Custom – Harley-Davidson BT-03

06.11.2019  |  Text: Carsten Heil  |   Bilder: Sébastien Nunes
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Custom – Harley-Davidson BT-03
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Ein elend langer Radstand von 1,62 Meter, 250 Kilo auf der Waage und dann noch nicht mal 100 Pferdchen – hört sich nicht gerade nach Sportmotorrad an. Stummellenker, Halbschale und zurückverlegte Fußrasten – hört sich nicht gerade nach Harley an. Das Auge aber erkennt: ein höchst begehrenswertes Harley-Sportmotorrad
Welchen Anteil hat eigentlich der Motor an der Fahrfreude? Hat das schon mal jemand ermittelt? Fünfzig Prozent – inklusive Sounduntermalung – vielleicht? Und das Fahrwerk? Die Bremsen?

Okay, kann man natürlich nicht ernsthaft messen, schon klar. Aber gehen wir mal davon aus, dass ein emotional ansprechender Maschinenraum die halbe Miete ist, dann ist Sasha Lakic mit seinem neuesten Wurf schon auf der sicheren Seite. Der einstmalige ­Bimota-, Yamaha- und Voxan-Designer hat sich diesmal an schwerem Gerät aufgerieben: ­Harley-Davidson Fat Bob. Luft­gekühlter 1,9-Liter-V2. 94 Pferde­stärken, aber vor allem: 155 Newtonmeter bei 3 000 Touren. Mil­waukees jüngster Big Twin ist ein ­sagenhaftes Aggregat, steckt nur ­leider in einem für Roadster-Freunde untragbaren Rahmen. ­Riesiger Radstand, vorverlegte ­Rasten … Cruiser halt. Mit 306 Kilo fahrfertig adipös obendrein.

Mit Stummellenker, zurückverlegten Fußrasten und vergleichsweise­ moderaten Reifenbreiten wird die Fat Bob zwar nicht zum Kurvensuch­gerät, lässt sich aber ohne Kratzen und ­Widerwillen umlegen

Lakic versteht was von gutem Design, sein Honda-CX-Racer ist die wohl geilste Güllepumpe ever. Aber wenn der Antrieb, wie eingangs philosophiert, der größte­ Brocken in Sachen Fahrspaß ist, dann können’s Fahrwerk und Bremsen nicht mehr rausreißen. Und ein 500er-Ackergaul-V2 aus den Siebzigern treibt nun wirklich niemandem mehr Tränen der Begeisterung ins Auge.

Jetzt also hat sich Lakic unter seinem Label Blacktrack Motors erstmals ein Milwaukee-Modell vorgeknöpft. Weil Harleys legendärer XLCR-Cafe-Racer aus den 70er Jahren schon als Kind sein Lieblingsmoped war und er diesmal keine halben Sachen beim Antrieb haben wollte. Aus einem Power­cruiser der Schwergewichtsklasse einen veritablen Sportler zu schnitzen, gehört nicht zu der Art von Projekten, die man mal so eben mit Bolt-on-Teilen und ein paar ­Eigenbaubrocken realisiert. 

Einen fetten Power­cruiser in einen sportlichen Schwerathleten umzustricken, erfordert reichlich Hirnschmalz und eine große Portion Handwerkskunst

Dabei ist die Basis keine schlechte: In unserem Seiten­sprung in ROADSTER 1/2019 konnten wir dem Eisenschwein viel Gutes abgewinnen. Der Rahmen ist wunderbar steif, der luftgekühlte V2 vereint Good Vibrations mit geschmeidiger Laufkultur und überaus strammem Huf, das Zusammenspiel von Antrieb und Fahrwerk ist feinst austariert. Und hätte die Fat Bob von Haus aus keine vorverlegten Rasten und keinen­ 150er-Pneu im Vorderbau stecken, würde sie mehr Schräglage zulassen und wäre auch beim Abklappen williger. ­Dennoch: ein höchst unterhaltsames Stück Motorrad, das durchaus flott um die Ecke geht, wenn es ­gezwungen wird.

Fast schon Kunst: Das weggesprengte Cruiser-Heck wurde mittels Alu-Hilfsrahmen in luftige Höhen gebracht

Doch wie lässt sich aus dem tiefliegenden Easy-Rider-Gestühl die sportliche Linie eines Cafe Racers herauspellen? Erst mal weg mit dem kompletten Heckrahmen, den Fenderstruts und dem Kotflügel.­ Übrig bleibt das nackte Monofederbein, das sich in Cantilever-Manier am Oberrohr hinterm Tank abstützt. Lakic konstruiert einen markanten, dreiteiligen Aluminium-Hilfsrahmen, der an den vorhandenen Aufnahmepunkten befestigt wird und das ebenfalls selbst entwickelte Heckteil in luftige­ Höhe bringt. Das ist der Anfang vom Ende der tiefen Cruiser-Linie. Die Operation gelingt, eine extra angefertigte Verkleidung verdeckt nun die offene Wunde über dem Monofeder­bein, die das weggesprengte­ Cruiser-Heck zwischen Haupt- und Hilfsrahmen hinterlassen hat. 

