Test Energica Eva: Saeuselnd durch die Alpen

02.02.2018  |  Text: Ulf Boehringer  |   Bilder: FBN, Werk
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Test Energica Eva: Saeuselnd durch die Alpen
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Jeweils einen Tag pro Woche war im Sommer 2017 das Herzstück der Sellarunde für den allgemeinen Verkehr gesperrt, nur Elektrofahrzeuge durften drauf. Auf der fast 55 Kilometer langen Vier-Pässe-Tour rund um den Sellastock nahmen wir Energicas Powerbike Eva ran – und drehten gleich zwei Runden ...
Für nicht wenige Freunde des Verbrennungsmotors ist die Existenz elektrischer Zweiräder ein Sündenfall. Keine durch ­Explosionen im Brennraum bewegten ­Kolben mehr, kein sündig-soundiges Auspuffen mehr, und – auf absehbare Zeit ­zumindest – auch keine Reichweite, die vergnügtes Touren auf der alpinen Achterbahn erlaubt. Lustvoller Kurvenflow trotz eines mit jedem Bergaufkilometer düsterer werdenden Blicks auf die Restreichweiten­anzeige?

Jenen Fans des Kolbenmotors dürfte jedenfalls auch die grün lackierte Energica Eva ein Dorn im Auge sein. Sie aber erlaubte uns an jenem Mittwoch,an dem sämtliche Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor draußen bleiben mussten, die individuelle Mobilität auf der Sella­straße. Die vollelektrische Eva, vom ­Hersteller Energica im norditalienischen Modena erbaut, ist kräftig unterwegs: 280 Kilo­gramm schwer, aber eben auch 80 kW ­respektive 109 PS stark und bei Bedarf bis zu 200 km/h schnell. An jenem Mittwoch machte sie uns zum König am Sellajoch.



Mit seinem zweiten Modell – der Erstling namens Ego ist mit 107 kW/145 PS bzw. 200 Nm nochmals stärker – hat ­Energica ein höchst energisch zu Werke gehendes Naked Bike vorgestellt, das die Bezeichnung Streetfighter absolut verdient. Im doppelten Wortsinn: Dieses Motorrad aus Modena ist nicht nur stark, sondern verlangt auch vom Fahrer einigen Einsatz. Nachdrücklich muss der über den Lenker Gehorsam einfordern. Nach einiger Eingewöhnung wird es dann aber geradezu vergnüglich, das Mädel schnell übers Sellajoch zu scheuchen. Routiniers am Lenker sind, wen wundert’s, klar im Vorteil.

Nicht unerwartet sprintet Eva mit einer Vehemenz von einer Kurve zur nächsten, wie sie nur 180 Newtonmeter Drehmoment möglich machen. Der 180 Millimeter breite Pirelli Diablo Rosso wimmert. Übertönt wird sein Leiden vom Antriebsgeräusch des kupplungslos arbeitenden Einganggetriebes; zusammen mit dem Laufgeräusch der Antriebskette ist das nur wenig leiser als eine nach Ende der Straßensperre im unmittelbaren Vergleich gefahrene BMW 9T Urban G/S. Der Mitarbeiter des Forstamtes Grödnertal, der die Straßensperre überwachte, mokierte sich denn auch prompt über die Ausnahmegenehmigung für E-Fahrzeuge: „Die sind auch viel zu laut!“ Und fügte hinzu: „Ich habe Sie schon von weitem den Berg runterfahren hören.“



Trotz aller Dynamik, die starke E-Bikes auszeichnet: Verbrennungsmotorräder derselben Leistungsklasse – bei der BMW sind’s 110 PS und 116 Nm – sind nicht ­chancenlos. Dazu müssen sie allerdings rücksichtslos durchbeschleunigt werden, um auch auf längeren Bergaufgeraden eini­germaßen dranbleiben zu können. In Kurven punktet dagegen die handlichere BMW.

