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12.09.2017  |  Text: Jens Kratschmar  |   Bilder: Jens Kratschmar, BMW Motorrad
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Pure&Crafted 2017: Entspannte Nummer


Der Tod kam auf dem Beifahrersitz eines Hybridtaxis auf dem Weg vom rosafarbenen Künstlerhotel zum Pure&Crafted. Ich habe mein Leben durch einen Wespenstich in Berlin verloren – fast. Es war echt knapp.





Wir lachen uns schief, als wir uns diese Geschichte zusammen spinnen. Chris Pingitzer von BMW Motorrad, Andreas Jancke VOX Automobil und ich steigen gerade in den wartenden Prius ein. Aufgeregt warnt mich der Fahrer: „Ich glaube da ist eine Wespe hinter ihnen ins Taxi geflogen.“ Erschreckend gewandt husche ich wieder vom Sitz. Siehe da. Da krümmt sich wirklich eine Wespe im Todeskampf, wo ich zuvor mit meiner Resurgence-Kevlar-Jeans Platz nahm. Armes Vieh. Ich beende was mein Hintern Sekunden zuvor nicht vermochte und erlöse das Insekt von seinen Leiden. Es ist Sonntagmorgen und wir sind nach einer launigen Musiknacht wieder auf dem Weg zum Pure&Crafted. Dort steht alles bereit für unsere Ausfahrt mit umgebauten 9Ts. Mein Gefährt für die nächsten Stunden ist von BMW Motorrad selbst mit den neuen Parts der Option 719 ausgestattet.





Darin enthalten sind gefräste Deckel, Handhebel, Spiegel, eine einstellbare Fußrastenanlage und natürlich die tolle Vintage-21-Lackierung. All das kann ab Herbst direkt ab Werk geordert werden und das Moped kommt dann schon so aus der Kiste. Also keine Murkserei daheim mehr und keine Teile über, die die Werkstatt blockieren. Mausklick-Customizing in Reinkultur und wer sich eine 9T für 15.350 Euro kaufen kann, der hat auch noch 2.700 Euro in der Kriegskasse für das allumfassende Umbaukit. Doch keine Panik, bei dem Update sind auch gefräste Ventildeckel dabei, die alleine kosten in vergleichbarer Qualität beim italienischen Zubehördealer schon 1.300 Taler. Alle Infos zur Option 719 gibt’s HIER.
Ich sag's wie's ist: An eine 9T gehören Stummellenker, schön tief und breit. So kommen echte Gefühle bei der Fahrt durch die grüne Lunge Berlins auf. Mitunter auch Schmerzen in Rücken und Handgelenken, denn irgendwie haben die hiesigen Straßenplaner eine Abneigung gegen Kurven.



Ergebnis des Wochenendes Nummer eins: Kollege Ahlsdorf hat recht wenn er sagt: „In Berlin gibt’s keine Kurven, in Berlin biegt man ab.“



Ergebnis des Wochenendes Nummer zwei: R9T und Option 719 ist eine richtig schicke Kombination. Schick und edel. So mag ich das.



Ergebnis des Wochenendes Nummer drei: Das Pure&Crafted-Festival in der neuen Venue am alten Kraftwerk Rummelsburg eine mehr als entspannte Geschichte. Das Bier ist nicht überzogen teuer, nur der obligatorische Pulled-Pork-Kram kostet ein Haufen Geld. Das war's im Grunde schon mit der Meckerei und anders als erwartet ist das Festival keine riesige Werbefläche für BMW Motorrad. Das Gelände ist schön, die Futterstände sehr ansprechend gestaltet und von hoher Qualität. Der General Store im alten Turbinenhaus mit den verbliebenden Schalteranlagen und Hängekränen verströmt industriellen Charme der längst vergangenen Zeit aus jeder Ritze des Klinkersteingebäudes in Freie.





Herrlich, denn über die vielen Türen und Treppen kann auf eigene Faust das historische Gebäude erkundet werden. Alles wirkt wie einfach verlassen und der Zeit überlassen. In der ehemaligen Kantine hängt heute noch ein handgeschriebener Zettel, der den Schnaps für 2,50 Mark anpreist. Prost. Die Händlermeile ist sehr edel und ansprechend, auch wenn sich dort nur Manufakturen zeigen, deren Produkte ich mir nicht leisten könnte, oder wollte. Aber wer die Kreditkarte glühen lassen möchte ist hier genau richtig. Helme kann man übrigens nicht kaufen.



Zurück zu den Motorrädern: In der Motoarea sammeln sich die namenhaften Customizer und Newcomer der Szene. In kleinen Parzellen auf einer überdachten Lagerfläche trifft man sich und kann man kann durch das regen Kommen und Gehen der Mopeds ständig neue, tolle Umbauten entdecken.





Ob vom Profi oder von privater Hand. Klar überwiegen auch hier die Umbauten von Zweiventiler-Boxern, doch auch ein paar schicke neue Guzzis oder echte H-D-Chopper sind zu finden. Ein schönes Sammelsurium am Menschen, Maschinen und Typen, perfekt abgerundet vom irrsten was ich bisher in Sachen Zweirad haben erleben dürfen: die älteste reisende Steilwand der Welt. Vier Motorräder nebeneinander rasen mit 90°Schräglage auf einer Steilwand entlang und bei jeder Vorbeifahrt vibriert der Boden. Grandios.





Ganz im Gegensatz dazu die Auswahl der auf zwei Bühnen spielenden Bands und deren Zuhörer. Letztere sind klar zu trennen von den Motorradfreunden, gefühlt haben die Musikhörer im übrigen Leben keinerlei Berührungspunkte mit dem Motorrad und kommen nur wegen der Bands.





Leider bringen diese so gar keine Stimmung auf, triefen die Darstellungen wie Songs nur so von depressiven Weltansichten eines Teenagers mit Liebeskummer. Entsprechend melancholisch ist die Bühnenshow und das Zusammenspiel mit dem großen Musikpublikum. Einziger Lichtpunkt im musikalischen Dunkel: die Berliner Mädelsband Gurr. Hörtipp aus der Redaktion



Man munkelt von 10.000 Leute am Samstag beim Headliner Interpol. Das sieht auf den Bilder glaubwürdig aus, aber wie sich das ganze Festival so tragen soll, ist mir ein Rätsel. Am Ende wurscht. Den Leuten gefällt's, tolle Location, tolle Atmosphäre, tolle Motorräder. Und vor allem: Es wird nicht gesprintet und das macht das Pure&Crafted zu einer Reise wert – Berlin übrigens auch.




 

Text: Jens Kratschmar
Bilder: Jens Kratschmar, BMW Motorrad

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