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20.07.2017  |  Text: Christian Heim  |   Bilder: David Hayes
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Harley-Davidson Sportster goes Scrambler – Ricks Big Foot


Stollenreifen, aufrechte Sitzposition, hochgelegter Auspuff, zarte Geländetauglichkeit. ­Attribute, die zur Zeit außerordentlich beliebt sind. Einen waschechten Scrambler zu bauen­ war aber gar nicht das Ziel der Männer von Rick’s Motor­cycles in Baden-Baden. Trotzdem haben sie einen veritablen Fedlweg-Schreck aus der Harley-Davidson Sportster gebaut.


Stollenreifen, aufrechte Sitzposition, hochgelegter Auspuff, zarte Geländetauglichkeit. ­Attribute, die zur Zeit außerordentlich beliebt sind. Einen waschechten Scrambler zu bauen­ war aber gar nicht das Ziel der Männer von Rick's Motor­cycles in Baden-Baden.



„Wir hatten schon ­immer mal vor, eine Grobstollen-Sportster zu bauen, Teile­ abseits des Mainstreams zu ­entwickeln“, ­erzählt Boss Patrick Knörzer, Spitzname Rick. „Eines ­Tages stießen­ wir eher beiläufig auf Metzelers Karoo 3. Da wussten wir: Das ist genau der richtigen Reifen für unser Projekt.“ Der Karoo ist ein ausgewiesenener On-/Offroadpneu mit Sägezahnprofil – und Straßenzu­lassung. Und er ist die Gummi gewordene Brutalo-Optik für die Forty-Eight. Der kompakte Eisenhaufen ­gehört zu den beliebtesten Motorrädern in Deutschland, lag letztes Jahr immerhin auf Platz 20 der meistverkauften Motorräder. Doch er ist als Straßenmotorrad gedacht, und so gab es reichlich Arbeit für Rick’s Mannschaft.



Um die Grobstoller in Szene zu setzen, wurden sie auf 17-Zoll-Räder aus eigener Pro­duktion gespannt. Vorn in der Dimension 130/80, ­hinten in fetten 170/60 auf einer 6-Zoll-Felge. So baut der Reifen ziemlich breit und füllt die Schwinge beinahe komplett aus. Allerdings müssen die Fenderstruts geringfügig modifiziert werden, sonst schleifts am Hintern. Für die richtige Dosis Offroad-Appeal wurden die Schutzbleche durch eigene Versionen ersetzt.



Mehr Stabilität am Heck bringen die eingeschweißten Unterzüge an der Serienschwinge, die sich auf Feder­beine von Progressive Suspension stützt. Einbaulänge wie Federweg entsprechen der Serie, eine Sportster gehört letztlich halt doch auf die Straße – was auch das ­Lebendgewicht unterstreicht: Mit Sprit im schmalen Fässchen bringt die Dirty-Eight 255 Kilogramm auf die Waage. Echte Offroad-Einlagen sind also raus. Die Harley ist und bleibt ein Eisen­schwein. Gut geschotterte Pisten nimmt sie zwar lässig unter die Räder, aber „die meisten wollen so einen Umbau eh wegen der Optik und dem Gesamtauftritt, nicht wegen der Geländegängigkeit“, bestätigt Rick.



Die Scrambler-Philosophie verlangt nach zumindest halbhoch verlaufenden Rohren. Bei der Dirty-Eight schlängelt sich eine BSL-Anlage unter der rechten Wade­ durch und mündet in einen wohlgeformten Endtopf. Da sie schon kurz vor dem Stoßdämpfer endet und das Kennzeichen auf die Seite wanderte, verbaut nun nichts mehr die Sicht auf den dicken Stollenreifen.



Den Lenker ersetzte Rick durch eine hauseigene Stange im Dirt Track Style. Ein Mini-Windschild darf natürlich ebenso wenig fehlen wie der obligatorische Custom-Luftfilter, der die serienmäßige „Brotdose“ ersetzt, wie Harleys klassische Airbox gerne spöttisch genannt wird. Sämtliche an der Dirty-Eight verbauten Teile – und das sind nicht wenige – können natürlich einzeln oder auch als kom­pletter Kit erworben werden. Einzig die Schwinge muss zum Umsch­weißen abgegeben werden. Das machen die Männer bei Rick's dann doch besser selbst. Und falls ihr in Baden-Baden das ein oder andere Teil bestellen wollt, fragt nach Big Foot-Parts – so hat Rick seine grobstollige Sportster nämlich offiziell getauft. Wir fanden Dirty-Eight aber irgendwie passender – sorry Rick!

Ansonsten dürfen sich alle Dreckspritzer schon mal auf die Zukunft freuen, denn die Motor Company aus Milwaukee hat ja eine glorreiche Dirttrack-Vergangenheit, der wir in einer der nächsten Ausgaben ein großes Special widmen werden.

Text: Christian Heim
Bilder: David Hayes

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Ausgabe 1/18 erscheint am 15. Dezember

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Stand:11 December 2017 03:12:06/blog/harley-davidson+sportster+goes+scrambler+-+ricks+big+foot_177.html