Outfit Helme – Bubble Trouble

24.04.2015  |  Text: Jens Müller, Guido Kupper  |   Bilder: Volker Rost
Outfit Helme – Bubble Trouble
Outfit Helme – Bubble Trouble
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Die glorreiche Vergangenheit, sie lebt nicht nur in unseren Motorrädern auf,sondern auch in neuen Helmen. Cooler Seventies-Style, Schutz und Komfort, geht das zusammen?
Die Zeit der Fliegerkappen und Halbschalen war in den 70ern schon Vergangenheit. Anfang des Jahrzehnts kamen Integralhelme in Mode, zunächst noch aus dem ­Autosport adaptiert. Ab 1976 kam's dann noch dicker, in Deutschland trat die Helmpflicht für Motorradfahrer in Kraft. Was damals für viele Kradler Teufels­zeug war, ist heuer in ­Zeiten zunehmend klassischer Motorraddesigns willkom­menes Stilmittel:

Integralhelme im Look der ­Seventies. Dabei müssen wir glücklicherweise nicht auf überalterte Murmeln aus fernen Tagen zurückgreifen. ­Mittlerweile bieten nämlich einige Hersteller Modernes in klassischer Form. ­In Sachen Schutzwirkung erfüllen die Modelle in ihrer Mehrzahl die Anforderungen der aktuellen ECE-Norm, der Gringo von Biltwell und der Bandit folgen den Vorgaben der ameri­kanischen DOT-Prüfung.

In Sachen Komfort bedeutet retro Verzicht. Wenn das Visier, wie früher eben üblich, mit Druckknöpfen fixiert wird, ist's Essig mit der Rastung. Beim Biltwell und beim DMD Racer werden die Visiere­ unver­rückbar aufgeklipst. Was das für Brillen­träger heißt oder für die Momente, wo an der Ampel nur mal die Nase juckt, müssen wir euch nicht erklären. Abhilfe schaffen zusätzlich orderbare Klappmechanismen.

Wer bei seinem Motorrad gesteigerten Wert auf Stil legt, dem dürfte auch das Design seines Helmes nicht egal sein.  Schließlich muss am Ende des Tages das Gesamtkunstwerk stimmen

Das ­Arretieren der Druckknopf-Klapp­visiere ist in allen Fällen eine elende Fummelei, in Fahrt ist es gar nicht, und selbst an der ­Ampel nicht so ohne weiteres zu ­machen. Die Druckknöpfe sind, ist der Helm erst auf dem Kopf, kaum in ­Deckungsgleichheit zu bringen, mit Hand­schuhen schon gar nicht. Erschwert wird das zusätzlich durch den Nachdruck, den die Knöpfe zumindest im Neuzustand verlangen. Die einzige vernünftige Lösung ­bietet hier der Bell Bullit mit seinem Magnetriegel – oder der Verzicht auf ein Visier und der Griff zur Motorradbrille.

Belüftungen sind allgemein Mangel­ware,­ Beschlagneigung ist durchaus ein Thema. Nur der vergleichsweise teure Bell bietet sie im Stirnbereich, seine Visiere sind zudem als einzige im Test beschlagfrei.

Die Passform eines Helmes ist ­eine sehr individuelle Eigenschaft, die Größenan­gaben sind generell mit Vorsicht zu ge­nießen. An einer ­Anprobe im Laden führt deshalb kein Weg vorbei, von einer Blindbestellung im ­Internet müssen wir auf jeden Fall ­ab­raten. Wer um der ­Optik willen mit einem Vintage-Helm unterwegs sein will, muss also Kompromisse ­eingehen. Am kleinsten fallen diese beim Bell Bullit aus. Zusammen mit Pre­miers Trophy ist er noch am nächsten an dem dran, was man von modernen Inte­gralhemen gewohnt ist.
 
