Frischer Fisch

18.06.2015  |  Text: Thilo Kozik  |   Bilder: Thilo Kozik, Werk
Frischer Fisch Frischer Fisch Frischer Fisch
Frischer Fisch
Alle Bilder »
Kalte Technohülle, Fahrdynamik auf Superbike-Niveau: Vom ersten Erscheinen 2002 an polarisierte Aprilias Tuono mit unverdünnter Superbike-Aura. Dem neuen Jahrgang des von seinen Fans liebevoll „Thunfisch“ getauften Naked Bikes verleiht Noale nun mehr Eigenständigkeit
Ausritt: Aprilia Tuono V4 1100 RR

Frischer Fisch
Aprilias Tuono emanzipiert sich vom Superbike RSV4

.

Angebissen: Nicht mehr ganz so gebückt wirft der Thunfisch-Treiber die fahrdynamische Angel aus. Dabei zappelt der große Fang kaum noch, vielmehr stürzt sich die 1100er unter gelbem Flackern der Traktions­kontrolle von einer Kurve in die nächste

Sie war immer eine Exotin. Schon die erste Tuono war nichts anderes als ein gestrippter RSV-Mille-Racer mit gerader Lenkstange. Das machte sie zur stärksten und schnellsten „Super­naked“ mit eingebauter Wheelie-­Garantie, was bei alternden Supersportfahrern mächtig gut ankam. Auch in der Folgezeit machten es sich die Italiener einfach: Sie legten das passende Superbike auf, schraubten die Kunststoffhülle ab und schoben die unverkleidete Variante nach. Ebenso 2011, als die Tuono V4 R als Derivat des brandheißen Supersportlers RSV4 mit 167-PS-Vau-Vier-Aggregat kam.

Für 2015 bricht die Tuono nun mit dieser Tradition, hebt sich stärker von der zeitgleich vorgestellten neuen RSV4 RF ab. Keine Angst, auch die Neue ist ein Landstraßenfeuerzeug allererster Güte. Sie kommt mit mehr Hubraum und anderem Fahrwerk, der 65-Grad-V4 schöpft hier krasse 175 PS aus aufgebohrten 1077 ccm und sorgt dafür, dass an jedem Kurvenausgang die Front zum Himmel strebt. Sauber dosierbar setzt der Schub knapp über Standgasdrehzahl ein, verdichtet sich mit heftigem Anreißen in der Drehzahlmitte und stößt dank 100 Gramm leichterer Pleuel im oberen Drittel noch mal richtig zu – ein Aggregat zum Zungenschnalzen.
 
Das Auspuffkonzert macht dem Namen so viel Ehr’ wie dem Treiber Feinde

Wer’s mag, rollt niedertourig schaltfaul durchs Geläuf – doch wozu? Schon ein kurzer Impuls genügt zur Bedienung des Quickshifters, und so steppt der linke dicke Zeh auf der Suche nach maximalem Vortrieb fröhlich durchs Sechsganggetriebe. Neuerdings kappen die drei anwählbaren Fahrmodi Sport, Track und Race weder die Spitzenleistung noch das beachtliche Drehmomentmaximum von 121 Newtonmeter. Stattdessen modulieren sie das Ansprechverhalten von sanft bis bissig-aggressiv und mit ihm die Motorbremswirkung. Mit ihrer opulenten ­Charakteristik hält die Tuono, italienisch für Donner, ganz unabhängig vom gewählten Modus nicht hinterm Berg. Ihr brüllendes Auspuffkonzert macht dem Namen so viel Ehr’ wie dem Treiber Feinde.

Doch die sehen von der Italienerin ohnehin nur das knappe Heck und den fetten 190er-Schlappen. Ein 200er ist auch homologiert, macht über Land aber wenig Sinn. Die neue handlingfreudigere Geometrie mit steilerem Lenkkopfwinkel und knapperem Nachlauf macht die 1100er spürbar agiler, ja bei Langsamfahrt fast schon kippelig. Trotzdem rennt die Aprilia auf den Geraden zwischen den Kurven sauber geradeaus. Übertriebene Ausschläge ihres über Kuppen schnell mal leicht werdenden Vorderrads fängt der nicht justierbare Lenkungsdämpfer wirkungsvoll wieder ein.
 


  Teilen
Aprilia meldet sich in der Mittelklasse zurück

Aprilia meldet sich in der Mittelklasse zurück

 

Am Markt haben Shiver 750 und Dorsoduro 750 zuletzt keine tolle Rolle mehr gespielt. Nur noch 310 Stück gingen 2016 bei uns weg. Das Update anlässlich…

Nackte Granate – Aprilia Tuono V4 1100 Factory

Nackte Granate – Aprilia Tuono V4 1100 Factory

 

Euro 4 abtörnend? Weit gefehlt. Die schon bisher faszinierende Tuono V4 1100 ist mit der Überarbeitung noch faszinierender geworden. Was aber offen gesagt…

Test KTM Super Duke R vs. Aprilia Tuono V4 Factory: Laubblasen für Fortgeschrittene

Test KTM Super Duke R vs. Aprilia Tuono V4 Factory: Laubblasen für Fortgeschrittene

 

Es ist deutsches Kulturgut, das Laubblasen. Wenn der Herbst die Blätter anmalt, füllen sich die Prospekte der Baumärkte mit nervig scheppernden Handgurken,…

Bye Bye, Baby Girl - Yamaha XSR 700

Bye Bye, Baby Girl - Yamaha XSR 700

 

Die XSR 700 hat den Dauertest-Fuhrpark verlassen. Knapp 10 000 Kilometer war sie verlässliches Arbeitstier wie aufregende Kurvenräuberin. Zeit, die zahlreichen…

Knackig Sportstern

Knackig Sportstern

 

Ein Licht am Ende des Tunnels: Harley-Davidson hängt der 1200er-Sportster noch ein „Roadster“ ran und bringt ein nahezu neues Modell auf den Markt. Ob…

Topseller im Shop
Stand:24 April 2018 12:35:25/test/aprilia+tuono+v4+1100+rr_156.html