KTM 790 Duke – Mit Karacho in die Lücke

07.11.2017  |  Text: René Correra  |   Bilder: KTM
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KTM 790 Duke – Mit Karacho in die Lücke
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Power, Performance, Preis – Lange hat KTM eine riesige Lücke zwischen dem quirligen, aber heftig ausgequetschten Single-Floh 690 Duke und dem brutalen Kraftreaktor 1290 Super Duke R klaffen lassen. Alles vorbei. Die just auf der EICMA vorgestellte 790 Duke steckt so voll mit geilem Zeug, dass sie mehr als nur ein Lückenfüller sein könnte.
Über 100 PS, über 600 Kubik und knapp 8000 Euro. So groß war die Lücke bislang zwischen der zweitstärksten und der stärksten Duke im Hause KTM. Kein Wunder also, dass die Rufe nach einer passgenauen Midi-Duke nicht erst seit gestern immer lauter werden. Mattighofen hat nun reagiert. Und welche Marschrichtung  die neue 790er Duke in die zackige Kiska-Front tätowiert hat, wird bei einem schnellen Blick auf die ersten Pressebilder klar. Rauchende, rutschende und steigende Räder und ziemlich viele Extremitäten mit ziemlich intensivem Asphaltkontakt. Da können die Jungs von KTM nicht aus ihrer Haut. Ready to Race halt.
 


Das aggressive Design des neuesten Herzoges entspricht der aktuellen Kantenlinie des Hauses und die vermittelt ja nun auch nicht unbedingt Blumenpflückertum. Startet vorne gewohnt gut, inklusive dem berüchtigten Vaginal-LED-Scheinwerfer. Nur nach hinten hin muss die 790 Duke sich von der Roadster-Style-Polizei Abzüge in der B-Note gefallen lassen. Das Heck erscheint etwas füllig, was vermutlich auch mit dem integrierten Luftfilterkasten zusammenhängt. Auch der nicht gerade klein dimensionierte Kennzeichenhalter samt integriertem Rücklicht sowie der merkwürdig geformte Spitz-Auspuff werden wohl nicht lange dem Blick in den Power Parts-Katalog standhalten.
 
Dafür stimmen die Eckdaten der neusten Duke umso freudiger. Der 799 Kubik messende Reihen-Twin ist mit Doppelzündung, 75 Grad Hubzapfenversatz und zwei Ausgleichswellen voll bei der Musik und ist für 105 PS sowie 86 Newtonmeter gut. Dank besonders schmaler Baubreite soll die Schräglagenfreiheit zusammen mit dem eng geführten Moskito-Auspuff nahezu unendlich sein. Für die vielen Ellenbogenkratzer da draußen. Gleichzeitig ist der „LC8c” tragendes Element eines leichten Chrom-Molybdän-Stahlrahmens.

Apropos leicht: Natürlich wird auch diese Duke kein Sumo-Sportler sein, Ehrensache. Ganz im Gegenteil, denn die A2-Version besitzt lediglich 44 statt der eigentlich erlaubten maximal 48 PS. Analog zur Duke 390 kann das nur einen Grund haben: Das Ding ist leichter, als es bei 48 PS sein dürfte. Mehr als 0,2 kW sind pro Kilogramm nicht erlaubt. Spitzt man den Rechenstift, kann man also ein Gewicht von etwa 160 Kilogramm ableiten. Und alle so yeah! Souveräne Stopping-Kapazitäten verspricht die radial verschraubte 4-Kolben Bremsanlage mit radialem Hauptbremszylinder.
 

Beim restlichen Chassis vertraut man auf die Hausmarke WP. Vorn in Form einer Upside down-Gabel mit 43 Millimetern Durchmesser und Open Cartdridge-Bauweise,
hinten in Form eines progressiv gefederten Dämpfers mit einstellbarer Vorspannung. Erwartbar. Erstaunlich ist hingegen, dass KTM selbst von einem vergleichsweise langem Radstand (1475 Millimeter) spricht, was im Motorrad-Lexikon ja eigentlich eher in der Rubrik „nicht so agil” abgelegt ist. Nun, sie werden es sicher schon irgendwie geschafft haben, die hohe Handling-Schule der Duke-Reihe auch in dieses Derivat zu pumpen. Sie reden ja schließlich auch nicht gerade selten vom „Skalpell” in Bezug auf die Neue, und nicht vom „Schlachtermesser”. Wird schon.
 
Auch die Elektronikausstattung sollte der ambitionierten Hausstrecken-Prügelei nicht im Weg stehen. Von ABS mit Supermoto-Modus (Regelung nur an der Front) über Traktionskontrolle und Quickshifter bis hin zu drei Fahrmodi plus frei konfigurierbarem „Track”-Modus ist alles dabei, was einen noch rabiater zu Bremse, Gasgriff und Schalthebel greifen lässt. Dazu alles noch schön schräglagenabhängig. Selbst eine Launch Control haben sie der Duke für den maximalen Ampelsprint ins Steuergerät programmiert. Für brutalstes Anbremsen auf den Radius wurde auch gleich eine Anti-Hopping-Kupplung spendiert. Der Spieltrieb im Kopf und am Knopf kann optional durch das Multimedia-System „KTM MY RIDE” befriedigt werden, wodurch sich Smartphone- und Audioplayerfunktionen ins TFT-Display integrieren lassen. Wenn's schee macht.
 

Es scheint ein überaus schlagkräftiges Package zu sein, dass sie da in Mattighofen geschnürt haben. Das sich vom Start weg dank 30 maßgeschneiderter Teile aus der Abteilung Powerparts noch schlagkräftiger gestalten lässt. Wenn der Preis tatsächlich so heiß ist, wie die Österreicher es versprechen, bedarf es keiner hellseherischen Fähigkeiten, um zu orakeln, dass die 790 Duke die umkämpfte obere Mittelklasse gehörig aufmischen wird. Unter der magischen 10.000 Euro-Grenze wird sie bei der Ausstattung wohl nicht bleiben, aber wenn die zweite Zahl des Preises eine Null bliebe, sollte es 2018 sehr spannend werden. Wir können jedenfalls ein erstes Ausfassen des Midi-Herzogs kaum erwarten.
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Stand:19 January 2018 12:38:43/news/ktm+790+duke+%E2%80%93+mit+karacho+in+die+l%C3%BCcke_171107.html