Yamaha MT-09 SP - Endlich Fahrwerk

28.02.2018  |  Text: Jens Kratschmar  |   Bilder: Werk, Jens Kratschmar
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Yamaha MT-09 SP - Endlich Fahrwerk
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Warum man vier Jahre gebraucht hat, um der MT-09 ein vernünftiges Fahrwerk zu verpassen, diese Frage bleibt von Yamaha unkommentiert. Auch egal, denn Yamaha haut jetzt ­ordentlich auf die Kacke: Hallo, MT-09 SP
Warum man vier Jahre gebraucht hat, um der MT-09 ein vernünftiges Fahrwerk zu verpassen, diese Frage bleibt von Yamaha unkommentiert. Nur ein Nebensatz fällt dazu in der Presseprosa: „Die SP soll als Alternative zu europäischen Marken dienen.“ Für mich klingt das eher nach: Na ja, die Mitbewerber bauen in ihre sportliche Mittelklasse eben gleich funktionierende Fahrwerke ein. Beispiele? Triumph Street Triple oder Ducati Monster 821. Einfach einen neuen, funktionierenden Dämpfer per Modellpflege einzubauen aber trüge nicht dazu bei, neue Marktanteile zu erschließen. Also haut Yamaha ­ordentlich auf die Kacke.



Hallo, MT-09 SP: Öhlins-Dämpfer im Heck und neue Kayaba-Gabel in der Front. Beides voll einstellbar, die Druckstufe der Gabel sogar mit einer Low- und Highspeed-Einstellung. SP steht bei Yamaha für SPecial, sieht aber eher nach SPort aus. Und gefällt schon im Stehen. Beim ersten Probesitzen sackt die MT nicht mehr bis auf den Boden ein, sondern hält die Höhe. Vielversprechend für die kommenden 220 Kilometer im Süden Portugals, garniert mit besten Kurven. Auf den ersten Kilometern durch die Stadt und den dorfreichen Speckgürtel ­Faros braucht der Hintern aber Nehmer­qualitäten. Der Nachteil einer straffen Abstimmung ist bei touristischer Fahrweise eben mangelnder Komfort.

So ein Fahrwerk braucht Tempo, braucht Kurven und das bekommen wir. Keine zwanzig Kilo­meter hinter der Stadt geht’s ­ordentlich rund. Das oft ­gesungene Hohe­lied der Asphalt­achterbahn bekommt hier eine neue Strophe: Ruckzuck habe ich die Orientierung verloren, der Guide gibt guten Speed vor und es reiht sich ­Kehre an Kehre. ­Perfekt für dieses Fahrwerk.



Nicht so perfekt für den Serienreifen: ­Bridgestones S20. Schon auf der Standard-09er weiß er zwar mit ­guten Allroundfähig­keiten und Neutralität zu punkten, er ­kippelt aber gern in tiefe Schräglagen rein, was im weichen Standardfahrwerk aber erst spät auffällt. Doch als Teil des scharfen Setups der SP ist der S20 fehl am Platz. Selbst weichgeknetet vom rauen Asphalt, bleibt er die Schwachstelle der MT-09 SP. Werden die Schräglagen höher und steigen die Kurvengeschwindigkeiten, kommt der ­Bridgestone zu schnell an seine Grenzen und schmiert im Extrem­fall leicht über die Front.

Zudem sieht das hintere Gummi nach knapp 60 Kilometern im flotten Straßen­modus aus, als hätte es gerade zehn Runden Husarenritt am Hocken­heimring hinter sich. Erster Eindruck: Fahrwerk top, Reifen Flop. Ein Glück ist so ein Gummi schnell gewechselt und dann steht SP nur noch für SPaß.

Zeit, das Fahrwerk genau zu betrachten. Teil 1: die Vorspannung. Der per Handrad justierbare Öhlins-Dämpfer bietet ein großes Einstellspektrum, auch wenn sich erst am oberen Ende eine merkliche Veränderung für starkhüftige Fahrer einstellt. Bei der Gabel braucht es einen 14er-Schlüssel und eine Plastiktüte, um die orange Eloxalschicht am Einsteller nicht zu beschädigen. Überraschenderweise ist die Vorspannung vorn fast offen, aber trotzdem gut getroffen. Viel Raum also für eine individuelle Einstellung der progressiven Federn.



