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28.06.2017  |  Text: Volker Rost, Daniel Doritz, Ralf Pfaff, Martin Lutz, Sven Wedemeyer  |   Bilder: Privat
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Yamaha SR – Weißt du noch?


Als wir noch jung waren, standen die Parkplätze vor den Schulen und Unis voll davon. Kaum einer, in dessen Zweiradleben noch keine SR aufgetaucht wäre, und so pulen wir in ein paar Köpfen nach versprengten Erinnerungen und betrachten Benders SR Hommage


André ist seiner Zeit voraus. Sohnemann Constantin ist gerade elf. Offenbar höchste Zeit, dass Vater und Sohn ge­meinsame Pläne für den Start eines noch jungen ­Motorradlebens schmieden. Es bleiben ja nur noch ­sieben Jahre bis zum Führerschein – 2022 steht ­quasi schon vor der Tür … Sehr langfristige Pläne, ­möchte man meinen. Doch schneller, als man denkt, sind die Kleinen flügge und schwärmen aus in die große ­weite Welt. Da kanns doch nur von Vorteil sein, wenn der Nachwuchs sich möglichst frühzeitig an den ersten fahrbaren Untersatz gewöhnen kann. Genau, alles im ­Sinne der ­Sicherheit! Mutti wirds sicher danken. Also her mit ­einem Bike für den Junior! Sollte das Maschinchen unter­dessen den einen oder anderen Kilometer bewegt werden müssen – natürlich nur, um Standschäden zu vermeiden – wird sich Vati schon erbarmen …

Nicht nur Abenteuer sammelte Martin anno 1989 in Südspanien und Marokko. Auch seine ersten und bisher einzigen Erfahrungen mit der SR. Das reicht für nostalgische Betrachtungen
 

SR Hommage

So ähnlich liest sich die Geschichte von André und Constantin. Im Mittelpunkt der Überlegungen von ­Vater und Sohn steht jedoch kein abgehalftertes Minibike, sondern ein ganz besonderes Krad: Die SR 400 aus dem Hause Benders in Ettlingen. Hommage heißt sie, auch sie ist dem Yard-Built-Programm entsprungen, jener fruchtbaren Marketing-Kampagne, die aus den Klassikern im Yamaha-Portfolio Einzelstücke macht.
 
Willkommen im Grünen: Das weiß-gold-graue Farbschema steht der kleinen SR bestens, ein wahrlich klassischer Look. Bei Bedarf kann sie auch flott ums Eck fliegen

Man muss die Hommage als Konzentrat aller Erinnerungen verstehen, die sich über Jahrzehnte in den ­Köpfen der Benders-Brüder einbrannten: XT, Stollenreifen, Nordafrika – benzinbefeuerter Pragmatismus mit einem Schuss Abenteuer und Romantik. Unter diesen Eindrücken wurde aus dem schlanken Serieneintopf ein unternehmungslustiger, zugleich aber auch zurückhaltender Scrambler. Klassische Zutaten durften natürlich nicht fehlen: grobstollige Reifen von Heidenau, mehr Bodenfreiheit durch längere Gabel und Federbeine, ein breiter Chromlenker. Dazu gibts Startnummerntafeln an Front und Seiten, die der seligen TT 500 nachempfunden sind. Einem lässigen Schal gleich, links schwungvoll über die Schulter geworfen, schwingt sich ein Hattech-Auspuff zum Heck. Ein schön gemachtes Teil, das es seit kurzem sogar für Jedermann zu kaufen gibt. Wohl tönt er, dieser Pott. Nicht zu laut, trotzdem keck. Besonders wenn man das Gas zu macht und es im ­Innern des Edelstahls munter vor sich hin ballert. Der matt-weiße Lack setzt hinter all diese Zutaten einen klaren Punkt. Ausrufezeichen hat die bescheidene Homage nicht nötig.

Ihr Einzylinder ist – völlig unangetastet – ebenfalls von der zurückhaltenden Sorte. Mit 23 PS lassen sich wahrlich keine Bäume ausreißen – die alte Vergaser-SR konnte das zu jeder Zeit besser. Doch ein Scrambler soll scrambeln, wie wir spätestens seit der letzten Roadster-Ausgabe ­wissen. Und das heißt: Wandern auf zwei Rädern, ganz entspannt, kontrolliert und im Einklang mit Mutter Natur. Eine überbordend motorisierte Fräsmaschine fürs Unterholz ist die Homage deshalb nicht. Fürs Staub aufwirbeln auf dem Waldweg sollte es aber allemal reichen.
 