Evas weitere motorradtypischen ­Eigenschaften sind angenehm unauffällig: Sie federt und dämpft auch mit der Fahrwerks-Basisausstattung von ­Marzocchi beziehungs­weise Bitubo recht gut und ­verzögert mit den radialen Brembos sogar ausgezeichnet. Dazu passt die gute Abstimmung des bei Bedarf abschaltbaren Bosch-ABS. Auch die Ergonomie gefällt, dank sinnvoll montierter Fußrasten, eines gut geformten Lenkers und des ordentlich gepolsterten Sitzes zwickt und zwackt nichts. Eine prima Sache ist der auf knapp 3 km/h limitierte Parkassistent, der vorwärts wie rückwärts funktioniert und sehr einfach bedienbar ist. Selbst der klitzekleine Flyscreen vor dem übersichtlich gestalteten 4,3-Zoll-TFT-Display kann sich positiv in Szene setzen. Zwar ist der Zubehör-Windschild weit wirkungsvoller, optisch aber eine Geschmacksfrage. Fines­senreich ist die vierstufige Rekuperationsmöglichkeit. ­Darüber hinaus wäre eine Feststellbremse vorteilhaft, auch optionale Heizgriffe wären willkommen.



Trotz der noch minikleinen Produktionszahlen leistet sich Energica einen umfänglichen Internet-Konfigurator
mit einer Vielzahl von Ausstattungsfinessen. Es locken unter anderem diverse Karbonteile, leichtere Schmiederäder, ­wunderschöne Speichenräder sowie ­hochpreisige Öhlins-Fahrwerkskomponenten und farbig eloxierte Schrauben-Sets für die Verkleidungsteile. Im Preis enthalten ist der feine 20-kW-Schnelllader. Mit seiner ­Hilfe lässt sich der Akku an CCS-Ladestationen in rund 30 Minuten auf 85 Prozent füllen; das normale Ladegerät, immerhin 3 kW stark, braucht dafür etwa drei Stunden. Ins Display integriert ist dank Serien-GPS die Anzeige der nächsten ­CCS-Ladesäule, sofern das Fahrer-Smartphone die ­Energica-App hat und verlinkt ist.



Trotz gegenüber 2017 leicht reduzierten Preises und verbesserter Ausstattung – der Schnelllader war 2017 noch ein Extra – entzieht sich die Italienerin als sehr exklu­sives Geschöpf einer kühlen Preis-Leistungs-Betrachtung. Emotional schlägt sie die vollelektrische Konkurrenz klar und auch optisch wirkt sie als „echtes“ Motorrad. Für 2018 setzt Energica noch eins drauf und liefert die Eva auch als „107“ mit dem 36 PS und 20 Nm stärkeren Ego-Antrieb aus. Und dann gibt’ sie auch noch als EsseEsse9: mehr Motorrad, weniger Streetfighter. Uiuiui... Schauen Sie mal nach: energicamotor.com.
Technische Daten
Motor: Ölgekühlter Permanentmagnet-Motor,
80 kW/109 PS bei 6 000/min, 180 Nm; Kettenantrieb
Batterie: Lithium-Ionen-Akku, Kapazität 11,7 kWh; Ladezeit auf 100 % an herkömmlicher Steckdose
3,5 Std., an CCS-Schnellladestation 30 min (auf 85 %)
Fahrwerk: Stahl-Gitterrohrrahmen; 43-mm Marzocchi-Telegabel, voll einstellbar, 125 mm Federweg; Aluminiumguss-Zweiarmschwinge, Bitubo-Zentralfederbein, Zugstufendämpfung und Vorspannung einstellbar, 140 mm Federweg; Aluminiumguss-räder; Reifen 120/70 ZR17 und 180/55 ZR 17. -330-mm-Doppelscheibenbremse vorn, 240-mm-Einscheibenbremse hinten. Gewicht fahrfertig 280 kg, Radstand 1465 mm, Sitzhöhe 795 mm
Preis/Garantie: ab 27.251 Euro, zzgl. 535 Euro -Nebenkosten, Garantie 3 Jahre (Bike),
50 000 km (Akku)
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Stand:24 April 2018 12:29:40/test/test+energica+eva+saeuselnd+durch+die+alpen_18130.html