Bandit Integral

Bandit Integral
Preis: 198 Euro
Bezugsadresse: bandithelmets.com

Schalenmaterial: Fiberglas, Prüfnorm: DOT, Visier: Klar, klappbar, Wandstärke 1,0 Millimeter, ohne Rastung. Antifog-Innenvisier erhältlich, Futter: Polyester in Samtoptik, verklebt, Verschluss: Steckschloss, Kinnriemen gepolstert, Gewicht: 1122 g (2XL), Größen: XS – 2XL, eine Schalengröße, Farbe: Weiß mit schwarzen Rallyestreifen

Praxis: Der leichte Bandit ist in Sachen Passform ein Reinfall: Bei geschlossenem Kinnriemen lässt er sich bis zur Nasenspitze nach hinten abstreifen, obwohl er stramm sitzt. Das minderwertige Steckschloss schließt nicht immer auf Anhieb, macht keinen vertrauenerweckenden Eindruck. Visier schließt nicht winddicht, bleibt nicht in Position. Ab Autobahnrichtgeschwindigkeit wird es laut, der Helm hebt ab, ab 160 km/h unangnehm. Dünn labberiges Visiermaterial.  Helmschale wertig, übrige Verarbeitung schlecht.

Fazit: Preis und Gewicht hin oder her, den Bandit können wir definitiv nicht empfehlen.
 
Biltwell Gringo

Biltwell Gringo
Preis: 199 Euro
Bezugsadresse: ma-bike.com

Schalenmaterial: ABS-Kunststoff, Prüfnorm: DOT, Visier: Muss zugekauft werden. Bubble-Form klar oder getönt ab 35 Euro, Stärke 2,1 mm, flaches Visier klar oder getönt ab 30 Euro. Klappmechanismus extra ab 18 Euro, Futter: Polyurethan (Lycra), herausnehm- und waschbar, Verschluss: Doppel-D, Riemen gepolstert, Gewicht: 1465 g (2XL), Größen: XS – 2XL, 2 Schalengrößen, Farben: Zahlreiche Einzelfarben und Farbkombis

Praxis: Ab rund 100 km/h recht laut.Zugig, dadurch aber beschlagarm. Brillen­träger brauchen zusätzlichen Klappmechanismus. Doppel-D-Verschluss wegen fehlender Öffnungslasche fummelig. Helm liegt gut im Wind, auch oberhalb 160 km/h. Gut verarbeitet mit angenehm tragbarer Innenausstattung, schwer.

Fazit: Abseits der vom Käufer selbst gewählten Visierlösung ein brauchbarer Helm ohne Retro-Gurken-Mängel.
 
Bell Bullitt

Bell Bullitt
Preis: ab 429,90 Euro (Testmuster 479,90 Euro)
Bezugsadresse: ma-bike.com

Material: Fiberglas, Prüfnorm: ECE und DOT, Visier: Bubble-Form, klar, kratzfest, mit Münze wechselbar, 2 mm dick, flaches Visier liegt bei. Beide Versionen in verschiedenen Tönungen erhältlich (je 60 Euro).Visiermechanik mit nur einer Rastung in ganz geöffneter Stellung. Magnetlaschenverschluss, Futter: Mikrofaser, herausnehm und -waschbar, antibakteriell, Verschluss: Doppel-D, Kinnriemen gepolstert, Gewicht: 1540 g (XL), Größen: XS – 2XL, drei Schalengrößen, Farben: im Test RSD Viva, viele weitere Versionen erhältlich

Praxis: Sehr ansprechend verarbeiteter, aber ziemlich schwerer Helm mit angenehm zu tragendem, hochwertigem Innenleben. Einziger Helm im Test mit Belüftungsöffnungen, machen sich je nach Sitzposition und Speed mit einem Rauschen oder Pfeifen bemerkbar. Gut abschließendes Visier, zugarm, praktischer Magnetverschluss. Gute Aerodynmaik , auch bei hohem Autobahnspeed, Visier beschlagfrei, hält in Mittelstellung schlecht die Position.

Fazit: Teuer, aber gut. Von allen hier getesteten Helmen bietet der Bullit den besten Gegenwert in Form uneingeschränkter Praxiseignung.
 