In nur wenigen Wochen haben Christian und Raphael Bender aus der nagelneuen SR einen charmanten Scrambler gezaubert. Der Rahmen wurde bewusst nicht verändert. Die nötigen Teile zum Umbau werden mittlerweile in Kleinserie angeboten - Plug & Play

Die Benders-Yamaha, irgendwie mehr XT denn SR, erledigt diese Aufgabe mit Leich­tigkeit. Alle Extremitäten des Fahrers fügen sich wie von selbst ins Arrangement der schmalen Maschine. Allein die gezackten Endurorasten stehen fast zu eng bei­einander. Seis drum, die schlanke ­Maschine lässt sich mit dem raumgreifenden Lenker ohne Einschränkungen auf Sand, Schotter und ­Asphalt kontrollieren. Die Klassik-­Reifen fühlen sich dabei pudelwohl, selbst wenn die Leistung des Motors – aufgrund weitgehender Abwesenheit – auch mal voll ausgekostet wird. Den Single kann man ­maximal ­fordern, ohne mit einem unbedarften Zug am Gas sofort wheelend in der nächsten Hecke zu verschwinden. Ein geradezu spielerisches Vergnügen, das wieder mal beweist, dass ­weniger doch mehr sein kann.

Doch statt künftig durch Wald und ­Wiesen zu mäandern, wird die Hommage ­zunächst im Herzen der Großstadt ihre ­Bestimmung ­finden: in London, wo André den Großteil seiner Zeit verbringt. Eine ­gute ­Figur sollte sie aber auch dort auf jeden Fall machen. Schließlich sind sich ein leichter Scrambler und das ideale City-Bike näher, als man vielleicht denkt. Beide sind weich und leicht, rank und schlank, ideal zum Austricksen der Rushhour. Als Alternative zu den ­fetten Brummern in Andrés ­Garage – Harley XR und BMW K lassen grüßen – macht sich die Hommage an der Themse sicher bestens. Ein reduziertes Format passt schließlich besser zu einer Stadt mit ­extrem dickem ­Verkehr. Unkompliziert anzukicken, mit ­prak­tischem Gepäckträger, handlich und nicht über­fordernd. ­Constantin wird sich also noch etwas gedulden müssen.
 
Der sanfte Einzylinder blieb unangetastet. Der Fokus lag vielmehr auf reproduzierbarer Ästhetik ­ohne ­Schnickschnack. So ist auch der Auspuff ziemlich straight forward. Einzige Spielerei: Der Benders-typische ­Seitenständer mit Ringschlüssel

Benders Yamaha SR 400 Hommage – Technische Daten

Kontakt und Shop: benders.company
Preis: unverkäuflich
Leistung: 23 PS (17 kW) bei 6500/min
Drehmoment: 27 Nm bei 3000/min
Motor: Einzylinder-Viertakt­motor, luftgekühlt, zwei Ventile, ohc, Hubraum 399 ccm, Bohrung x Hub 87 x 67,2 mm  
Getriebe/Endantrieb: 5-Gang, Kette
Rahmen: Doppelschleifenrahmen aus Stahl
Federung vorn: Telegabel, Standrohr-Ø 35 mm
Federung hinten: Stahlschwinge mit zwei Federbeinen
Fahrwerksgeometrie (Serie): Radstand 1410 mm, Lenkkopfwinkel 63 Grad, Nachlauf 111 mm
Bremsen: 298-mm-Scheiben-bremse vorn, 150-mm-Trommel­bremse hinten  
Bereifung: 3,00-18 vorn, 4,00-18 hinten, Heidenau Klassik
Gewicht vollgetankt: zirka 158 kg
Tankinhalt: 12 Liter

Text: Volker Rost, Daniel Doritz, Ralf Pfaff, Martin Lutz, Sven Wedemeyer
Bilder: Privat

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Stand:17 August 2017 15:44:14/blog/yamaha+sr+-+weisst+du+noch_176.html