Bevor die CNC-Maschinen ans Werk durften, hieß es tüfteln: ­Besonders der markante Hilfsrahmen, als ­Schnittstelle zwischen Hauptrahmen und Heck, ist eine knifflige Konstruktion

Nun arbeitet sich Lakic Richtung Frontend vor, entwirft einen schnittigen Tank, der unübersehbar vom Design des originalen Harley-Cafe-­Racers inspiriert ist und dennoch Lakics ganz eigene Formensprache widerspiegelt. Zuvor aber montiert er noch den auf dem alten Spritfass sitzenden Tacho ab und flanscht ihn zusammen mit den selbstkonstruierten Gabelbrücken an den Lenkkopf. Denn zum einen ist das große Rundinstrument recht ansehnlich, zum anderen hat er absolut keine Lust, sich mit irgendwelchen CAN-Bus-Fehlern rumzuschlagen, die es bei der Verwendung anderer Instrumente hagelt.

Fußrastenanlage, Gabelbrücken und Edelstahlkrümmer sind in dieser Form nicht auf dem Aftermarket zu haben und wurden eigens für die ­BT-03 gefertigt

Stimmig wird die Linie schließlich durch eine ­Eigenbau-Halbschale, die zusammen mit Tank und Heck eine hinreißend sportliche Silhouette ergibt. Die Ent­cruiserung der Fat Bob wird komplettiert durch die Umrüstung auf absolute Top-Komponenten: Öhlins-Fahrwerk, Beringer-Bremsen, 17-Zoll-Dymag-Schmiederäder mit Michelin-Power-RS-Gummis in gängigen Sportbike-Dimensionen. Über die paar zusätzlichen Gäule, die der atmungsaktive Sreamin’-Eagle-Luftfilter im Verbund mit den aktiven Jekill-&-Hyde-Töpfen bringt, brauchen wir wohl nicht zu reden.



Beim Ausführen ist die Fat Bob jetzt natürlich nicht wiederzuerkennen: Die ­Umbauarbeiten brachten einen Gewichtsverlust von ­knapp einem Zentner, womit die BT-03 leichter ist als eine serienmäßige 883er-Sportster. Und plötzlich ist da ein Bezug zum Vorderrad, kein Aufsetzen in Schräglage mehr, kein zähes Abwinkeln in Kurven. ­Kehren bleiben hingegen arbeitsintensiv, denn an der ­Fahrwerksgeometrie hat sich durch die Eingriffe nichts geändert. Am Motor auch nicht – und der ist ja, wie wir inzwischen wissen, schon die halbe Miete.
 

Interview

Sasha Lakic, Motorraddesigner und Kopf hinter Blacktrack Motors

Sasha, deine Güllepumpe, die wir in ROADSTER 5/2015 vorgestellt haben, ist zweifellos einer der aufsehenerregendsten Cafe Racer, die je gebaut wurden. Mit der BT-03 hast du deinen Stil nun erstmals auf eine Big-Twin-Harley übertragen. Wie kam es dazu?
Wie man an meinen anderen BT-Projekten sehen kann, suche ich meine Inspiration immer in der Vergangenheit. Der Beginn der BT-03-Studie war ein Motorrad, das meine Kindheit prägte – die Harley-Davidson XLCR. Sie wurde zwischen 1977 und 1979 gebaut und war mit nur 3 133 Einheiten der einzige Cafe Racer in der Geschichte von Harley-Davidson. Ich war jedes Mal gebannt, wenn ich eine dieser Maschinen auf den Straßen von Paris sah.
Die BT-03 ist natürlich keine Nachbildung der XLCR. Sie fängt eher die Design-DNA des Harley-Racers ein, was sich beispielsweise im langgestreckten, kantigen Tank- und Heckbereich, der Bugverkleidung und den Siebenspeichenrädern der BT-03 widerspiegelt. Die gesamte Ästhetik ist zeitgemäß und fließend, ein reiner Cafe Racer, optimiert für maximalen Fahrspaß.

Was war die größte technische Heraus­forderung bei dieser Umstellung?
Der Fokus lag darauf, unsere BT-03 zu einem leichten Cafe Racer zu machen. So war das Abspecken – so viel wie irgend möglich – der schwierigste Part. Trocken wiegt die BT-03 248 Kilo – eine enorme Gewichtsersparnis gegenüber den 296 Kilo der Serien-Fat-Bob. Allein dieser Unterschied macht den Umgang mit der BT-03 sehr dynamisch, bringt das Erlebnis dem Geist des Cafe Racings entscheidend näher.