DMD Racer
 
DMD Racer
Preis: ab 329,90 Euro
Bezugsadresse: ma-bike.com

Material: Fiberglas (auch Carbon erhältlich), Prüfnorm: ECE, Visier: Muss zugekauft werden. Bubble-Version klar oder getönt ab 36 Euro, 1,6 mm dick, flaches Visier klar oder getönt ab 37 Euro. Flip Up-Visier mit Klappmechanismus 60 Euro, Futter: Textil, teilweise Lederoptik, herausnehm- und waschbar, Verschluss: Doppel-D, Kinnriemen gepolstert, Gewicht: 1370 g (L), Größen: XS – XL, eine Schalengröße, Farben: Mattschwarz, Weiß

Praxis: Auch beim Rocket kommen Brillenträger an einem Flip-Up-Mechanismus nicht vorbei. Bubble-Visier schließt relativ eng ab, nur leichter Luftzug im Innern spürbar, deutliche Beschlagneigung. Charakterköpfe mit ausgeprägter Kinnpartie stoßen am Kinnbügel auch bei passender Größe an Grenzen. Helm liegt vernünftig im Wind, bei hohem Speed wird's aber laut. Ordentlich verarbeitet ohne Highlights.

Fazit: DMD verbindet die coole, vom klassischen Bell Moto 3 inspirierte Optik mit zeitgenössischer Sicherheit und einem eher schlichten Finish.
 
Premier Trophy

Premier Trophy
Preis: ab 249 Euro (Testmuster 279 Euro)
Bezugsadresse: grandcanyonbike.de

Material: DCA (Dyneema, Carbon, Aramid), Prüfnorm: ECE, Visier: Klar, kratzfest, 1,5 mm dick, auch getönt erhältlich (40 Euro), Futter: Textil, teilweise Lederoptik, Wangenpolster herausnehm- und waschbar, Verschluss: Doppel-D, Kinnriemen gepolstert, Gewicht: 1393 g (XL), Größen: M – XL, eine Schalengröße, Farben: Im Test: M Red, viele weitere Versionen erhältlich

Praxis: Der in Sachen Verarbeitung  überzeugende Helm hat ein vergleichsweise kratziges Innenleben, Visier schließt nicht ganz winddicht, bleibt aber dank straffer Führung in gewählter Position.  Geringe Geräuschentwicklung, sehr stabil im Luftstrom auch über 180 km/h. Druckknöpfe schwergängig.

Fazit: Retro-Helm ja, aber ein modernes, schön gemachtes  Exemplar, dem man anmerkt, aus welcher Zeit es stammt. Auch hier wäre eine andere Visierlösung begrüßenswert. Im Reigen der Hersteller aber, die Visiere aus Plattenmaterial anwenden, noch die beste Lösung.
 
DMD Rocket

DMD Rocket
Preis: ab 369,90 Euro (Testmuster 390 Euro)
Bezugsadresse: ma-bike.com

Material: Fiberglas (auch Carbon erhältlich), Prüfnorm: ECE, Visier: Klar oder getönt (40 Euro), kratzfest, ohne Werkzeug wechselbar, Stärke 1,5 mm, Futter: Textil, teilweise Lederoptik, herausnehm- und waschbar, Verschluss: Doppel-D, Kinnriemen gepolstert, Gewichtsangabe: 1526 g (L), Größen: XS – XL, eine Schalengröße, Farben: Schwarz oder Weiß, als "Rocket Racing"  mit Dekor

Praxis: Vergleichsweise leiser, auffallend schwerer Helm, Visier nicht winddicht. Liegt auch bei hohem Tempo gut im Luftstrom. Schön verarbeitete Dekorhelmschale, ansonsten durchschnittlich, Visier hinterlässt bereits Schleifspuren im Lack. Straffe Visier­füh­rung hält Position. Schwergängige Druckknöpfe, knappe Kinn­partie.

Fazit: Tauglicher, aber schwerer Helm mit einer eher unbefriedigenden Visierlösung, die uns von einer Empfehlung absehen lässt.

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