, die Edelstahlspeichenräder und allerhand weiteres Kleinzeug. So erklärt sich auch der Stapel Scheine, den der trotzdem glückliche Besitzer am Ende auf den Tresen wuchtet: 25.000 Euro, Motor ­exklusive. Das muss Liebe sein. In Ollis und Fickos Falle ist es das immer.

Technische Daten – Kawasaki Z1

Leistung: 79 PS bei 8 500/min
Drehmoment: 72 Nm bei 7 000/min
Motor: Viertakt-Vierzylinder-Reihenmotor, luftgekühlt, zwei Ventile pro Zylinder, dohc, Hubraum 903 ccm, Bohrung x Hub 66 x 66 mm, Fünfganggetriebe
Fahrwerk: Stahl-Doppelschleifen­rahmen, Telegabel, Standrohr-Ø 36 mm; Stahlschwinge mit zwei Federbeinen; Radstand 1490 mm, Lenkkopfwinkel 64°, Nachlauf 90 mm; 296-mm-Scheiben­bremse vorn, Trommelbremse hinten; Bereifung: 3,25 H 19 vorn, 4,0 H 18 hinten, Gewicht vollgetankt: 246 kg

Custom
Motor:
Komplett überholter Serienmotor mit Kurbelwelle und Lichtmaschine von Z 1000 MKII und 1075-ccm-Kolbenkit, glanzbeschichtet; Ölkühler, elektronische Zündung
Fahrwerk: Edelstahlspeichenräder in 3,5 x 18 und 5,75 x 18 auf selbstgedrehten Naben, 52-mm-USD-Gabel,  320er-Doppelscheibenbremse mit Vierkolben-Festsattel, Aluminium-Kastenschwinge, Dämpfer in ­Retrooptik, Fußrasten hoch- und ­zurückverlegt
Specials: Sitzbank, Lenkrohr, Blinker­aufnahmen, Kettenschutz, sämtliche Buchsen und diverse Halter, Achsen, Frontfender, Minimalelektrik mit im Lenker verlegten Leitungen, Batterieaufnahme, Spritzschutz u. v. m.
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Stand:20 July 2018 10:47:43/custom/custom+-+kawasaki+z1+green+island+bikes_18530.html