Wie zufrieden bist du mit dem Handling – ein Cruiser wird ja durch ein paar Öhlins-Komponenten allein nicht zu einem Agilitätswunder?
Ich stimme absolut zu. Das Umrüsten der Original­federung auf Öhlins reicht nicht aus. Aber in Kombination mit der Gewichtsreduktion­ und der vorderradorientierten Sitzposition passt es. Die Herausforderung bestand darin, die ­sportlichste Harley zu entwickeln, die ich je gesehen habe. Mir gefällt der Charakter des Milwaukee-Eight-V2 sehr gut. Er hat viel Drehmoment und dreht nicht sehr hoch. Meine Idee war, eher eine AC Cobra oder einen Ford Mustang zu schaffen als einen Ferrari. Großer Motor, sportlich, viel Gefühl – das war es, was ich wollte.

Du sagtest uns damals im Interview, dass du ein Fan von Zweizylindermotoren bist. Was ist für dich das Besondere an einem Harley-V2?
Ich bin verliebt in den großen Hubraum – fast zwei Liter –, die Vibrationen und den Sound! Wenn du diesen Motor fährst, weißt du sofort, dass du ein außergewöhnliches Stück Technik und Mechanik fährst.

Wird es einzelne Teile der BT-03 oder einen kompletten Umbausatz geben?
Wir bieten nur komplette Motorräder an. Die Blacktrack-Bikes werden in Miniserien hergestellt, von der BT-03 werden wir nur vier Stück bauen. Wir nehmen gerne Bestellungen entgegen, die Vorlaufzeit liegt bei sechs Monaten, eine EU-Homologation liegt vor.

In welche Richtung wird die BT-04 gehen?
Die BT-04 ist bereits in Arbeit und ich kann dir versprechen, dass es eine große Überraschung von Blacktrack Motors sein wird. Mehr kann ich aber noch nicht verraten …
 

Technische Daten – Harley-Davidson Fat Bob 114



Leistung: 94 PS bei 5 020/min
Drehmoment: 155 Nm bei 3000/min
Motor: Viertakt-Zweizylinder-V-Motor, luft/-ölgekühlt, vier Ventile pro Zylinder, ohv, Hubraum 1868 ccm, Bohrung x Hub 102 x 114 mm
Fahrwerk: Stahl-Doppelschleifen­rahmen, Upside-down-Gabel, Standrohr-Ø 43 mm; Stahlschwinge mit Monofederbein; Radstand 1615 mm, Lenkkopfwinkel 62°, Nachlauf 132 mm; 300-mm-Doppelscheiben­bremse vorn, 292-mm-Scheibenbremse hinten; Bereifung: 150/80-16 vorn, 180/70-16 hinten, Leergewicht: 306 kg

Custom
Motor:
Screamin’-Eagle-Luftfilter, Eigenbau-Krümmer mit Jekill-&-Hyde-Endtöpfen
Fahrwerk: Eigenbau-Aluminium- Heckrahmen, Öhlins-FG-424-Upside-Down-Gabel, Eigenbau-Gabelbrücken, Öhlins-HD-501-Monofederbein, Dymag-Schmiederäder, Michelin-Power-RS-Reifen, 120/70ZR17 vorn, 190/50ZR17 hinten, Beringer-Radialbremsen, 6-Kolben vorn, 4-Kolben hinten 
Specials: Polyester-Benzintank, -Frontfender, -Lampenmaske und -Heckteil, Sitzbank, zurückverlegte Fußrasten, Kennzeichenhalter – alles Eigenbau, ABM-Sport-Clip-ons, Beringer-Hebel, Rizoma-Griffe, Highsider-Front- und Rücklicht
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Stand:06 December 2019 08:50:42/custom/custom+-+harley-davidson+bt-03_19807.html Warning: fopen(cache/9125fdff6968ea66696c8e221bf3eb92.html): failed to open stream: No such file or directory in /var/www/vhosts/tools.huber-verlag.de/httpdocs/files/trunk/Bootstrap3/files/templates/index_template.inc on line 160 Warning: fputs() expects parameter 1 to be resource, boolean given in /var/www/vhosts/tools.huber-verlag.de/httpdocs/files/trunk/Bootstrap3/files/templates/index_template.inc on line 161 Warning: fclose() expects parameter 1 to be resource, boolean given in /var/www/vhosts/tools.huber-verlag.de/httpdocs/files/trunk/Bootstrap3/files/templates/index_template.inc on line 162 Warning: chmod(): No such file or directory in /var/www/vhosts/tools.huber-verlag.de/httpdocs/files/trunk/Bootstrap3/files/templates/index_template.inc on line 163