Teil 2: die Dämpfung. Am Ausgleichsbehälter des ­Öhlins kann die Druckstufe eingestellt werden, die Zugstufe am Dämpfer selbst. Interessante Randnotiz: Die Dämpfung des SP-Federbeins ist mehr als dreimal so stark wie die der Standard-MT. An der Front kann die Druckstufe sogar in Low- und Highspeed eingestellt werden. Lowspeed regelt langsame Einfedergeschwindigkeiten – beispielsweise in langen Senken oder beim ­Bremsen, Highspeed entsprechend schnelle Stöße und dient bei Schlaglöchern auch als Durchschlagschutz.



Über den unverändert fulminant aufspielenden 847-Kubik-Triple mit kräftigen 115 PS und 88 Nm muss nichts weiter gesagt werden, außer: Er ist weiterhin einer der ­besten Landstraßenmotoren, denn er kann alles – unten drücken, oben ballern. Neu hingegen: Seine Kraft lupft wegen des straffen Hecks jetzt bei jedem Beschleunigen das Vorderrad, ergo wünscht man sich einen Lenkungsdämpfer. Auch ein Blipper würde der SP hervorragend stehen. Aber dazu ist ja noch Zeit – nur bitte keine weiteren vier Jahre.

1.200 Euro Aufpreis zur Standard-MT sind für die SP zu berappen. Bei Öhlins kostet das YA535-Feder­bein 1.195 Euro. Klingt nach Kuhhandel, aber: Die SP trumpft eben auch mit ihrer neuen, deutlich besseren Gabel auf, die man quasi geschenkt bekommt. Weiterhin gibt’s für 10.195 ­Euro noch die exklusive Lackierung on top. Vor dem ­Hintergrund, dass die meisten MT-09-­Fahrer ohnehin das Federbein tauschen, also ein gutes Angebot.

Fazit MT-09 SP

Was viele seit Jahren in der MT-09 vermissen, wurde der SP gegeben: Dämpfung, Stabilität und Präzision. Die Kombination aus Öhlins und Kayaba macht in Sachen Fahrwerk nahezu wunschlos glücklich. Endlich passen Motor und Fahrwerk zusammen. Topseller in Topform zu einem Toppreis. Einzig der in dieser Kombination schwache Serienreifen braucht jetzt ein Update.
 

Technische Daten Yamaha MT-09 SP

Preis: 10.195 Euro in Silver Blue Carbon
Leistung: 115 PS bei 10 000/min
Drehmoment: 88 Nm bei 8 500/min
Motor: Viertakt-Dreizylinder-Reihenmotor, wassergekühlt, vier Ventile pro Zylinder, dohc, Hubraum 847 ccm, Bohrung x Hub 78 x 59,1 mm
Getriebe/Endantrieb: 6-Gang, Kette
Rahmen: Brückenrahmen aus Aluminium
Federung vorn: Telegabel, Standrohr-Ø 41 mm, Federweg 137 mm, voll einstellbar
Federung hinten: Aluschwinge mit Zentralfederbein, Federweg 130 mm, voll einstellbar
Fahrwerksgeometrie: Radstand 1 440 mm, Lenkkopfwinkel 66°, Nachlauf k. A. Bremsen: 298-mm-Doppelscheibenbremse vorn, 245-mm-Scheibenbremse hinten
Bereifung: 120/70ZR17 vorn 180/55ZR17 hinten
Gewicht vollgetankt: 196 kg
Tankinhalt: 14 Liter
Inspektion: 10 000 Kilometer oder einmal jährlich

Roadsters Dresscode Jens Kratschmar

Helm:Shark Race R-Pro
Handschuhe: Spidi Carbon 4
Kombi: Spidi Track Touring Suit
Schuhe: Modeka SpeedTech
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Stand:23 May 2018 05:17:47/test/yamaha+mt-09+sp+endlich+fahrwerk_18123.html